Service in Stuttgart Stadt plant auf den Fildern das „Bürgerbüro der Zukunft“
In den Stuttgarter Bürgerbüros fehlt es an Personal, oft auch an Platz. Die Lösung heißt Zusammenlegung. Jetzt hat die Stadt erste Pläne vorgestellt.
In den Stuttgarter Bürgerbüros fehlt es an Personal, oft auch an Platz. Die Lösung heißt Zusammenlegung. Jetzt hat die Stadt erste Pläne vorgestellt.
Seit Jahren kämpft man in den Stuttgarter Bürgerbüros mit Problemen. Zwar hat sich die Personalsituation zuletzt etwas gebessert, doch es sind noch immer rund 20 Stellen unbesetzt. Zudem entsprechen viele der Räumlichkeiten keinen modernen Anforderungen mehr, etwa, was die Barrierefreiheit oder auch Sozialräume für die Beschäftigten betrifft. Die Büros in Möhringen, Feuerbach und im Norden sind wegen zu dünner Personaldecke geschlossen. Andernorts kommt es immer wieder zu langen Wartezeiten.
Dem will die Verwaltung nun mit einem neuen Konzept entgegenwirken: Es sollen Bürgerbüros zusammengelegt werden. So will man Personalengpässe ohne Schließungen meistern können und Bürgern wie Mitarbeitenden bessere Bedingungen bieten. Diskutiert wird dieses Konzept etwa für die oberen Neckarvororte, wo die Büros Hedelfingen, Wangen, Obertürkheim und Untertürkheim verschmelzen und in einem Neubau in Hedelfingen unterkommen könnten.
Den Anfang machen – und damit quasi das Pilotprojekt darstellen – soll aber das neue Bürgerbüro Wallgraben, das künftig Möhringen und Vaihingen vereint. Die Initiative dazu war auch von der CDU-Fraktion im Gemeinderat ausgegangen, die im vergangenen August einen entsprechenden Antrag gestellt hatte.
Am Montagabend hat die Stadt die konkreten Pläne für die Filder vorgestellt. Im Bürgerhaus Möhringen hat dafür eine illustre Runde Platz genommen. Auf der Bühne sitzen unter anderen Ordnungsbürgermeister Clemens Maier, Ordnungsamtsleiterin Susanne Scherz sowie die stellvertretende Möhringer Bezirksvorsteherin Marie-Ann Heymann und Vaihingens Bezirksvorsteher Marcel Wolf. Unten verfolgen die Bezirksbeirätinnen und Bezirksbeiräte beider Stadtbezirke die Präsentation. Für Letztere ist das geplante Großprojekt ziemlich neu.
Nichts weniger als das „Bürgerbüro der Zukunft“ wolle man im Gewerbegebiet, genau an der Grenze beider Stadtbezirke, einrichten, heißt es da. Geplant ist die Anmietung des Erdgeschosses im Neubaukomplex Polaris in der Straße Am Wallgraben 142/144. „Wir wollen an diesem attraktiven barrierefreien Standort bis zu 21 Bedienplätze schaffen“, sagt Susanne Scherz. Bisher gab es in Vaihingen neun, in Möhringen sechs – zumindest in der Theorie. Denn der Standort Möhringen ist seit Februar 2024 geschlossen. In Vaihingen herrscht seitdem entsprechender Andrang.
Das Bürgerbüro Wallgraben soll eine Fläche von rund 1000 Quadratmetern umfassen. Auch das ist deutlich mehr als die beiden bisherigen Bürgerbüros. Zum Standort gehören eine Tiefgarage und Fahrradstellplätze, Stadtbahn und Bus halten vor dem Haus. Man habe damit eine Lösung gefunden, die von beiden Stadtbezirken aus gut erreichbar sei, so Bürgermeister Maier.
Die beiden alten Bürgerbüros könnten künftig von den jeweiligen Bezirksämtern genutzt werden, die haben beide ebenfalls Platzbedarf. In Vaihingen, so stellt Marcel Wolf in Aussicht, könnte das Rathaus auch geöffnet werden, etwa für Vereine, die dringend Räume suchen. Er befürwortet den neuen Standort ebenso wie seine Möhringer Kollegin. Die Bezirksbeiräte hadern zwar zum Teil etwas mit der Lage im Gewerbegebiet, im Großen und Ganzen zeigen sie sich aber zufrieden. Am Ende stimmen sie mit nur einer Gegenstimme für das Projekt.
Das muss nun in den Gemeinderat. Im Juni soll darüber abgestimmt werden. Sollte es grünes Licht geben, rechnet die Verwaltung mit einer Umbaudauer der Räume von etwa einem halben Jahr. 300 000 Euro stehen dafür zur Verfügung.
Es soll nur der erste Schritt hin zu mehr Konzentration bei den Bürgerbüros sein. „Kleinere Büros müssen schon geschlossen werden, wenn die Leitung Urlaub hat oder krank ist“, sagt Maier. Die Zukunft seien deshalb weniger, aber bessere Bürgerbüros – „größere Einheiten, die verlässlich geöffnet sind und für die Bürger besseren Service bieten“. Die brauche es auch für die Digitalisierung: „Da haben wir Großes vor, aber kleine Büros stoßen auch da an ihre Grenzen“, sagt Maier. Denn es brauche auch für Online-Dienstleistungen Räume und Geräte.
Als weiteren Schritt baut die Stadt schon jetzt das digitale Serviceangebot aus: Von sofort an kann man über ein neues Terminmanagementsystem stadtweit freie Termine in den Bürgerbüros suchen. Eingebunden sind bereits die Büros Mitte, Vaihingen, West, Ost, Süd, Zuffenhausen, Sillenbuch, Plieningen, Bad Cannstatt und Weilimdorf. In Kürze soll auch das Bürgerbüro Mühlhausen an das System angebunden werden. „Mit der neuen Online-Terminvergabe schaffen wir mehr Flexibilität und einen spürbaren Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger. Gleichzeitig nutzen wir unsere Ressourcen effizienter und verbessern den Service in allen Bürgerbüros“, sagt Susanne Scherz.