Für die kleine Eléonore Beranek (links) hat der Bundespräsident die Patenschaft übernommen. Der Bundestagabgeordnete Marc Biadacz hat die Urkunde überreicht. Foto: Eibner-Pressefoto
Katrin und Golo Beranek aus Schönaich haben sieben Kinder – sie sind echte Organisationsprofis. Mit kuriosen Situationen sind sie als Großfamilie manchmal trotzdem konfrontiert.
Wer das Haus der Familie Beranek in Schönaich betritt, der merkt: Hier leben viele Kinder. Sieben, um genau zu sein: Aurelia (13), Artemis (11), Ares (9), Justinian (7), Gereon (5), Joséphine (3) und Eléonore, die noch kein Jahr alt ist. Eine Kletterwand, Regale voller Kinderbücher, Spielecken mit Kuscheltieren, selbst das Badezimmer – alles ist auf die Kinder ausgerichtet. Es ist ein besonderes Leben, das die Schönaicher Großfamilie führt.
Dass die neunköpfige Familie tatsächlich eine Familie ist, nehmen ihnen nicht alle ab: Schön öfter wurde ihnen der Eintritt mit einer Familienkarte verwehrt – der Grund: Ab vier Kindern ist Schluss. Mittlerweile hat Katrin Beranek alle Geburtsurkunden auf ihrem Handy, damit sie beweisen kann, dass alle Kinder auch tatsächlich ihre eigenen sind. Auch beim Wocheneinkauf werden sie immer wieder darauf hingewiesen, dass sie nur in „handelsüblichen Mengen“ einkaufen dürfen. Die Kinder würden es locker schaffen, zwei oder drei Kilo Erdbeeren auf einmal zu vernaschen, erzählt Golo Beranek, der in Schönaich zwei Apotheken betreibt. „Handelsübliche Mengen“ sehen bei den Beraneks eben anders aus als in den meisten Haushalten. Das Ehepaar nimmt solche Situationen aber mit Humor.
Die kleine Eléonore ist das siebte Kind der Familie Beranek. Foto: Eibner-Pressefoto
Drei der Kinder sitzen am Esstisch und lassen sich ihre Pizza schmecken, während Katrin Beranek mit der jüngsten Tochter, Eléonore, auf dem Sofa sitzt. Dem kleinen Mädchen kommt eine ganz besondere Ehre zu: Traditionell übernimmt nämlich der Bundespräsident die Patenschaft für das siebte Kind einer Familie. Die Urkunde überreicht an diesem Nachmittag der CDU-Bundestagsabgeordnete und langjährige Freund der Familie, Marc Biadacz. Die anderen Kinder sind zu dem Zeitpunkt noch in der Schule. „Wir sind mittlerweile einfach extrem routiniert“, sagt Katrin Beranek, die gerade in Elternzeit ist, sich aber auf dem Weg zur Fachärztin für Gynäkologie befindet.
„Bei mir waren fünf Schwangerschaften prächtig und zwei ganz grausam.“
Katrin Beranek, siebenfache Mutter und Frauenärztin
Innerhalb von 13 Jahren hat die 39-Jährige sieben Kinder bekommen. Schwanger war sie allerdings 13 Mal. „Diese Erfahrung machen so viele Frauen“, sagt Katrin Beranek. Das Thema Fehlgeburt sei in der Gesellschaft immer noch ein Tabuthema, sagt die Frauenärztin. Sie selbst redet ganz offen darüber. Auch waren einige ihrer Geburten dramatisch oder gar gefährlich – ebenso einige ihrer Schwangerschaften: Ihren Sitz im Gemeinderat musste sie beispielsweise aufgeben, weil es ihr körperlich während der Schwangerschaft so schlecht ging – sie musste sich permanent übergeben. „Bei mir waren fünf Schwangerschaften prächtig und zwei ganz grausam“, sagt die 39-Jährige.
Ihre Prüfungen legt Katrin Beranek hochschwanger ab
Das erste Mal schwanger war sie während ihres Studiums. Ihr Staatsexamen legte sie hochschwanger ab, in der Nacht nach der Prüfung brachte sie ihre erste Tochter Aurelia zur Welt. Ihre Promotion begann Katrin Beranek mit ihrem vierten Kind. Wie sie das geschafft hat? „Ich habe durch meine Kinder einen krassen Fokus bekommen“, sagt die Ärztin.
Schach spielt Gereon Beranek (5) gerade besonders gern. Foto: Eibner-Pressefoto
„Bis zum dritten Kind steigt der Aufwand, dann nimmt er eigentlich ab“, sagt Golo Beranek. Die Kinder würden sich gegenseitig aushelfen und anspornen. Schon früh bringen die Eltern ihren Kindern bei, selbstständig zu sein. Das sieht man auch an der Ausstattung des Hauses: Im Bad gibt es ein Kinderwaschbecken, eine kleine Toilette, die die Kinder benutzen dürfen – selbst die Dusche ist so ausgelegt, dass dort neben einem Erwachsenen auch ein Kind duschen kann. In dem Haus gibt es drei Kinderzimmer, auf die sich die Kinder verteilen. Im Prinzip gehört aber allen alles, sagt Golo Beranek. Wer in welchem Bett schläft, ähnelt meistens dem Spiel „Reise nach Jerusalem“, sagt Katrin Beranek und lacht.
Die Kinder pünktlich aus dem Haus zu bekommen, übernimmt in der Regel Golo Beranek: Er weckt die Kinder, die sich dann alle selbstständig anziehen und Frühstück machen – selbst die Dreijährige. Katrin Beranek holt bis sieben oder acht Uhr ihren Schlaf nach, weil sie die Nachtschicht mit der kleinen Eléonore übernimmt. Während Golo Beranek die Fahrten zum Kindergarten erledigt, sorgt seine Ehefrau für Ordnung im Haus, kümmert sich um das Befüllen und Entladen der Waschmaschine, die im Dauereinsatz ist. Sie ist ein echtes Organisationstalent: Der Kalender ist proppevoll, jedes Kind hat seine eigene Farbe für Termine. Jede Schublade, jeder Schrank ist beschriftet: So weiß jeder, wo, was hingehört.
Klar, manchmal sei es schon ein Spagat, den Alltag zu meistern, und manchmal sei auch das Ende der Fahnenstange erreicht. „Wir haben einmal alle gleichzeitig im Urlaub Magen-Darm bekommen“, erzählt Katrin Beranek. Eine Erfahrung, die sie wahrscheinlich gerne vergessen würde. Doch sonst beschreiben die beiden ein Phänomen, das wohl viele Eltern kennen: Mit zwei Kindern kann man genauso gestresst sein wie mit sieben Kindern. Es ist eben alles relativ: „Für mich ist es superentspannt nur mit vier Kindern den Wocheneinkauf zu erledigen“, sagt Golo Beranek.
Ob ihre Familie noch weiter wachsen wird, das wissen die beiden Eltern noch nicht. Deshalb genießt die Familie die Zeit mit der kleinen Eléonore umso mehr: Wer weiß, vielleicht ist sie ja das letzte Baby in der Familie.
Bundespräsident für Kinder
Patenschaft Der Bundespräsident übernimmt auf Antrag der Eltern die Ehrenpatenschaft für das siebente Kind einer Familie. Die Ehrenpatenschaft wird in einer Familie nur einmal übernommen. Zum Zeitpunkt der Antragstellung müssen einschließlich des Patenkindes mindestens sieben lebende Kinder zur Familie zählen, die von denselben Eltern, derselben Mutter oder demselben Vater abstammen. Adoptivkinder sind den leiblichen Kindern gleichgestellt.
Geschenk Der Bundespräsident stellt nach Prüfung der Voraussetzungen eine Urkunde über die Annahme der Ehrenpatenschaft aus und lässt diese mit einem Patengeschenk (aktuell 500 Euro) den Eltern von einem Repräsentanten der Stadt oder Gemeinde aushändigen.