Restaurants in den Stuttgarter Automuseen Porsche greift nach dem Michelin-Stern, Mercedes dagegen nicht

Fabian Seher präsentiert im Restaurant Christophorus im Porsche-Museum seinen gedämpften Steinbutt. Auch im Mercedes-Benz-Museum steht ein kulinarischer Wechsel an. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

In Stuttgarts Automuseen tut sich kulinarisch etwas. Bei Porsche kocht der neue Chefkoch Fabian Seher neuerdings ein Menü auf Sterne-Niveau. Und bei Mercedes-Benz übernimmt der Multi-Gastronom Michael Wilhelmer das Catering im Museum.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Porsche legt kulinarisch einen Gang zu – und folgt damit der Spur von Volkswagen und BMW. Denn in der Wolfsburger Autostadt und in der Münchner Welt des bayerischen Autoherstellers sind die Restaurants längst mit „Michelin“-Sternen ausgezeichnet. „In unserer Küche herrscht Pioniergeist“, sagt Fabian Seher. Und der zeigt sich im neuen Neungangmenü für 225 Euro, das der neue Küchenchef vom Christophorus im Museum der Rennwagenfabrik serviert. Neben den Steaks, die seit der Eröffnung vor 15 Jahren auf der Speisekarte stehen, tischt er getrüffelte Kartoffelroulade, gratinierten Hummer und rosa gebratenen Rehrücken auf. Auch im Mercedes-Benz-Museum steht zum Jahresende Veränderung an: Der Multigastronom Michael Wilhelmer übernimmt das Catering. Er betreibt in Stuttgart unter anderem die mit zwei Sternen ausgezeichnete Speisemeisterei.

 
Im und um das Mercedes-Benz-Museum Foto: MediaPortal Mercedes-Benz AG

Was nach großen Veränderungen im Christophorus klingt, sind eigentlich nur kleine. Das Fleisch bleibt weiterhin das Steckenpferd im Christophorus, versichert Fabian Seher. Der 37-Jährige ist schon seit dem Jahr 2011 im Restaurant tätig, und sein bisheriger Chef Thomas Heilemann wurde nun zum Küchenleiter des Unternehmens befördert. „Wir wollen unter Beweis stellen, dass wir auch etwas anderes als Steaks können“, sagt sein Nachfolger. Vor seiner Zeit bei Porsche sammelte Fabian Seher schließlich in den Sterne-Lokalen vom Hotel Schassberger am Ebnisee, dem Walserhof in Klosters und dem Fletschhorn in Saas-Fee Erfahrung. Mit einem kleineren Menü wird seit zwei Jahren getestet, wie es bei den Gästen ankommt.

Neue Wege im Christophorus

„Sich ausprobieren zu können, ist für einen Koch eine tolle Sache“, sagt der neue Küchenchef und betont, dass die Menüs eine Gemeinschaftsproduktion mit der Mannschaft aus acht Köchen sind. Er und seine Brigade haben Spaß daran, auch mit weißem Trüffel, Kalbsbries oder französischer Taube zu kochen. Es wird viel diskutiert und experimentiert im Christophorus, neue Gerichte werden zusammengestellt und wieder zerpflückt, es wird fermentiert, mit Elementen der Molekularküche gespielt. „Wir wollen neue Wege einschlagen“, sagt er. Ein Ochsenschwanzconsommé mit Sellerie, roten Zwiebeln und Madeira ist aktuell ein Gang. Zum Rehrücken gibt es Dörrobstchutney, Steinpilze, Brezelknödel, schwarze Walnuss und Balsamico. Als innovativ und modern beschreibt Fabian Seher seinen Kochstil, die Menüs werden regelmäßig wechseln.

Mit Haute Cuisine fahren Volkswagen und BMW seit Jahren auf Erfolgskurs. Das Aqua in Wolfsburg hält seit 2009 drei Sterne, Bobby Bräuer hat im 2013 eröffneten Esszimmer by Käfer zwei Sterne erkocht. Das Münchener Feinkostunternehmen hatte vor fünf Jahren zwar mit der Cateringfirma Tmc auch die Gastronomie im Mercedes-Benz-Museum übernommen, die Speisekarte von dessen Restaurant Bertha’s klingt mit Burger, Currywurst, Maultaschen und thailändischem Kokos-Curry aber bodenständig. Mit dem Auslaufen des Vertrags zum Ende des Jahres erklärt die Unternehmenssprecherin Friederike Valet den Wechsel. Die Mercedes-Benz Heritage Gesellschaft hat die Aufgabe neu ausgeschrieben. Michael Wilhelmer wird sich künftig gastronomisch um die jährlich 850 000 Besucher aus der ganzen Welt kümmern, weil er „mit seinen Kompetenzen und seiner Expertise überzeugt“ habe, teilt sie mit. Dass Stuttgarts Multigastronom „ein starker regionaler Partner ist“, schätze der Museumsbetreiber „ebenfalls sehr“.

Viele Synergien für Michael Wilhelmer

Michael Wilhelmer ist bereits in der MHP-Arena für den VfB als Caterer tätig, betreibt in Wangen den Schlachthof und war für den Autobauer schon im Einsatz. Das Schickimicki-Lokal Amici zählt ebenso zu seinem Portfolio wie die Stuttgarter Stäffele und die Ampulle, von der es mit dem Dry Gin und Beef Club in Berlin einen Ableger gibt. Auf dem Wasen ist er mit einem Festzelt vertreten. Er sieht „viele Synergien“ bei dem neuen Auftrag. Geplant ist „ein ruhiger Übergang“. Da die Restaurants bei Mercedes-Benz anders als bei Porsche mit dem Museum schließen, gibt es für ambitionierte Konzepte wenig Spielraum. „Sehr regional“ will Michael Wilhelmer das Angebot ausrichten. Von ihm ist vor allem seine „Eventexpertise“ für die vielen Veranstaltungen gefragt. „Pläne, unser Restaurant in Richtung Sterne-Gastronomie auszubauen, verfolgen wir nicht“, stellt Friederike Valet für Mercedes-Benz klar. „Das haben wir nicht vor“, bestätigt Michael Wilhelmer, obwohl die Idee „nicht abwegig“ sei: Denn in der Speisemeisterei gebe es sehr engagierten Nachwuchs.

Im „Guide Michelin“ wird das Christophorus schon lange „Freunden guter Küche“ empfohlen. Der Stern ist für den Restaurantleiter Holger Schramm nicht die Prämisse, sein Ziel sind glücklich Gäste. Das Lokal soll weiter jeden Abend ausgebucht sein. „Wir sind Porsche“, sagt er allerdings, „auch die Gastronomie steht für die Werte des Unternehmens: Da geben wir ordentlich Gas.“

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