Streit wegen Veranstaltung zum Pokal-Finale Public Viewing auf dem Schlossplatz - nun hagelt es Kritik

Das verlorene Pokalfinale 2007 haben viele VfB-Fans auf dem Cannstatter Wasen miterlebt. Foto: /Baumann

Die Stadt beteiligt sich mit 275 000 Euro an der Veranstaltung, kürzt gleichzeitig den Sportvereinen die Unterstützung. Der Schlossplatz bleibt acht Tage gesperrt. Wer ist denn nun der Veranstalter?

Die Freude über den Einzug des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart ins Pokalfinale in Berlin am 24. Mai ist im Rathaus ungetrübt. An dem nun von OB Frank Nopper (CDU) verkündeten „Public Viewing“ für mehr als 30 000 Fans auf dem Schlossplatz scheiden sich allerdings die Geister. Weil ein Beschluss erst im Verwaltungsausschuss am 7. Mai für die Organisatoren zu spät wäre, waren die Fraktionsvorsitzenden aufgefordert worden, die grundsätzliche Haltung ihrer Mitglieder abzufragen. Noppers Vorhaben erhielt daraufhin eine mehrheitliche Zustimmung.

 

Nicht alle sind begeistert

Die Fraktionsgemeinschaft Linke-SÖS und die Puls-Gruppe kritisieren allerdings das Vorhaben und lehnen es vor allem deshalb ab, weil die finanziell klamme Stadt dafür bezahlen soll. Am 7. Mai werden sie, auch wenn sich an der Entscheidung nichts ändern dürfte, die Gelegenheit haben, über die Kosten zu diskutieren und Widersprüche in Aussagen der Protagonisten zu thematisieren.

Im nicht-öffentlichen Ältestenrat am 10. April war die Verwaltung nach eigener Aussage noch von einem hälftigen Anteil am Aufwand für die Veranstaltung – Public Viewing und eventuell Empfang des Pokalsiegers VfB am Sonntag – in Höhe von 400 000 Euro ausgegangen. Mittlerweile betrage der Festzuschuss aber nur noch 275 000 Euro, so ein Stadtsprecher. „Außerdem wurde vereinbart, dass der VfB Veranstalter wird und damit das verbundene Risiko übernimmt.“

Wer ist denn nun Veranstalter?

Aber stimmt das? Ein Sprecher des über den Schlossplatz herrschenden Finanzministeriums hat auf Anfrage behauptet, „im konkreten Fall ist nicht der VfB, sondern die in.Stuttgart (die städtische Veranstaltungsgesellschaft) Vertragspartner des Landes“. In die „Vertragsgestaltung zwischen der in.Stuttgart und dem Verein sei das Land nicht involviert“. Dann trage doch die Stadt zumindest mittelbar das finanzielle Risiko, zeigt sich Puls-Sprecher Thorsten Puttenat irritiert. Der VfB beharrte nun allerdings gegenüber unserer Zeitung auf seiner Veranstalterrolle. Er arbeite aber mit verschiedenen Unternehmen in der Durchführung des „Public Viewing“ zusammen, auch mit der in.Stuttgart.

Puttenat hat in einem Antrag kritische Fragen gestellt und die Zustimmung seiner Gruppe davon abhängig gemacht, dass das Public Viewing dank VfB, Sponsoren und Ticketeinnahmen die Stadt nichts kostet. Der Eintritt ist aber kostenlos, das sei wiederum eine Bedingung der SPD/Volt-Fraktionsgemeinschaft gewesen, sagt Sprecher Stefan Conzelmann – neben der Zusicherung, eine vergleichbare Veranstaltung zu organisieren, falls die Fußball-Frauen des VfB je das Pokalfinale erreichen würden.

Der Schlossplatz als Veranstaltungsfläche ist ein ewiges Streitthema, weil die zentrale Fläche dann längere Zeit für die Bevölkerung gesperrt ist. Dieses Mal wird er voraussichtlich – für Auf- und Abbau – acht Tage lang nicht zugänglich sein. Ob der gerade erst angewachsene Rasen schon wieder ersetzt werden müsse, könne man erst nach der Veranstaltung einschätzen. Die Kosten würden dem Veranstalter auferlegt.

Sportvereine müssen bluten

Hannes Rockenbauch von Linke-SÖS begründet wie Puttenat für Puls die Ablehnung in erster Linie mit der schlechten Haushaltslage. Man könne doch nicht den Sportvereinen mit ihren 315 000 Mitgliedern in einem Brief ankündigen, dass die Mittel in diesem Jahr wegen einer globalen Kürzung („Rasenmähermethode“) um fast 700 000 Euro gekürzt werden müssten, während gleichzeitig der bereits mit dem Finaleinzug mit mindestens 2,8 Millionen Euro bedachte VfB großzügig bedacht werde.

„Hände weg von der Sportförderung. Es darf keine Kürzung oder Streichung geben“, hat der Sportkreisvorsitzende Fred-Jürgen Stradinger unmissverständlich betont. In diesem Jahr behilft sich die Sportverwaltung noch damit, dass sie Geld aus dem Topf für Sanierungen der Kunstrasenplätze entnimmt, die dann verzögert vorgenommen werden. In den nächsten Jahren droht aber ein erheblicher Kahlschlag bei der Sportförderung.

Public Viewing beste Stadtwerbung

OB Nopper räumt vor diesem Hintergrund zwar ein, sich gefragt zu haben, ob ein städtischer Zuschuss in eine Zeit des Sparens passe. Er sei aber zum Ergebnis gekommen, „dass es sich um ein sehr seltenes, ganz besonderes Ereignis handelt, das angemessen gewürdigt werden sollte und von dem Zehntausende Menschen in unserer Stadt profitieren“. Das „Pokalfieber“ stärke das Gemeinschaftsgefühl. Die Bilder vom Fußballfest seien „beste Stadtwerbung“.

Im Verwaltungsausschuss, der den Zuschuss final beschließen wird, dürfte Nopper allerdings ein Satz aus der Debatte um die Begrünung des Kaufhof-Parkhauses unter die Nase gerieben werden. Das auf lediglich 80 000 Euro taxierte Projekt passe „nicht mehr in die finanzpolitische Landschaft“, hatte der OB seine Ablehnung betont.„Andere Zeiten erfordern andere Einsichten. Andere Zeiten erfordern andere Signale.“ Und sein Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der in.Stuttgart, war zuletzt nicht müde geworden zu betonen, jede außerplanmäßige Ausgabe sei zu unterlassen, weil der Nachtragshaushalt noch nicht genehmigt sei.

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