Protest des Personalrats Finanzbeamte hadern mit Tiktok-Auftritt ihres Ressorts

Will auf Tiktok bleiben: Finanzminister Bayaz, Grüne Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Wieder Aufregung um Tiktok: Beschäftigte und Gewerkschaft verurteilen die schrillen Filmchen aus dem Ministerium. Doch Danyal Bayaz’ PR-Leute wollen damit weiter junge Leute erreichen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Wenn an diesem Montag die Vorsteher der Finanzämter aus ganz Baden-Württemberg zusammenkommen, wird neben dem Üblichen ein ungewöhnliches Thema auf der Tagesordnung stehen: Tiktok. Das Finanzministerium von Danyal Bayaz (Grüne) will seinem Führungspersonal erklären, warum und wie es die umstrittene chinesische Kurzvideo-Plattform nutzt. Erst im Februar hatte es darum große Aufregung gegeben. In einem Filmchen mit dem Titel „Das Finanzamt auf dem Weg, um Deine Nachzahlung zu holen“ tanzten Bayaz’ PR-Leute kostümiert durch die Flure, samt Banknoten und Geldkoffer.

 

Prompt fühlten sich Steuerzahler verhöhnt, im Internet braute sich ein Proteststurm zusammen, angefacht auch aus dem rechten Lager. AfD-Chefin Alice Weidel forderte sogar den Rücktritt des Ministers. Die Medientruppe löschte das Video zerknirscht („An der Stelle lagen wir daneben“), auch Bayaz bezeichnete den Ton als „unangemessen“. Man werde noch stärker darauf achten, „dass die Kommunikation behördlichem Niveau entspricht“, versprach er.

Ansehen der Steuerverwaltung in Gefahr?

Im Nachgang sahen sich die Beteiligten teilweise üblen Schmähungen aus dem Netz ausgesetzt. Doch auch innerhalb der Finanzverwaltung, wie jetzt bekannt geworden ist, kam das Video denkbar schlecht an. Die Kollegen in den Finanzämtern und der Oberfinanzdirektion fühlten sich „diffamiert und bloßgestellt“, beklagt der Hauptpersonalrat in einem Rundschreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Der Tiktok-Auftritt zeuge nicht nur von „fehlender Wertschätzung“ des Ministeriums gegenüber den Beschäftigten. Er hintertreibe auch die langjährigen Bemühungen, „gemeinsam das Ansehen der Steuerverwaltung bei den Bürgerinnen und Bürgern zu verbessern“. Für eine „Eingriffsverwaltung“, so der Fachterminus, sei das „nicht leicht“. Auch wenn die Personalvertretung formal nicht zuständig sei, distanziere man sich „ausdrücklich von sämtlichen Tiktok-Auftritten des Finanzministeriums“. Den „Unmut“ habe man übrigens bereits im Mai 2024 zu Protokoll gegeben.

Ähnlich empört äußert sich die Deutsche Steuergewerkschaft, kurz DSTG. Man sehe in dem Tiktok-Auftritt „eine massive Beschädigung des Ansehens der Steuerverwaltung“, hieß es in ihrem Newsletter, viele Beschäftigte fühlten sich „verunglimpft und herabgewürdigt“. Videos dieser Art dürfe es nicht mehr geben. „Selbstverständlich kann man über Tiktok streiten und auch über Humor“, sagt der DSTG-Landesvorsitzende Jochen Rupp. „Hier wurde aber nun eine Grenze überschritten.“ Auf ein Wort des Ministers warte man bisher vergebens.

Sprecher: Tiktok kann auf Ältere „irritierend wirken“

Der Sprecher von Bayaz zeigt einerseits Verständnis für die Kritik. Außerhalb der sehr jungen Zielgruppe von Tiktok könne die Kommunikation des Ressorts dort in der Tat „irritierend wirken“. Viele Ältere seien erst durch die Aufregung um das Video auf den Kanal aufmerksam geworden. Von jüngeren Beschäftigten oder Studierenden der Finanzhochschule erhalte man dagegen „viel positives Feedback“. Zuspruch gebe es auch aus der eigenen Verwaltung, samt der Ermunterung, unbedingt auf Tiktok zu bleiben. Das habe man vor, auch um mit Blick auf den Nachwuchsbedarf mit den „ganz jungen Menschen“ im Kontakt zu bleiben.

Die letzten Videos auf dem Kanal fielen übrigens sichtbar weniger schrill aus – vielleicht wird das die Finanzamtschefs am Montag besänftigen. Geplant ist zudem ein Workshop für Interessierte, um „neue Ideen und Formate“ für Tiktok zu entwickeln.

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