Berlin hat seine Silvesterfeier aus Kostengründen gestrichen. Folgt Stuttgart dem Beispiel? OB Frank Nopper setzt sich für eine abgespeckte Party ein – und hofft auf Partner.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Das Brandenburger Tor bildete viele Jahre die imposante Kulisse für die wohl größte Silvesterparty Deutschlands. Für Millionen Fernsehzuschauer gehörte die live übertragene Feier in Berlin mit Countdown, Stars und Sternchen auf der Bühne samt Feuerwerk zum festen Ritual beim Rutsch ins neue Jahr. Doch nun ist alles anders: Das Land Berlin dreht den Geldhahn zu.

 

„Es ist meiner Meinung nach nicht Aufgabe der Steuerzahler, solche Veranstaltungen mitzufinanzieren“, sagte der Regierender Bürgermeister Kai Wegner der Deutschen Presseagentur (dpa), „erst recht nicht in Zeiten einer angespannten Haushaltslage.“

In Stuttgart wird nun diskutiert, was zum Jahreswechsel auf dem Schlossplatz passieren sollte. Zuletzt haben vor dem feierlich illuminierten Neuen Schloss und vor dem ebenso leuchtenden Riesenrad etwa 15.000 Menschen gefeiert. Stargast war vor knapp einem Jahr der Schlagerrapper Timo Grabinger, der als Tream ein Star bei TikTok ist. Der friedliche Verlauf erfreute die Behörden sowie Polizei und Feuerwehr.

Peter Schilling sang an Silvester 2023/2024 auf dem Schkossplatz Foto: Lichtgut

Im aktuellen Haushalt von Stuttgart ist kein Posten für die Silvesterparty vorgesehen. Bisher zahlte die Stadt etwa eine Million dafür. Aus seinem Urlaub unternimmt nun OB Frank Nopper (CDU) auf Anfrage unserer Redaktion einen Vorstoß. Mit Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) werde er dem Gemeinderat bald vorschlagen, „die zentrale Silvesterfeier auf dem Schlossplatz auch zum Jahreswechsel 2025/2026 auszurichten – allerdings aufgrund der Haushaltslage in einer reduzierten und kostengünstigeren Version“. Dies hänge jedoch auch davon ab, „ob sich das Land an den Kosten der Veranstaltung beteiligt“.

Zentrale Feier soll mithelfen, dass die Silvesternacht friedlich bleibt

Die städtische Veranstaltungsgesellschaft In.Stuttgart hat bisher noch keine Künstlerinnen und Künstler verpflichtet, weil das grüne Licht dafür fehlt. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um das Programm zu planen. „Aber weil Berlin ausfällt, wird es etliche Bands geben, die Zeit haben“, heißt es im Rathaus. Die zentrale Feier auf dem Schlossplatz gilt als wichtiger Beitrag, um in der Innenstadt eine friedliche Silvesternacht zu gewährleisten und möglichen Ausschreitungen vorzubeugen.

Wird das Land mitzahlen? Sebastian Engelmann, Sprecher des Finanzministeriums, erklärt: „Bisher ist die Stadt meines Wissens nach nicht offiziell an uns herangetreten.“ Sobald das passiert sei, werde man sich damit beschäftigen. In den vergangenen Jahren habe in.Stuttgart an Silvester eine „niedrige vierstellige Summe Miete für die Nutzung des Schlossplatzes gezahlt“, sagt Engelmann.

Die Behauptung des Finanzministeriums, die Stadt habe sich bisher nicht in dieser Sache ans Land gewandt, stimmt nicht, erklärt OB-Sprecherin Susanne Kaufmann: „Ordnungsbürgermeister Clemens Maier und Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann haben bereits am 18. Juni einen Brief wegen einer finanziellen Beteiligung an der Silvesterfeier 2025 an Innenminister Thomas Strobl geschrieben. Seitdem hat die Stadtverwaltung sowohl telefonisch wie auch schriftlich nach dem Sachstand der Entscheidung nachgefragt. Am 4. August kam vom Innenministerium die Rückmeldung, dass Minister Strobl derzeit im Urlaub sei und Staatssekretär Thomas Blenke ,zeitnah antworten’ werde.

CDU, Freie Wähler und FDP befürworten eine Silvesterfeier in der abgespeckten Form

Unterstützung für die Idee einer Party Light mit reduzierten Kosten bekommen Nopper und Fuhrmann von ihrer Partei. Der Stuttgarter CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Kotz spricht von einem „vernünftigen Vorschlag“ des OB. Die finale Entscheidung der Fraktion falle aber erst, wenn das Konzept und die Zahlen auf dem Tisch lägen.

Auch die Freien Wähler sind dafür. „Wir würden der Finanzierung und Durchführung der Silvesterveranstaltung zustimmen, zumal wir genau das in den letzten Haushaltsplanberatungen beantragt hatten“, erklärt die Fraktionsvorsitzende Rose von Stein und fährt fort: „Uns ist wichtig, dass es in Stuttgart an Silvester friedlich zugeht. Krawalle und Ausschreitungen wie in anderen Städten wollen wir hier nicht haben. Der Schlüssel dazu ist die Veranstaltung auf dem Schlossplatz, weil sie ein friedliches Publikum anzieht und durch die Veranstaltung auch die Grundlage für ein räumlich abgegrenztes Feuerwerksverbot geschaffen wird.“

Für die FDP erklärt Stadtrat und MdL Friedrich Haag: „Ich befürworte, dass die Silvesterfeier auf dem Schlossplatz dieses Jahr auf jeden Fall wieder durchgeführt wird, wenn auch in abgespeckter Form aufgrund der Haushaltslage. Denn bisher hat sie positive Auswirkungen gezeigt und für einen friedlichen und fröhlichen Jahreswechsel in der Innenstadt gesorgt.“ Das Land solle einen Teil zur finanziellen Entlassung beitragen, fordert Haag, „auch wenn nur durch die kostenlose Überlassung der Flächen am Schlossplatz“. Schließlich habe so ein zentrales Event eine Anziehungskraft weit über Stuttgarts Stadtgrenzen hinaus.

Rockenbauch verweist auf den Sicherheitsaspekt

Hannes Rockenbauch, Fraktionssprecher des Linksbündnisses im Rathaus, will sich erst „die Zahlen ganz genau anschauen“, auch die Höhe des Eintritts müsse er wissen, bevor er seine Entscheidung treffen könne. Grundsätzlich erklärt er: „In der jetzigen Haushaltslage gibt es wirklich Wichtigeres als eine Silvesterfeier. Ich weiß nicht, wie der OB Kürzungen bei Kultur und Festivals sowie Vereine rechtfertigen will, wenn er ständig Geld für große Events übrig hat wie Silvester und die Finals.“ Andererseits habe die Silvesterfeier „auch einen Sicherheitsaspekt“, sagt Rockenbauch. Nur dank der Feier könne am Einlass kontrolliert werden. Früher habe man sich an Silvester auf dem Schlossplatz nicht sicher gefühlt.

„Besser als eine Feier fände ich, es gäbe für Kommunen endlich das Recht, die Silvesterknallerei zu verbieten, dann wäre es sicher und besser für die Umwelt“, betont Rockenbauch, „bunt und laut darf es dann wieder am CSD sein.“

Die Grünen glauben nicht, dass das Land mitbezahlt

Den Vorstoß von OB Nopper sieht Petra Rühle, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, kritisch. „Angesichts der aktuellen Haushaltslage sehen wir derzeit keine Möglichkeit der Finanzierung für eine Silvesterveranstaltung auf dem Schlossplatz in diesem Jahr“, sagt sie auf unsere Anfrage. Auch eine Kostenbeteiligung des Landes Baden-Württemberg sei „mehr als unwahrscheinlich, da eine Unterstützung im vergangenen Jahr bereits abgelehnt wurde“. Vor diesem Hintergrund löst auch die reduzierte Variante der zentralen Silvesterparty bei den Grünen keinen Jubel aus. Rühle: „Denn eines steht fest – sämtliche Ausgaben der Stadt müssen hinterfragt werden.“

SPD und Volt: Keine eigenen Mittel für die Silvesterparty

Für die Fraktionsgemeinschaft von SPD und Volt erklärt Tillman Bollow: „Wir befürworten eine Veranstaltung auf dem Schlossplatz als Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit an Silvester. In Anbetracht der aktuellen Haushaltslage lehnen wir es jedoch ab, dafür eigene Mittel zur Verfügung zu stellen.“ Angemessen sei eine „einfache Silvesterfeier aus Restmitteln des aktuellen Haushalts“. Teuer Künstlerinnen und Künstler kämen dagegen nicht in Frage, so Bollow.

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