Riesentreppe für Stuttgart 21 Tonnen schwere Fracht muss durch das Nadelöhr am Hauptbahnhof
Der neue Stuttgarter Hauptbahnhof nimmt immer mehr Gestalt an. Unter anderem mit einer Tonnen schweren Fracht. Das Bauteil hat eine lange Reise hinter sich.
Der neue Stuttgarter Hauptbahnhof nimmt immer mehr Gestalt an. Unter anderem mit einer Tonnen schweren Fracht. Das Bauteil hat eine lange Reise hinter sich.
Lange Wege müssen Reisende am Stuttgarter Hauptbahnhof auf sich nehmen, um von der Klett-Passage über den Fußgängertunnel zu den Fern- und Regionalzügen zu gelangen. Denn seit Mitte August ist die große Schalterhalle im Bonatzbau gesperrt. Damit das in Zukunft anders wird, werden nunmehr die ersten Weichen gestellt.
Am Freitag wurde die größte der insgesamt 20 Treppen am künftigen Tiefbahnhof eingebaut. Neben den Aufzügen und Rolltreppen sollen die Fahrgäste so in Zukunft auf direktem Weg zur Zwischenebene auf Höhe der Königstraße gelangen. „So langsam nimmt der Betontrog auch Gestalt an“, sagt Wolfgang Esser, auf der S-21-Baustelle am Hauptbahnhof für die Bauüberwachung zuständig. Neben dem Abbau der Bauverschalung zum Schutz der Gleise nimmt auch die neue Wegeführung langsam Gestalt an.
Dazu gehören auch die neuen Treppen. Insgesamt 20 Stück führen im neuen Stuttgarter Hauptbahnhof von den drei Zugängen vom Planetarium, von der Klett-Passage über den Bonatzbau und vom Kurt-Georg-Kiesinger Platz vor der LBBW einmal zu den Ferngleisen im Betontrog. Die größte davon misst nicht weniger als knapp 18 Meter und wiegt fast zwölf Tonnen.
Gefertigt wurde das Stahlungeheuer von der Seele GmbH, die auch für die Lichtaugen verantwortlich zeichnet. Rund sechs Wochen hat die Herstellung der handgefertigten Treppe gedauert. „Schließlich sind alle bis auf den Millimeter genau maßgefertigt“, erklärt Seele-Projektleiter Michael Hartel. Dabei kommt auch neueste 3-D-Technik zum Einsatz. Die Herstellung ist das eine, der Transport etwas anderes. Rund zwei Tage hat die Fahrt des überlangen Schwertransports vom Werk im tschechischen Pilsen nach Stuttgart gedauert. Doch der richtige Engpass für die Spezialfirma Paule steht an der Baustelle am Hauptbahnhof. Zentimer um Zentimeter rangieren die Experten den Tieflader in die schmale Einfahrt in den Tunneltrog. Dennoch wird auch eine Baustelleneinrichtung kurz einmal touchiert, doch dann ist es geschafft.
Auf dem Tiefbahnsteig wartet bereits der mobile Kran. Zunächst einmal gilt es die Tonnen schwere Fracht vom Tieflader zu heben, dann wird umgehängt. Schließlich muss die Stahltreppe in ihre schiefe Position gehoben werden. Dabei ist Augenmaß gefragt. Denn sowohl auf der oberen Zwischenebene als auch unten an den Bahnsteigen müssen die Anschlüsse genau getroffen werden. „Es ist vergleichbar mit dem Einfädeln eines Fadens ins Nadelöhr, nur eben mit einem Tonnen schweren Gewicht“, lacht Hartel.
Doch warum werden die neuen Treppen dann überhaupt in einem Stück gefertigt und angeliefert? Die Antwort ist denkbar einfach und simpel: „Wir produzieren so weit es geht alles in unserem Werk vor, das ist einfach effizienter. So sparen wir zusätzliche Montagezeit auf der Baustelle ein“, erklärt Hartel. Somit werden weitere mögliche Verzögerungen auf der S-21-Baustelle verhindert.
Nunmehr sind bereits acht der 20 Treppen für den Tiefbahnsteig eingebaut. Die restlichen sollen bis zum Frühjahr 2025 folgen. Damit die Wege in Zukunft, wenn der neue Stuttgarter Hauptbahnhof einmal fertig gestellt ist, für die Fahrgäste auch wieder kürzer werden.