Müll in Neugereut (links) – künftig sollen Müllsheriffs dagegen vorgehen. In Hamburg (rechts) gibt es diese bereits seit vielen Jahren. Foto: Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart / Weber/Archiv
Müllsheriffs haben in anderen Städten für deutlich mehr Anzeigen gesorgt. Nun startet Stuttgart ein eigenes Model für mehr Sauberkeit. OB Nopper nennt weitere Details.
Wien, Hamburg, Berlin, Bremen oder Pforzheim haben sie bereits – bald folgt auch Stuttgart: Müllsheriffs gehen auf Streife. Sie sollen dabei helfen, Abfallsünder zu überführen, Bußgelder durchzusetzen und die Stadt spürbar sauberer zu machen. Was in anderen Kommunen zu einem deutlichen Anstieg der Ordnungswidrigkeiten wegen Verschmutzung geführt hat, soll sich nun auch in Stuttgart widerspiegeln.
Start mit vier Müllsheriffs – Ausbau noch 2026 geplant
Zunächst will die Stadt in diesem Sommer mit vier Müllsheriffs starten. Sie sollen in Zweier-Teams unterwegs sein und gezielt dort eingreifen, wo sich illegale Müllablagerungen häufen. Bereits wenige Monate später ist eine Aufstockung vorgesehen: Im Herbst 2026 sollen dann insgesamt acht Müllsheriffs im Einsatz sein. Bei größeren Schwerpunktaktionen werden sie vom Städtischen Vollzugsdienst unterstützt.
Sperrmüll, Hausrat oder Bauschutt, der auf Gehwegen, an Containerstandorten oder in Grünstreifen landet – darum werden sich die neuen Einsatzkräfte kümmern und auf Hinweise aus der Bürgerschaft reagieren. Ein Schwerpunkt dürfte der Bereich der Schulstraße zwischen Königstraße und Marktplatz sein, der laut Rathaus immer wieder durch Müllprobleme auffällt.
Die Stadt sagt den Müllbergen (hier in Neugereut) den Kampf an. Foto: Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart
In solchen Fällen gehen die Müllsheriffs detektivisch vor: Sie untersuchen den Abfall, wühlen mit Handschuhen darin, versuchen Hinweise auf die Verursacher zu finden und erstatten Anzeige. Eigene Bußgelder dürfen sie allerdings nicht verhängen. Wird ein Müllsünder ermittelt, kann dennoch ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden – Geld, das im besten Fall wieder in die Stadtkasse zurückfließt.
Millioneninvestition für Müllsheriffs trotz knapper Kassen
Trotz angespannter Haushaltslage hat der Gemeinderat grünes Licht für die Offensive gegeben. Für die Jahre 2026 und 2027 stehen jeweils 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Neben den Müllsheriffs fließt ein Teil des Geldes in neue mobile Reinigungstrupps, die die reguläre Stadtreinigung ergänzen sollen. Diese sollen von April oder Mai an einsatzbereit sein.
Geplant sind zunächst fünf Teams mit jeweils zwei Personen. Ihre Aufgabe: schnell reagieren und illegale Müllberge rasch beseitigen. Denn je länger Abfall liegen bleibt, desto größer wird er oft – über Nacht kommt nicht selten weiterer Müll hinzu.
Die Müllsheriffs sollen nicht nur kontrollieren, sondern auch das Gespräch mit den Menschen vor Ort suchen. Ziel ist es, Anwohnerinnen und Anwohner zu informieren und auf legale Entsorgungsmöglichkeiten hinzuweisen – etwa auf die Expressabholung von Sperrmüll in Stuttgart.
In Hamburg heißen die Müllsheriffs „Waste Watcher“
Ein Blick in andere Städte zeigt, dass solche Einsatzkräfte Wirkung entfalten. In Hamburg heißen sie „Waste Watcher“ und sind dort seit Jahren im Einsatz. Mit rund 15.000 erfassten Verstößen hat sich die Zahl der Ordnungswidrigkeiten seit ihrem Start vervierfacht. An der Spitze stehen weggeworfene Zigarettenkippen, gefolgt von illegalen Müllablagerungen, von denen rund zwei Drittel an Depotcontainerstandorten entstehen.
Auch in Pforzheim wird konsequent vorgegangen: Wer als Müllsünder überführt wird, zahlt mindestens 75 Euro Bußgeld. Die dortigen Detektive stellen die Bußgeldbescheide grundsätzlich persönlich zu. Das direkte Gespräch habe einen deutlich stärkeren erzieherischen Effekt als ein bloßes amtliches Schreiben, heißt es aus der Goldstadt.
Wie sieht es mit der „offiziellen“ Kehrwoche in Stuttgart aus?
Immer wieder wird in Stuttgart über ein mögliches Comeback der „offiziellen“ Kehrwoche diskutiert. OB Nopper stellt dazu klar, dass die Pflicht nie abgeschafft worden sei. Allerdings wurde 1988 die Vorgabe geändert: Statt einer mindestens wöchentlichen Reinigung gilt seither eine Reinigungs-, Räum- und Streupflicht „bei Bedarf“.
Die Reaktionen aus der Bevölkerung zeigen, dass dadurch bei manchen Bürgerinnen und Bürgern der Eindruck entstanden sei, dass die Kehrwochenpflicht vollständig entfallen ist, so Nopper. Künftig müsse deutlicher gemacht werden, dass Stadtsauberkeit nicht allein Aufgabe der Verwaltung sei, „sondern vielmehr uns alle angeht“.
Mit Müllsheriffs, mobilen Reinigungstrupps und mehr Aufklärung setzt Stuttgart nun auf eine Mischung aus Kontrolle, schneller Reinigung und Eigenverantwortung. Ob das reicht, um die Stadt dauerhaft sauberer zu machen, wird sich vielleicht schon in diesem Jahr zeigen.