Radverkehr in Stuttgart Schwabtunnel in der Nacht auf Donnerstag gesperrt – danach nur noch Tempo 30

Ab sofort gilt Tempo 30 im Schwabtunnel. Zudem werden Autofahrer auf das Überholverbot von Radfahrern noch einmal hingewiesen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Im 125 Meter langen Tunnel zwischen dem Stuttgarter Westen und Süden überholen Autofahrer immer wieder verbotswidrig Radfahrer. Nun reagiert die Stadt.

Reporter: Alexander Müller (ale)

Der Schwabtunnel ist die direkte Verbindung zwischen dem Stuttgarter Westen und Süden. Doch an der nur 125 Meter langen Röhre scheiden sich die Geister in der Landeshauptstadt. Der Tunnel ist längst zum Politikum geworden. Denn das geltende Überholverbot wird von Autofahrern immer wieder missachtet, verschiedene Interessensverbände sehen daher die Sicherheit der Radfahrer gefährdet. Sie fordern die Einrichtung einer Umweltspur und somit eine einseitige Sperrung für den motorisierten Individualverkehr. Das lehnt die CDU strikt ab. Nun reagiert die Stadt: Um die Verkehrssicherheit für Radfahrer zu erhöhen, führt sie ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde im Schwabtunnel ein.

 

Piktogramme und farbige Nägel weisen auf Überholverbot hin

Dafür wird die Röhre in der Nacht auf Donnerstag, 18. September, für den Verkehr gesperrt. In der Spurmitte sollen künftig eine Reihe von Piktogrammen darauf hinweisen, dass Radfahrer die gesamte Fahrbahnbreite nutzen dürfen. Zusätzlich werden reflektierende Nägel auf der Mittellinie angebracht. So sollen Autofahrer für das Überholverbot sensibilisiert werden, und die Gefahr für Radfahrer reduziert werden. Zusätzlich gilt ab sofort ein Tempolimit. Zwischen der Reinsburgstraße auf Höhe der Hausnummer 75 und der Schickhardtstraße 45 wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert.

Auslöser der Diskussion waren Beschwerden von Radfahrern, die sich im Schwabtunnel nicht mehr sicher fühlten. Daraufhin hatten sich verschiedene Interessensverbände wie der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) für eine einseitige Sperrung des Schwabtunnels ausgesprochen. Sie forderte eine Umweltspur, die ausschließlich von Linienbussen, Taxen und Radfahrern genutzt werden darf.

Laut Polizei kein Unfallschwerpunkt

Dass ein Handlungsbedarf besteht, zeigte sich bei einer Polizeikontrolle Mitte Juli dieses Jahres. Oftmals wurde das Überholverbot von Autofahrern nicht eingehalten, die durchgezogene Mittellinie vor allem aus Heslach kommend bergauf missachtet. Ganz zu Schweigen von dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Metern. Allerdings weist die Statistik den Schwabtunnel nicht als Unfallschwerpunkt aus. Außer einem leicht verletzten Radfahrer am 1. Juli dieses Jahres sind seit Anfang 2019 kein weiteren Vorfälle verzeichnet.

Gemeinderätin Anita von Brühl vor einem der Plakate der CDU. Foto: CDU

Dennoch sprach sich der Bezirksbeirat West für einen Verkehrsversuch mit einer Umweltspur aus, hingegen lehnten die Amtskollegen aus dem Stuttgarter Süden diesen bei Stimmengleichheit knapp ab und sprach sich vielmehr für die nun von der Stadt umgesetzten Sofortmaßnahmen aus.

Kampagne der CDU gegen mögliche Sperrung

Damit kommt die Verwaltung einer Kampagne der CDU-Gemeinderatsfraktion zuvor. Die Christdemokraten lehnen die Idee einer einseitigen Sperrung kategorisch ab und machen ihren Widerstand mit einer groß angelegten Plakataktion und Flyern im Stadtbild deutlich sichtbar. „Wir wollen selbstverständlich, dass Radfahrer im Schwabtunnel sicher sind. Aber eine Sperrung ist absolut unverhältnismäßig und löst das Problem nicht, sondern schafft neue“, ist die aus dem Westen stammende Stadträtin Anita von Brühl.

Durch die nötigen Umwege würden angrenzende Wohngebiete wie die Hasenbergsteige durch mehr Lärm und höhere Schadstoffe belastet. Verbunden ist die Aktion mit einer Unterschriftensammlung gegen eine mögliche Sperrung. Über einen QR-Code auf den Plakaten und den Flyern kommen Interessierte auf die Homepage der CDU. Zudem sind die Christdemokraten am Samstag, 27. September, ab 10 Uhr mit einem Infostand auf dem Bismarckplatz.

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