Rente Fünf Mythen in der Renten-Debatte
Beim Thema Rente wird oft mit falschen Annahmen und Missverständnissen gehandelt. Fünf dieser Mythen und was wirklich stimmt im Überblick.
Beim Thema Rente wird oft mit falschen Annahmen und Missverständnissen gehandelt. Fünf dieser Mythen und was wirklich stimmt im Überblick.
Der Streit über das Rentenpaket ist einer, an dem im Extremfall die Bundesregierung zerbrechen könnte. Es gibt beim Thema Rente viele Mythen, die zusätzlich die Debatte erschweren. Fünf häufige Missverständnisse auf dem Prüfstand:
1 Falsch: Wenn das Rentenniveau sinkt, dann werden die Renten gekürzt.
Richtig ist: Das Rentenpaket der Bundesregierung sieht vor, dass bis zum Jahr 2031 ein Rentenniveau von 48 Prozent garantiert wird. Danach wird das Rentenniveau sinken. Je nachdem, wie der Streit in der schwarz-roten Koalition ausgeht, geschieht dies entweder nach und nach – das wäre der Fall, wenn der Gesetzentwurf bleibt, wie er vom Kabinett auf den Weg gebracht worden ist. Oder aber das Rentenniveau sinkt schlagartig um einen Prozentpunkt, wenn die jungen Unionsabgeordneten sich mit ihrer Rebellion durchsetzen. Anders als viele denken, ist das Rentenniveau aber nicht der Prozentsatz, den jemand von seinem letzten Lohn als Rente bekommt. Es ist ein statistischer Wert, der das Verhältnis der Rente eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren zum mittleren Lohn beschreibt. Ist das Rentenniveau stabil, steigen die Renten im Einklang mit den Löhnen. Sinkt das Rentenniveau, heißt das nicht, dass die Renten gekürzt werden. Es bedeutet aber, dass sie langsamer steigen. Rentenkürzungen sind aktuell gesetzlich ausgeschlossen.
2 Falsch: Wenn Beamte einzahlen müssten, wären alle Probleme gelöst.
Richtig ist: Wer in die Rente einzahlt, hat auch Ansprüche. Wie groß die sind, hängt nach dem Äquivalenzprinzip stark davon ab, wie viel jemand eingezahlt hat. Wenn also Beamte in die Rentenkasse einzahlen würden, müssten hinterher auch entsprechende Renten finanziert werden – und das auch wahrscheinlich für einen längeren Zeitraum, weil Beamte eine höhere Lebenserwartung haben. Wer derzeit eine Pension bekommt, hat auch einen Anspruch darauf. Eine Änderung des Systems ginge nicht im Hauruckverfahren, sondern nur nach und nach. Das würde eine ganze Generation dauern. Momentan kann der Staat in Zeiten des Fachkräftemangels mit einer besseren Altersversorgung durch die Pensionen um Personal werben. Die großen Unterschiede zwischen Renten und Pensionen finden aber viele ungerecht. Am Ende ist es eine Frage des politischen Willens, daran etwas zu ändern – oder auch nicht. In Luft auflösen würden sich die Probleme der Rentenversicherung durch ein Ende der Pensionen aber nicht.
3 Falsch: Wer eine niedrige Rente hat, ist auf jeden Fall arm.
Richtig ist: Wer allein von einer sehr niedrigen Rente leben muss, hat es schwer. Das gilt für jemanden, der jahrzehntelang im Niedriglohnbereich gearbeitet hat und dem logischerweise das Geld für zusätzliche Vorsorge gefehlt hat. In der Statistik taucht mit einer niedrigen Rente aber auch die Frau eines Zahnarztes, die immer nur wenige Stunden in der Woche gearbeitet hat, auf. Sie lebt aber in einem Haushalt, in dem es nicht an Geld fehlt. Deswegen sagen auch Zahlen über die Höhe der Durchschnittsrente oder darüber, wie viele Menschen eine Rente beispielsweise unter 1000 Euro bekommen, für sich genommen nichts über Altersarmut aus. Dazu muss man auf den einzelnen Fall schauen.
4 Falsch: Ohne versicherungsfremde Leistungen wäre in der Rentenkasse genug Geld für alles da.
Richtig ist: Das jüngste Beispiel für eine versicherungsfremde Leistung ist die geplante Ausweitung der Mütterrente. Hierbei geht es um eine verbesserte Anerkennung der Erziehungszeiten, wenn Kinder vor 1992 geboren sind. Das kostet etwa 4,5 Milliarden Euro im Jahr zusätzlich. Es handelt sich um eine versicherungsfremde Leistung, weil dafür keine Beiträge gezahlt worden sind. Finanziert werden soll das Vorhaben aus Steuern. Nicht immer herrscht Einigkeit darüber, was eine versicherungsfremde Leistung ist und was nicht. Im Jahr 2026 sollen 128 Milliarden Euro aus dem Haushalt in die Rente fließen. Wie auch immer man es rechnet: Der Staat belastet die Beitragszahler an einigen Stellen, er tut aber andererseits auch viel für die Rente.
5 Falsch: Deutschland muss sich nur Österreich zum Vorbild nehmen.
Richtig ist: In Österreich werden im Schnitt höhere Renten – dort heißen sie Pensionen – gezahlt. Allerdings zahlen unsere südlichen Nachbarn dafür auch einen Beitragssatz von 22,8 Prozent im Monat, bei dem der Arbeitgeberanteil zwei Prozentpunkte über dem Arbeitnehmeranteil liegt. Außerdem gibt es eine Betriebsrentenpflicht, wodurch die Gesamtzahlungen höher ausfallen. Auch die Abschläge für den früheren Renteneintritt sind höher als bei uns. Und: In Österreich erhält nur eine Rente, wer eine Mindestversicherungszeit von 15 Jahren erreicht, von denen man wiederum mindestens 7 Jahre erwerbstätig gewesen sein muss. Langfristig erhalten deutsche Rentner zudem mehr Geld: Denn die Rentensteigerungen orientieren sich in der Alpenrepublik an der Inflation und nicht an der Lohn- und Gehaltsentwicklung, die in Deutschland auch in Jahren mit niedriger Inflation für deutliche Rentenerhöhungen sorgt.