Nie kam die S-Bahn unpünktlicher an als im Oktober. Fahrgäste haben das am eigenen Leib erfahren. Ein Bahnsprecher verweist auf eine einzelne Stuttgart-21-Baustelle.
Seit dem Ende der Sommerferien ist das S-Bahn-Chaos zurück in Stuttgart. Fahrgäste erlitten in Bezug auf Verspätungen und Zugausfälle den schlimmsten Oktober aller Zeiten. Laut Angaben der S-Bahn fuhren im Oktober nur 74,4 Prozent aller Züge mit weniger als sechs Minuten Verspätung ein. Zum Vergleich: der bis dato schlechteste Oktoberwert liegt bei 86,8 Prozent (2023); auch der bis dato niedrigste Monatswert überhaupt (78,8 Prozent einigermaßen pünktliche Züge, April 2025) wurde deutlich unterboten.
Die Erhebung unserer Zeitung zu den „Chaostagen“ mit sehr geringer Pünktlichkeit bestätigt die katastrophalen Oktoberwerte. 19 „Chaostage“ gab es im Oktober, 73 im gesamten Jahr. In der Kalender-Übersicht sind sie schwarz markiert.
Seit Jahren macht die S-Bahn Hoffnung auf Besserung – doch das Gegenteil tritt ein. Was ist da los?
„Die Deutsche Bahn nimmt in Stuttgart einen kompletten Hauptbahnhof neu in Betrieb und schließt diesen an die bestehenden Zulaufstrecken an. Alle Verbindungen zur vorhandenen Infrastruktur müssen getrennt und wieder neu verbunden werden“, teilt ein Bahnsprecher auf Anfrage mit. Zusätzlich werde saniert und die digitale Leit- und Sicherungstechnik eingebaut. „Die Inbetriebnahme des neuen Stuttgarter Eisenbahnknotens ist deshalb die komplexeste der vergangenen Jahrzehnte in Europa“, so der Sprecher.
Die Gründe laut der S-Bahn
Große Herausforderungen – große Verspätungen, soll das heißen. Konkret nennt der Sprecher auf die folgenden Gründe für die vielen Verspätungen:
- Von Mitte September bis 20. Oktober waren die Fernverkehrsgleise zwischen Bad Cannstatt und Esslingen gesperrt. Das war im Zuge der Stuttgart-21-Baustelle nötig. So drängten sich alle Züge des Nah- und Fernverkehrs auf zwei statt vier Gleisen.
- In der Folge seien Gleiswechsel vor den Bahnhöfen Bad Cannstatt und Esslingen nötig geworden, die den Gegenverkehr behinderten. Das habe sich „in einem Dominoeffekt“ zu den starken Verspätungen hochgeschaukelt, erklärt der Sprecher.
- Gleis- und Signalanlagen seien „in Teilen alt und durch den eng getakteten Zugverkehr stark belastet“. Zudem erfordere die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 „zum Teil sehr kurzfristige“ Streckensperrungen. Das beeinträchtige „den gesamten Bahnbetrieb sehr stark“, so der Sprecher.
Über die Baustelle zwischen Bad Cannstatt und Esslingen und die Auswirkungen auf den Fahrplan hatte die Bahn kurz vor Ferienende informiert. Unter anderem wurde der S-Bahn-Takt ausgedünnt. Auf erwartbare größere Verspätungen weist die Meldung vom September lediglich im Zusammenhang mit möglicherweise auch kurzfristig eingesetzten Ersatzbussen hin.
S1, S2, S3 besonders unpünktlich
Der Blick auf die Pünktlichkeit einzelner Linien zeigt, dass tatsächlich die Linien S1, S2 und S3 im Oktober besonders unpünktlich waren – alle fahren durch den Bahnhof Bad Cannstatt. Bei der S62 ist der hohe Anteil ausgefallener Halte auffällig.
Nach der Baustelle ist in Stuttgart vor der Baustelle. Stuttgart 21 ist bekanntlich noch nicht in Betrieb, weitere Baustellen sind notwendig. Für mehrere Wochenenden und Nächte im November sind weitere Streckensperrungen angekündigt.
Die Bahn verspricht, die arbeite „mit allen Beteiligten intensiv daran, dass für alle Bahnreisenden der Fahrplan wieder verlässlicher wird“. Das erfordere „von allen Mitarbeitenden der S-Bahn enorme Anstrengungen“.