S-Bahn Stuttgart Sperrung der Stammstrecke 2026 – länger als je zuvor
Über den Zeitraum der Sommerferien hinaus bleibt der S-Bahntunnel 2026 dicht – nichts wird auf Stammstrecke fahren. Weitere Sperrungen an anderen Stellen drohen schon im Frühjahr.
Über den Zeitraum der Sommerferien hinaus bleibt der S-Bahntunnel 2026 dicht – nichts wird auf Stammstrecke fahren. Weitere Sperrungen an anderen Stellen drohen schon im Frühjahr.
Länger als je zuvor sperrt die Deutsche Bahn den zentralen S-Bahntunnel im Sommer 2026. Die diesjährige Stammstreckensperrung wird vom 20. Juli bis 11. September dauern. Damit geht acht Wochen lang nichts auf jenem Abschnitt des S-Bahnnetzes, auf dem sämtliche Linien unterwegs sind. Die seit 2021 jährlich wiederkehrenden Sperrungen hatten bislang je sechs Wochen in Anspruch genommen. Im Jahr 2026 wird die Stammstreckensperrung anders als in den Jahren zuvor über den Zeitraum der Sommerferien in den Schulen hinaus gehen.
Zudem denkt die Deutsche Bahn über eine zweiwöchige Sperrung der unterirdischen Wendeschleife an der Schwabstraße nach, wo die S-Bahnlinien S4, S5 und S6 ihre Endstation haben. Auf die hätte eine Sperrung der Schleife massive Auswirkungen. Der Verkehrsausschuss der Region, die für die S-Bahn zuständig ist, befasste sich am Mittwoch mit den geplanten Sperrungen. Die Verkehrspolitiker fordern, dass die Arbeiten in der Schleife mit jenen in der Stammstrecke zusammengelegt werden.
Welche Einschränkungen im zweiten Halbjahr auf die Fahrgäste zukommen werden, ist derzeit noch ungewiss. Weil sie die Arbeiten an Stuttgart 21 nicht rechtzeitig fertigstellen kann, um den Bahnhof zumindest in Teilen im Dezember 2026 in Betrieb zu nehmen, tüftelt die Deutsche Bahn derzeit an einem neuen Inbetriebnahmekonzept, das sie frühestens Ende Juni vorlegen möchte – und das dann auch Aufschluss darüber geben wird, wie es mit dem Baustellenmarathon an den S-Bahngleisen in Stuttgart und der Region weitergehen wird.
Aber schon jetzt ist klar, dass die Zeit bis zur Sommerpause wieder zahlreiche Behinderungen mit sich bringen wird. Der regionale Verkehrsausschuss hat am Mittwoch versucht, sich einen Überblick über die abermaligen herben Folgen für die Fahrgäste zu verschaffen.
Vom 23. Februar bis 24. März ist die Strecke zwischen Bad Cannstatt und Waiblingen gesperrt. Von Ende Mai an geht für eine Woche nichts im Remstal. Beginnend am 30 Mai. ist die Strecke von Waiblingen bis Endersbach für eine Woche gesperrt. Auch in anderen Bereichen des Netzes bremsen Bagger die Bahnen. Bei Feuerbach wird vom 11. bis 23. Mai gebaut, weil der Pragtunnel instandgesetzt wird. Die S-Bahnen sind in der Zeit auf den Gleisen der Fernzüge unterwegs. Dabei wird der Takt ausgedünnt, es fahren weniger S-Bahnen als eigentlich im Fahrplan steht.
Im Spätsommer und Herbst soll – Stand jetzt – an einer Brücke vom 22. August bis 7. September sowie vom 24. bis 30. Oktober zwischen Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen gearbeitet werden. In diesen Phasen sind dort dann sämtliche Gleise gesperrt.
In einem Papier, das die Regionalräte am Mittwoch beraten haben, formuliert die Region eine klare Erwartungshaltung gegenüber der Bahn. „Baustellen sind sinnvoll zu koordinieren und betriebliche Einschränkungen für Fahrgäste sind nach Möglichkeit zu reduzieren“. Außerdem mahnt die Region an, dass sich die Bahn an ihre eigenen Terminpläne halten soll. „Insbesondere müssen auch die kurzfristigen Überziehungen von Sperrungen wieder von der Regel zur Ausnahme werden und Baustellenfahrpläne verlässlich geplant und nicht mehr nur grob abgeschätzt werden, was bislang nicht selten zu einer gravierend schlechten Pünktlichkeit führte“.
In den Redebeiträgen der Regionalräte wurde klar, dass die Geduld mit der Deutschen Bahn endlich zu sein scheint. Hartmut Holzwarth (CDU/ÖDP) forderte, der Schienenkonzern müsse die Verschiebung der Stuttgart-21-Inbetriebnahme dazu nutzen, um die Folgen für die Fahrgäste abzumildern. Philipp Buchholz (Grüne) sprach von „Frustration“ und stellte die Frage, ob die Stammstreckensperrung wirklich acht Wochen dauern müsse. Rainer Gessler (Freie Wähler) nannte die Situation „grausam“, Thomas Leipnitz (SPD) monierte, dass kein Ende der Malaise in Sicht sei und Gabriele Heise (FDP) kam zum Schluss, dass eher von einem „Stand- als von einem Fahrplan die Rede sein muss“. Ein von der Fraktion Linke/Piraten/SÖS geforderter kurzfristiger Verzicht auf die Stammstreckensperrung fand keine Mehrheit.