Seit 22. Mai stellt Matthias Lauterbach Bowls für seine Kundschaft zusammen: Er hat in der Bolzstraße eine Filiale von Áro eröffnet Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Matthias Lauterbach kündigte bei Bosch, um sich mit Áro selbstständig zu machen: Er bietet Bowls nach dem Baukastenprinzip an. Die bunte Mischung kommt im Instagram-Zeitalter gut an.
Sogar im Urlaub hatte Matthias Lauterbach Lust auf diese Arbeit. In Bali besuchte er einen Freund, als der in dem Surferparadies eine Filiale von Gustav Grün eröffnete. Gesundes Fast Food bietet die Kette aus Münster nach eigenen Angaben an. „Ich will da mitmachen“, dachte sich Matthias Lauterbach mitten in seinen Ferien am Strand. Mit Gustav Grün hat es am Ende in Stuttgart zwar nicht geklappt, aber seinen Job bei Bosch kündigte der 37-Jährige trotzdem – um Bowls in der Bolzstraße zu verkaufen. Kürzlich hat er einen Ableger von Áro in Stuttgart eröffnet, der zweiten Marke des Unternehmens aus Münster. Sein Lokal ist aktuell das zweite in der Stadt, das sich ganz auf die Schüssel konzentriert – nach Shobu, wo es seit sechs Jahren Poke Bowls gibt. Allerdings ist der Trend kein Selbstläufer wie das Beispiel Bowcous zeigt.
Auch Shobu expandiert – ins Breuningerland
„California feelings“ wollten Ekrem Kaplan und René Stiefel den Stuttgartern mit ihrer Poke Bowl bescheren. Bei einer Reise nach Los Angeles waren sie auf die Schüssel gestoßen, die den hawaiianischen Fischsalat Poke mit japanischen Akzenten wie rohem Lachs, Algensalat und der Gewürzmischung Furikake auf der Grundlage von Reis kombiniert. Mit einem Pop-up starteten sie im Gerber, im Herbst 2022 zogen sie in die Calwer Passage. California Salmon tischten sie als erste Bowl auf – mit Salat, Edamame, Avocado und Sesam. „Ein Klassiker“ für Ekrem Kaplan, der mittlerweile auch Hot Bowls mit Currys und Kokos-Erdnuss-Soße im Programm hat. „Es ist schon viel geworden“, sagt er über die Ausbreitung des Schüssel-Konzepts. Auch er expandiert mit Shobu: Von 10. Juni an serviert er seine Poke Bowls im Ludwigsburger Breuningerland.
Kerim und Anton Benoua hat einfach nur „schnelles und gesundes Essen gefehlt“. In Münster starteten sie deshalb 2017 ihre „Healthy Fast Food“-Kette Gustav Grün mit Bowls,Wraps und Salaten. Außer einer „Affinität für gutes Essen“ brachten sie laut dem 34 Jahre alten Kerim Benoua keinen gastronomischen Hintergrund mit: Er studierte Publizistik, sein drei Jahre älterer Bruder Betriebswirtschaft. 2018 konzentrierten sie sich mit Áro auf die Schüssel, die sich die Gäste im Baukastenprinzip zusammenstellen können. Reis oder Salat dienen als Basis, darauf kommen fünf Toppings wie Kimchi, Kichererbsensalat, Paprika, Mango oder Blumenkohl mit Kurkuma sowie ein Schöpfer Warmes wie Lemongrass Tofu, Chicken Satay oder veganes Beef Teriyaki und zum Schluss eine Soße. Die pflanzliche Variante kostet 11,90 Euro, die mit Fleisch einen Euro mehr. Möglichst vitamin- und mineralstoffreich, zucker- und fettarm sollen die Zutaten sein. Als „gute Alternative zwischen Restaurant und Imbiss“ charakterisiert Kerem Benoua sein Franchise, das wie Gustav Grün mittlerweile acht Lokale umfasst.
Längst ist von der Bowlisierung der Gastronomie die Rede. In einer Schüssel lässt sich eben schnell alles Mögliche hineingeben, und am Ende gibt die bunte Mischung auf Instagram ein attraktives Bild ab. Für ihre Verbreitung sorgten unter anderem die Münchner Kette Dean & David mit Dependance in der Calwer Straße und das 2016 in Berlin gestartete Beets & Roots, das mit einer Filiale im Olgaareal vertreten ist. In Stuttgart gegründete Betriebe wie Yuicery, Lala im Gerber oder Burreatos sprangen außerdem auf die Gesundheitswelle in der Gastronomie auf, in der die Bowl ein fester Bestandteil ist. Aber das Potpourri passt auf jede Speisekarte – vom Wirtshaus Nesenbach im Dorotheen-Quartier über die Mauritius-Restaurants, wo „der Geschmack des Sommers“ serviert wird, bis zum orientalischen Noa, wo es als Hurghada Bowl mit Hummus und Hähnchen-Kebab auftaucht.
Bowcous für den Start-up-Wettbewerb nominiert
Bei Mouhssine Stitou ging das Erfolgsrezept allerdings nicht auf: Sein im Juli 2023 eröffnetes Bowcous im Stuttgarter Norden ist wieder geschlossen. Der 35-Jährige hatte ebenfalls Bowls aus dem Baukasten im Programm. Auf Couscous oder Reis gab es eine proteinhaltige Zutat wie Hühnchenfleisch, vier Gemüsesorten, zwei Toppings und eine Soße. Der frühere Projektleiter bei einem großen Lackhersteller wurde damit für den Start-up-Wettbewerb des Branchenmagazins „Food-Service“ nominiert. „Das Konzept trifft absolut den Zeitgeist“, erklärte Mouhssine Stitou dem Fachblatt – und ihm beschere es „einfache Prozesse in der Küche“, weil alles vorgekocht werden könne. Im Frühjahr 2024 hielt er noch nach einem zweiten Standort Ausschau, über die Gründe für das Aus gibt er keine Auskunft.
„Mit Áro habe ich etwas gefunden, das sehr gut passt“, sagt Matthias Lauterbach über die lange ersehnte Selbstständigkeit. Ein Restaurant hätte der 37-Jährige als Quereinsteiger nicht öffnen wollen, im Franchise-System fühlt er sich gut aufgehoben. Als er den Laden in Eins-a-Lage beim Palast der Republik angeboten bekam, zögerte er nicht. Jetzt gibt es für ihn „nichts Schöneres, als hinter der Theke zu stehen und die Leute glücklich zu machen“. Vom komplexen Konzern Bosch zur unkomplizierten Bowl war für den Betriebswissenschaftler der richtige Schritt. „Mich hat das Gericht in allen Belangen überzeugt“, sagt Matthias Lauterbach. Bei entsprechender Resonanz soll mehr davon in der Region serviert werden.