Regionale Gesundheitsversorgung Die Krankenhausreform steht, nun drängt die Zeit

Barbara John leitet die erfolgreiche Innere Klinik im Krankenhaus Leonberg. Foto: Simon Granville

Im Klinikverbund Südwest beginnen die ersten Umbrüche. Vom Gesundheitscampus in Leonberg ist aber seit Langem nichts mehr zu hören, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Nach den turbulenten Monaten rund um den Jahreswechsel ist es in jüngster Zeit rund um den Klinikverbund Südwest ruhig geblieben. In dieser Woche hat es dafür gleich zwei Nachrichten gegeben, die die medizinische Versorgung in unserer Region betreffen.

 

Nummer 1: Der Bundestag hat nach langem Hin und Her die umstrittene Krankenhausreform beschlossen. Mit der erhalten die Kliniken statt Fallpauschalen eine Basisfinanzierung. So will Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verhindern, dass aus Einnahmeerwägungen mehr Operationen als medizinisch notwendig durchgeführt werden. Statt ein breit gefächertes Versorgungsangebot bereitzuhalten, sollen sich die einzelnen Häuser auf bestimmte Gebiete spezialisieren, in denen sie eine Expertise haben. Um eine bestmögliche Behandlung zu erhalten, müssen die Patienten künftig also größere Anfahrtswege in Kauf nehmen.

Der Klinikverbund Südwest hat sich schon frühzeitig auf diese Entwicklung eingestellt. In viele Jahre währenden, teilweise sehr schwierigen Diskussionen, wurde im von den Landkreisen Böblingen und Calw getragenen Krankenhausbündnis ein sogenanntes Medizinkonzept erarbeitet: In einer gerade im Bau befindlichen Großklinik auf dem Flugfeld bei Böblingen und Sindelfingen soll in einigen Jahren Medizin auf dem Niveau von Uni-Kliniken angeboten werden. Die kleineren Häuser haben einzelne Schwerpunkte und stehen für die Grundversorgung bereit. Allein die Klinik in Herrenberg wird den Status eines klassischen Krankenhauses verlieren, aber weiterhin medizinische Leistungen anbieten.

Die Innere Klinik ist das Leonberger Aushängeschild

Damit sind wir bei der zweiten Nachricht dieser Woche: Eben in Herrenberg werden demnächst die ersten Schritte des Medizinkonzeptes umgesetzt. Doch statt eines Abbaus erhält das dortige Krankenhaus erst einmal Zuwachs: Die Gynäkologie des Krankenhauses Calw wird Anfang 2025 nach Herrenberg verlegt, wo seit vielen Jahren eine erfolgreiche Entbindungsstation betrieben wird. Doch schon ein Jahr später wird die komplette Gynäkologie nach Nagold umziehen, dem nach der Flugfeldklinik dann zweitgrößten Krankenhaus des Klinikverbundes. Der Zwischenschritt hat bauliche Gründe: Das Nagolder Krankenhaus muss erweitert werden, in Calw entsteht ein neuer Gesundheitscampus.

Letzterer ist auch in Leonberg vorgesehen. Im neuen Konzept behält das hiesige Krankenhaus den Status der Grundversorgung mit 195 Betten. Medizinisches Aushängeschild sind schon jetzt die Inneren Kliniken mit Darmzentrum unter der Leitung von Barbara John und die Bauchchirurgie, geführt von Wolfgang Steurer. Eine Abteilung für Altersmedizin soll zum weiteren medizinischen Schwerpunkt werden. Die Gynäkologie mit der hebammengeführten Geburtshilfe ist mindestens vier Jahre gesichert.

Doch die Realisierung für einen Gesundheitscampus, vor gut drei Jahren vom damaligen Chef des Klinikverbundes recht vollmundig angekündigt, lässt auf sich warten. Bisher sind noch zu wenige niedergelassene Ärzte und andere medizinische Dienstleister bereit, sich in unmittelbarer Klinik-Nachbarschaft anzusiedeln. Aus ähnlichen Erwägungen dürfte es beim von der Leonberger SPD ins Spiel gebrachte Versorgungszentrum für Kindermedizin nicht vorangehen.

Allzu viel Zeit dürfen sich das Management vom Klinikverbund und die Kommunalpolitik indes nicht lassen. Die Krankenhausreform ist nun buchstäblich beschlossene Sache. Nur die Häuser, die sich jetzt gut aufstellen, haben eine Zukunftsperspektive.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Leonberg Kommentar