Reaktion auf Leibinger-Kammüller IG Metall: Trumpf-Chefin verkennt die Realität

Barbara Resch ist seit Februar 2024 Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg. Foto: dpa

IG-Metall-Bezirkschefin Barbara Resch zeigt sich sehr verwundert über die teils persönliche Kritik von Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Nicola Leibinger-Kammüller hängt offenbar nach wie vor den alten Zeiten nach, als die Tarifpartnerschaft von Arbeitgebern und IG Metall aus ihrer Sicht noch gut funktioniert hat. Denn heute, in der Wirtschafts- und Strukturkrise, registriert die Trumpf-Chefin bei den Gewerkschaften vor allem „Aufrufe zum Klassenkampf“ statt Lösungsbereitschaft. IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch zeigt sich über diese Kritik zutiefst „erstaunt“ und „irritiert“ – ihre Einschätzung der Lage fällt anders aus.

 

Lauter lange Arbeitstage, um Kompromisse voranzubringen

„Wir sind auf betrieblicher Ebene dran, ganz viele Bündnisse zu schließen – Betriebsvereinbarungen und Ergänzungstarifverträge sind gerade unser tägliches Brot“, sagte sie unserer Zeitung. Sie selbst habe lauter lange Arbeitstage, um Kompromisse vor Ort voranzubringen. Wenn Leibinger-Kammüller an einstmals vorbildliche Bündnisse bei Trumpf erinnert, bei denen ihr Unternehmen Jobsicherheit gewährt und die Arbeitnehmerseite flexiblere Regelungen zugestanden hätten, so leiste die IG Metall heute Ähnliches. Bei Mercedes, Daimler Truck, ZF und vielen anderen hätten die Beschäftigten zuletzt den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen erhalten, nachdem sie Beiträge zur Effizienzsteigerung gebracht hätten. Die Flächentarifverträge böten den Unternehmen schon viel Spielraum; hinzu kämen Instrumente wie etwa die sogenannten Pforzheim-Vereinbarungen.

Auch bei Trumpf selbst – lässt Leibinger-Kammüller glauben – behindere die Gewerkschaft Abkommen, nachdem dort einst innovative Arbeitszeitmodelle entwickelt wurden. „Da ist bei mir nichts auf dem Schreibtisch gelandet: keine Anfrage, die irgendwie abgelehnt worden wäre“, kontert Resch.

„Intelligente Wege aus der Misere“ wünscht sich die Familienunternehmerin aus Ditzingen. „Wir können uns nicht zu Tode schützen mit Tarifen.“ Vonnöten seien vielmehr längere Arbeitszeiten und mehr Flexibilität. Was ist gemeint? Da „müsste sie mal einen konkreten Vorschlag machen“, kommt die Antwort von der Bezirksleitung.

Bezirksleiterin sieht kein Zugangsproblem

In jedem Fall regt die Chefin des Weltmarktführers für Industrielaser eine „neue konzertierte Aktion“ an. Früher hätten sich Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik noch zusammengesetzt, sagt sie und hebt die früheren IG-Metall-Bezirksleiter Berthold Huber und Jörg Hofmann hervor. Der kaum minder erfolgreiche Roman Zitzelsberger bleibt unerwähnt.

Und Barbara Resch? „Wir finden derzeit keinen guten Zugang zueinander“, sagt Leibinger-Kammüller über die Bezirksleiterin. Diese wundert sich über das Urteil, sieht aber „kein Zugangsproblem“. Immerhin kennt man sich seit fast zwei Jahren persönlich, da hätte die Unternehmerin einfach zum Telefon greifen können, meint sie. Alles in allem wäre es „besser gewesen, wir hätten mal miteinander statt übereinander gesprochen“.

Unterstützung für Idee der konzertierten Aktion

Die Gewerkschafterin unterstützt den Gedanken einer konzertierten Aktion ausdrücklich: „Wir brauchen gemeinsame Lösungen von Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften.“ Bisher lieferten die Unternehmen aber wenig konstruktive Vorschläge, sondern eher alte Rezepte wie eine Senkung der Lohnkosten oder die Forderung nach Abschaffung des freien Ostermontags, womit Leibinger-Kammüller Aufsehen erregt hat.

Sie habe zuletzt in zahlreichen Betrieben mit Menschen gesprochen, die entlassen worden seien oder denen dies unmittelbar bevorstehe, sagt Resch. „Das Gefühl, sie hätten sich ,nicht genug angestrengt’, seien also an ihrer Situation selbst schuld, dürfte dort niemand teilen“, meint sie und schlussfolgert: „Wir brauchen ein Bündnis der Vernünftigen – gemeinsam muss überlegt werden, was Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaft dazu beitragen können, damit wir Beschäftigung sichern und dem Industriestandort eine Zukunft geben“.

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