Stuttgart 21 Bahn öffnet Baustelle an Ostern – Fokus liegt auf dem Bonatzbau
Trotz erneuter Verzögerung bei Stuttgart 21 setzt der Bahnprojektverein auf Interesse an den Tagen der offenen Baustelle. Fragen zur Zukunft des Vereins sind aber offen.
Trotz erneuter Verzögerung bei Stuttgart 21 setzt der Bahnprojektverein auf Interesse an den Tagen der offenen Baustelle. Fragen zur Zukunft des Vereins sind aber offen.
Die erneute Verschiebung von Stuttgart 21 hat viele Erwartungen enttäuscht und wirft Fragen zur Verlässlichkeit der Prognosen der Deutschen Bahn auf. Vor diesem Hintergrund öffnen sich über Ostern erneut die Baustellentore für Besucher, die sich ein Bild vom Fortschritt machen wollen. Bernhard Bauer, Vorsitzender des Bahnprojektvereins Stuttgart–Ulm, spricht im Interview über Vertrauen, Transparenz und die anhaltende Faszination des Projekts.
Herr Bauer, die erneute Verschiebung von Stuttgart 21 sorgt überall für Ernüchterung. Haben Sie den Eindruck, dass dieses Mal die Glaubwürdigkeit mehr gelitten hat, als bei vorherigen Verzögerungen – zumal es keinen konkreten Termin für eine Inbetriebnahme gibt?
Ich glaube, dass man sich darauf gefreut, aber auch verlassen hat, dass die Inbetriebnahme im Dezember 2026 stattfindet. Dies gilt auch für uns, denn wir haben ja schon - gemeinsam mit allen Partnern - die Feierlichkeiten zur Eröffnung vorbereitet. Es ist nun sicher richtig und konsequent, dass alles auf den Prüfstand kommt. Ich bin davon überzeugt, dass dies im Ergebnis sogar die Glaubwürdigkeit erhöht, wenn man jetzt jede Ecke auskehrt und am Ende einen neuen, tragfähigen Terminplan kommuniziert.
Welche Einblicke können Sie den Besuchern bei den Tagen der offenen Baustelle überhaupt geben, wenn unklar ist, wann das Projekt in Betrieb genommen wird.
Die DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla hat zu Recht gesagt: Wir müssen jetzt, um Vertrauen zurückzugewinnen, alles auf den Prüfstand stellen, um im Juni einen Terminplan zu nennen, der nicht mehr in Frage gestellt werden kann. Dazu gehört für mich auch, transparent zu machen, was seit einem Jahr alles auf der Baustelle geschehen ist. Ein Schwerpunkt bei den diesjährigen Tagen der offenen Baustelle wird daher der Bonatzbau sein. Dort ist in den vergangenen Monaten unglaublich viel passiert, sodass man einen sehr guten Eindruck davon gewinnen kann, wie es künftig aussieht, auch in Verbindung mit der neuen Bahnhofshalle. Bei den letzten Tagen der offenen Baustelle hat man wegen zahlreicher Baumaßnahmen nur von außen in den Bonatzbau schauen können. Jetzt kann man ihn wieder begehen und erleben.
Anfang der Woche gab es noch für alle drei Veranstaltungstage Tickets. Hat das Interesse nachgelassen?
Aber nein, ganz im Gegenteil! Wir sind mehr als überrascht, wie groß das Interesse ist. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hatten wir weniger Buchungen. Stand heute sind schon zwei Tage vollkommen ausgebucht, nämlich der Karsamstag und der Ostermontag. Das Interesse an der Baustelle ist immens groß. Dies erkennt man auch daran, dass wir im vergangenen Jahr bei uns wieder mehr als 200 000 Besucher gehabt haben – also ähnlich hoch wie die Staatsgalerie. Wenn wir dazu noch die 81 000 Besucher bei den Tagen der offenen Baustelle hinzuzählen – sind wir unter den Top-5-Ausstellungen in Stuttgart.
Diese Woche hat die 800. Montagsdemonstration gegen Stuttgart 21 stattgefunden. Wie erklären Sie sich diesen langen Atem?
Natürlich habe ich Respekt vor allen Leuten, die auf die Straße gehen, um für ihr Anliegen zu demonstrieren. Aber es befremdet mich, wenn auch noch nach einer Volksabstimmung über das Projekt, nach der auch für unseren Ministerpräsidenten „der Käs gegessen war“, das Baurecht der Bahn in Frage gestellt wird. Dann muss man sich schon irgendwann überlegen, ob man Demonstrationen weiterführt. Es gehört zum demokratischen Rechtsstaat anzuerkennen, dass es abschließende Entscheidungen gibt.
Die Finanzierung des Bahnprojektvereins endet 2027. Doch Stuttgart 21 wird zu diesem Zeitpunkt nicht fertig sein. Schließen Sie die Ausstellung und beenden Sie die Führungen, ehe der Bahnhof in Betrieb geht?
Es gibt einen Beschluss unserer Mitglieder, dass der Verein in jedem Fall bis 31. Dezember 2027 besteht. Wir gehen davon aus, dass die Mitgliederversammlung beschließen wird, dass der Verein bis zur Inbetriebnahme existiert und solange auch der Infoturm weiterbetrieben werden kann.
Nach Ihren bisherigen Planungen sollten im Lauf des Jahres 2027 erste Exponate wieder in den sanierten Turm des Bonatzbaus wechseln, wo die Ausstellung ursprünglich angesiedelt war. Bleibt es dabei?
Nein. Es wird, wenn der Infoturm abgebaut ist, keine weitere Ausstellung im Turmforum geben, weil die dortigen Räume für die Bahnmitarbeiter benötigt werden.
In der Ausstellung nimmt auch das städtebauliche Projekt Rosenstein einen gewissen Platz ein, das auf den heutigen Gleisflächen entstehen soll. Das steht wegen der prekären Haushaltslage der Stadt Stuttgart aber in Frage. Wird hier etwas vermittelt, dessen Zukunft ungewiss ist?
Nein. Das größte Problem in Stuttgart ist der fehlende bezahlbare Wohnraum. Die Stadt Stuttgart ist aus meiner Sicht in der Pflicht, die Flächen, die frei werden, entsprechend zur Verfügung zu stellen und zur Schaffung von Wohnraum zu nutzen. Ich glaube, es gibt für einen Oberbürgermeister und einen Gemeinderat keine größere, aber auch keine lohnendere Aufgabe, rechtzeitig die Bebauungspläne zu beschließen, damit das Rosensteinquartier so umgesetzt werden kann, wie es geplant ist.
Durch die Verzögerung des Projekts wird der Bahnhof im Jahr 2027 Baustelle sein, wenn in Stuttgart und der Region die Internationale Bauausstellung läuft. Es wird erwartet, dass die IBA zahlreiche Architekturbegeisterte anlockt. Machen Sie denen ein besonderes Angebot?
Gerade weil wir durch unsere Besucher wissen, wie begeistert die herausragende Architektur des Bahnhofs national aber auch weltweit wahrgenommen wird, werden wir uns an der IBA 27 beteiligen. Wir werden Kurzführungen zur Verfügung stellen und sind im Gespräch mit dem Leitungsteam, ob wir bestimmte Aspekte noch eingehender darstellen können – speziell die Architektur der Bahnhofshalle und die Besonderheit der Kelchstützen.