An einem Nachmittag geschehen in Stuttgarts Freibädern zwei Übergriffe auf Mädchen und Jugendliche. Wie ist die Lage in diesem Sommer?

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Gleich zwei Fälle sexueller Belästigung in Freibädern hat die Polizei am Mittwoch gemeldet. Einmal aus dem Höhenfreibad Killesberg, einmal aus dem Inselbad in Untertürkheim. Das hat für die erwischten Täter klare Folgen: Sie bekommen ein unbefristetes Hausverbot in den Bädern, teilt Jens Böhm, der Sprecher der Stuttgarter Bäder, mit.

 

Im Killesberg-Freibad soll ein 28-jähriger sich zwei Zwölfjährigen im Schwimmbecken genähert und sie am Po berührt haben. Das soll ähnlich auch im Inselbad Untertürkheim passiert sein, wo ein 48-Jähriger der Tatverdächtige ist. Die zwei Opfer dort waren 15 Jahre alt. In beiden fällen wurden weibliche Jugendliche betatscht. Die Polizei wurde sowohl auf dem Killesberg als auch in Untertürkheim alarmiert, nahm die Fälle auf und sucht nun Zeugen. Im Höhenfreibad trug sich der Zwischenfall gegen 16.50 Uhr zu, im Inselbad gegen 15.25 Uhr.

Unbeschwertes Badevergnügen soll im Mittelpunkt stehen. Deswegen sind Sicherheitskräfte und Respektlotsinnen und -Lotsen unterwegs. Foto: LICHTGUT

Dass gleich zwei Fälle an einem Nachmittag geschehen und dann auch noch zwölfjährige Kinder betroffen sind, wirkt beunruhigend. Der Tag sei dennoch keinesfalls typisch für die aktuelle Badesaison, sagt Jens Böhm. „Wir durchleben dieses Jahr insgesamt eine ruhige Saison.“ Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung – dazu zählen die genannten Fälle – kamen bislang insgesamt fünf vor, und das, obwohl mit 450.000 Gästen bis Mitte August viel los war in den Freibädern. Von den fünf Fällen seien drei im Inselbad geschehen und je einer auf dem Killesberg und in Vaihingen. Die Polizei bestätigt die Zahlen und den Eindruck von der Saison. Man müsse aber das Ende des Sommers abwarten, um eine Bilanz zu ziehen, sagt ein Polizeisprecher.

Wie viele Übergriffe geschehen in der Freibadsaison?

Vor ein paar Jahren war die Aufregung groß. Da geschahen innerhalb kurzer Zeit mehr als doppelt so viele Übergriffe wie sonst in einer ganzen Saison, und insgesamt 20 im Sommer 2017. Daraufhin und weil im Sommer 2019 im Inselbad eine Gruppe junger Leute Tumulte verursachte, wurden Sicherheitsleute für die Bäder engagiert. Das hat sich bewährt und wird beibehalten. Die Stadt hat eine Statistik über die Übergriffe in den vergangenen Jahren: 2022 waren es fünf, 2023 dann wieder zehn. Im Jahr 2023 wurden acht gezählt, 2024 dann wieder acht, und in diesem Jahr bislang fünf – eine abschließende Bilanz wird nach Schließung der Freibäder folgen.

In den aktuellen Fällen habe das Sicherheitskonzept funktioniert, betont Jens Böhm. Die Tatverdächtigen konnten bei allen fünf Vorfällen mit Unterstützung des externen Sicherheitspersonals, das auf dem Gelände war, festgehalten werden, bis die zur Hilfe gerufene Polizei da war und die Männer festnahm. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei läuft weiterhin sehr gut“, sagt Böhm. Unter anderem wird das Personal von Beamtinnen und Beamten des Dezernats Prävention geschult.

In den Freibädern sind Securityleute und Respektlotsen unterwegs

Neben den Securityleuten und dem eigenen Personal sind in den Freibädern auch Respektlotsinnen und -lotsen unterwegs. Sie sollen versuchen, bei den Freibadbesuchern Sensibilität für das eigene Verhalten zu bewirken, erläutert der städtische Pressesprecher Harald Knitter. „Es gibt ja auch noch andere Verhaltensweisen, die als belästigend empfunden werden“, sagt er. Im Inselbad seien diese im August an jedem zweiten Tag im Einsatz gewesen, sagt Jens Böhm. „Leider lässt sich das Fehlverhalten aber nie gänzlich vermeiden“, fügt er zusammenfassend hinzu.