Prognose in Stuttgart nicht haltbar Milliardenprojekt: SPD kündigt Neustart bei Opernsanierung an

Das Stuttgarter Opernhaus ist stark sanierungsbedürftig. Foto:  

Die Kostenschätzung für die umfassende Sanierung und Erweiterung der Staatsoper aus dem Jahr 2019 ist überholt. Gleichzeitig gehen Einnahmen bei Stadt und Land zurück.

Die Kostenprognosen aus dem Jahr 2019 für die Sanierung des Opernhauses in der Landeshauptstadt sind nicht mehr zu halten. Das Gesamtprojekt, bei dem neben der umfassenden Sanierung und Erweiterung des alten Staatstheater-Gebäudes im Oberen Schlossgarten auch der Bau einer Interims-Spielstätte, eines Kulissenhauses und von Werkstätten vorgesehen ist, könnte sich von maximal 960 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Die SPD im Landtag hat im Falle ihrer Regierungsbeteiligung nach der Wahl im März 2026 einen Neustart des Projekts angekündigt. Dazu gehöre die „ernsthafte Betrachtung eines Neubaus“, so der kulturpolitische Sprecher Martin Rivoir. CDU-Finanzsprecher Albrecht Schütte sagte, die Entwicklung überrasche angesichts der Dimension und der Verzögerungen nicht, das Projekt hätte aber in den beiden zuständigen Ministerien „schon länger Chefsache“ sein sollen. Finanz- und Kunstministerium werden von den Grünen geführt.

 

Gravierende Umplanung nötig

Petra Olschowski (Grüne), Ministerin für Wissenschaft und Kunst, hatte nach einer Sitzung des Verwaltungsrats der Württembergischen Staatstheater am Mittwoch eine gravierende Umplanung für das Opern-Interim im Stuttgarter Norden angekündigt. Es müsse „bezahlbar bleiben, also kleiner und einfacher werden“. Das Übergangsgebäude soll während der Sanierung für etwa zehn Jahre genutzt werden. Den europaweit ausgeschriebenen Architektenwettbewerb dazu hatte das Stuttgarter Büro A+R Architekten zusammen mit NL Architects 2023 gewonnen. Gebaut werden kann auf städtischem Gelände frühestens von 2028 an, das Interim soll 2032 fertig sein und von 2033 bis 2042 Oper und Ballett eine adäquate Unterkunft bieten.

Schon jetzt ein Plus von 45 Prozent

Die Kosten für das Interim seien wegen der Baupreisentwicklung seit der Schätzung 2019 von 100 auf jetzt 145 Millionen Euro gestiegen, so Olschowski. Die Projektgesellschaft (ProWST) solle aufzeigen, „wie man spürbare Einspareffekte erreichen kann“. Die ProWST hatte seit Dezember 2024 in mehr als 30 Einzelpunkten Sparmöglichkeiten gesucht. Nur mit einer Verkleinerung, so ProWST-Geschäftsführer Christoph Niethammer, sei eine Einsparung tatsächlich möglich. Die Reduzierung der heute 1404 Zuschauerplätze im historischen Littmann-Bau auf bisher 1200 im Interim halte er für „vertretbar“, so Intendant Marc-Oliver Hendriks. Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) betonte bei der Pressekonferenz nach der Sitzung des Verwaltungsrats, es seien „keine Tabuzonen vereinbart“.

Öffentliche Haushalte marode

Rechnet man die 45 Prozent bisheriger Baupreissteigerung auf das Gesamtprojekt hoch und nimmt – mit Blick auf den Baupreisindex – weitere drei Prozent pro Jahr bis 2042 an, könnte der Komplex Oper, den die Stadt und Land je hälftig finanzieren, bis dahin etwa 1,8 Milliarden Euro kosten. Eine Prognose zur Kostenentwicklung beim Altbau lehnt Olschowski ab, für diesen gebe es noch keine gesicherte Planung. Die Ministerin und OB Nopper verwiesen in Sachen Einsparbemühungen auf den Zustand der öffentlichen Haushalte. Nopper berichtete von einem Milliardendefizit der Stadt in diesem Jahr. Olschowski sagte, man wolle versuchen, Geld aus dem Investitionsprogramm des Bundes für Kultur zu erhalten. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte auf Anfrage, der Ball liege nun bei der Projektgesellschaft. Sie müsse die Anpassung der Pläne prüfen. Im November 2024 hatte Kretschmann das Projekt trotz Zeitverzug und absehbar höherer Kosten verteidigt. Exzellenz in der Spitze führe zu „Qualität in der Breite“. Das sei so in der Technologie, in der Wirtschaft, und auch bei der Kultur. Daher gelte: „Grombiera statt Kunst gibt es bei mir nicht.“

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