Sexismusvorwurf an CDU-Kandidaten Manuel Hagels Aussagen waren falsch – aber keine schlimme Entgleisung

Manuel Hagel ist wegen eines acht Jahre alten Videos mit Sexismusvorwürfen konfrontiert. Foto: Michael Kappeler/dpa

Der CDU-Spitzenkandidat steht in der Kritik, weil er sich schwärmerisch über eine Schülerin ausgelassen hat. Das war vor acht Jahren. Die Aufregung ist überzogen, meint Bärbel Krauß.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel hat vor acht Jahren im TV-Talk mit einem Regionalsender schwärmerische Äußerungen über eine Realschülerin namens Eva mit braunen Haaren und rehbraunen Augen gemacht. Das schlägt jetzt Wellen. Hagel hat einen Fehler eingeräumt und erklärt, dass er das heute so nicht mehr sagen würde.

 

Parallelen zum Fall Epstein sind überzogen

Es ist gut, dass Hagel dies schnell klar gestellt hat, denn es war eine Grenzüberschreitung, die der damals 29-Jährige begangen hat. Soziologen würden die Fokussierung auf das attraktive Äußere der Jugendlichen als sexistisch einordnen.

Allerdings war es keine schlimme Entgleisung, keine direkte sexuelle oder anzügliche Anmache. Außerdem findet politische Kommunikation nicht im soziologischen Seminar statt.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer hat das Video verbreitet. Foto: Sabina Crisan/dpa

Trotzdem ist es deplatziert, sich im öffentlichen Diskurs im Stil von Sechziger-Jahre-Schlagern wie dem Udo-Jürgens-Hit „Siebzehn Jahr – blondes Haar“ über weibliche, noch dazu minderjährige Gesprächspartner auszulassen. Wegen der Äußerung eine Verbindung zum Fall Epstein herzustellen, wie es nicht nur Zoe Mayer von den Grünen, sondern auch viele Kritiker im Netz tun, ist aber maßlos überzogen. Die Äußerung von damals taugt nicht dazu, Hagels Integrität in Zweifel zu ziehen. Aber es schadet ihm natürlich, dass seine bisher mäßigen Bekanntheitswerte jetzt ausgerechnet durch dieses Thema steigen könnten.

Der Wahlkampf hat jetzt einen Aufreger, der links wie rechts Reflexe triggert. Aber es ist kein Wunder, dass Cem Özdemir sich denkbar weit vom Angriff seiner Karlsruher Parteifreundin distanziert hat. Zu seinem politischen Profil passt eine Debatte über politische Korrektheit überhaupt nicht. Nutznießer der linksgrünen Attacke ist die AfD. Während sie sich sonst ereifert, was man heute wegen linker Ideologen alles nicht mehr sagen dürfe, nutzt Spitzenkandidat Markus Frohnmaier die Steilvorlage, um sich als besorgter Vater einer Tochter zu inszenieren, der „so etwas nicht normal“ findet. Was für ein Schuss ins grüne Knie.

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