Stadt verhandelt über Gelände Alte Sektkellerei Rilling: Vorratskauf für Konzerthalle in Bad Cannstatt?
Neben dem früheren Rilling-Areal wurden der Stadt vier weitere Flächen für den Bau angeboten. Bald könnte eine Vorentscheidung fallen.
Neben dem früheren Rilling-Areal wurden der Stadt vier weitere Flächen für den Bau angeboten. Bald könnte eine Vorentscheidung fallen.
Die Landeshauptstadt will in den nächsten Jahren zur Haushaltskonsolidierung wertmäßig mehr Immobilien und Grundstücke verkaufen als erwerben. Auf der kurzen Shoppingliste der Stadt steht das 5747 Quadratmeter große Areal der früheren Sektkellerei Rilling an der Ecke Brücken- und Neckartalstraße in Bad Cannstatt. Die Frage ist allerdings, wofür das Gelände erworben werden soll. Es könnte bei aktuellen Bodenrichtwerten von 950 Euro pro Quadratmeter bis zu 5,5 Millionen Euro kosten.
Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) hatte die alte Sektkellerei bereits bei seiner Haushaltseinbringung auf dem Zettel. Man wolle den Erwerb des Rilling-Areals „in der aufwertungsbedürftigen Cannstatter Neckarvorstadt prüfen“, sagte der Stadtchef. Dort könnte „eine Wohnbebauung oder ein Konzertforum entstehen“. Die Konzerthalle mit grob kalkulierten 120 Millionen Euro Investitionskosten für 1100 Plätze könne sich die Stadt aber „jedenfalls derzeit nicht leisten“, so Nopper. Sie sei auch „nicht entscheidungsreif“. Propagiert wird der Neubau seit Jahren vom privaten Grundstückseigentümer Trias GmbH und dem Stuttgarter Kammerorchester (SKO). Eigentlich war in dem Sanierungsgebiet in Bad Cannstatt Wohnungsbau vorgesehen.
Trias, hinter der der Aalener Projektentwickler Cemal Isin und der Investor Tobias Grimminger stehen, hatte das Gelände 2021 erworben. Belegschaft und Öffentlichkeit war von der Ex-Geschäftsführerin Charlotte Rilling erklärt worden, dass man für die Traditionsmarke in Bad Cannstatt „sehr positiv in die Zukunft“ blicke. Zwei Jahre später war die 1887 gegründete Schaumwein-Firma Geschichte.
Trias hatte nie Interesse am Kellereibetrieb. Rilling sollte aufgeteilt werden. Das hatten Griminger und Isin mit der Schlossbergkellerei in Althengstett bereits im Mai 2021 im Stillen vereinbart. Schlossberg schielte auf die Marke, hätte aber woanders abgefüllt, Isin und Grimminger wollten die Fläche. Doch die Partner zerstritten sich und überzogen sich mit gegenseitigen Klagen.
Die Schlossbergkellerei pocht weiter auf die Übertragung der Nutzungsrechte für die Marke und den Namen Rilling. Das Verfahren zieht sich, das Landgericht Stuttgart hat inzwischen einen Beweisbeschluss erlassen, um die gegenseitigen Schadensersatzforderungen zu entwirren. Zwischenzeitlich ließ die Ludwig Rilling GmbH & Co. KG (im Besitz von Trias) die Wortmarke „Rilling“ für alkoholische Getränke bei der EU eintragen.
Neben dem Schlossberg-Deal erwies sich auch die Idee des Konzertsaalbaus für Isin und Grimminger als nicht konfliktfrei. Zwar sprach sich der Gemeinderat – unter Finanzierungsvorbehalt – grundsätzlich dafür aus, die Stadt musste in einem europaweiten Markterkundungsverfahren aber abfragen, wer ein dafür geeignetes Gelände anbieten könnte. Die Idee einer direkten Beauftragung der Trias GmbH für Planung und Bau scheiterte dadurch: Neben fünf privaten Angeboten fand die Stadt plötzlich auch vier eigene Flächen.
Alle „gemäß der objektiven Kriterien geeigneten Grundstücke“ seien im Juli 2025 im Verwaltungsausschuss vorgestellt worden, sagt eine Rathaus-Sprecherin. Die Sitzung war nicht öffentlich. Im Ergebnis gab es kein Ergebnis, kein Standort sei priorisiert worden. Die Entscheidung über den Bau sollte mit dem Doppelhaushalt 2026/2027 fallen. Sie fiel aber nicht. Das Projekt Konzertforum werde „bis auf Weiteres nicht weiterverfolgt“, heißt es offiziell aus dem Rathaus.
Allerdings ist die Grundstücksgesellschaft für das Rilling-Areal „auf die Landeshauptstadt zugekommen“, sagt die Stadt auf Anfrage. Details werden nicht genannt. Warum das Rilling-Areal im Vergleich zu anderen für eine Konzerthalle zu bevorzugen wäre, hat die Stadt nicht dargelegt. Die Angebote der fünf privaten Eigentümer mit Flächen an der Kruppstraße, der Leitzstraße, der Sieglestraße (alle Feuerbach), der Pragstraße in Bad Cannstatt und der Plieninger Straße in Möhringen sind gemessen am Bodenrichtwert teils günstiger. Die vier stadteigenen sowieso. Der Vorratskauf des Rilling-Areals für das Konzerthaus wäre daher schwierig zu begründen.
Auf den angebotenen Privatflächen sind Bürohäuser geplant. Die braucht in nächster Zeit kaum einer. Der Büro-Leerstand in Stuttgart und Flächen in Leinfelden-Echterdingen wuchs Ende 2025 auf rund 566.000 Quadratmeter, im Jahresvergleich von 5,8 auf 6,6 Prozent. „Viele Firmen haben sich entschlossen, weniger, dafür oft hochwertigere Räume anzumieten oder Flächen abzugeben“, schreiben die Experten der E&G Real Estate GmbH Stuttgart im Jahresbericht 2025.
Geld für eine Wohnraumoffensive in Bad Cannstatt oder das Konzerthaus hat die Stadt nicht mehr, entsprechende Rücklagen wurden aufgelöst. Der Investor Trias könnte Wohnungsbau im Sanierungsgebiet aber auch selbst angehen. Die Kaufgespräche könnten kurz werden.