Stuttgart 21 Deutsche Bahn gibt Kampf um S-21-Milliarden auf

Noch eine große Baustelle, später aber mal eine Grünanlage: auf dem Dach des neuen Stuttgarter Bahnhofs soll Gras wachsen. Im Finanzministerium gibt es Bedenken, ob das auch glückt. Foto: IMAGO/imagebroker

Die Bahn akzeptiert das Urteil zu Stuttgart 21 und muss die Mehrkosten allein tragen. Das wurde beim S-21-Lenkungskreis bekannt, der sich auch Fragen der Dachbegrünung zuwendete.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

In etwas mehr als einem Jahr sollen erste Teile von Stuttgart 21 in Betrieb gehen – wenn der aktuelle Zeitplan der Bahn Bestand haben sollte. Am Freitag trafen sich Vertreter von Bahn, Land, Region und Stadt, um beim sogenannten Lenkungskreis den Stand des Projekts zu erörtern. Quintessenz der Zusammenkunft: die Bahn gibt den Kampf um die S-21-Milliarden auf – und die Staatssekretärin im Finanzministerium hat Bedenken wegen des künftigen Rasens auf dem Bahnhofsdach.

 

Es war an Olaf Drescher, Chef der Stuttgart-21-Projektgesellschaft, nach der Sitzung vor den Medien einen Knopf an einen jahrelangen Rechtsstreit zu machen. Die Bahn habe das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg akzeptiert, wonach keine Berufung gegen das Urteil im Streit um die Mehrkosten bei Stuttgart 21 möglich ist. Damit ist klar: Die Deutsche Bahn muss die Finanzierungslücke aus eigener Kraft schließen, die sich derzeit auf rund sieben Milliarden Euro beläuft.

Vorsichtige Zuversicht beim Zeitplan

Die neu entstandene Harmonie an der Finanzierungsfront hat sich auch in der Lenkungskreissitzung fortgesetzt. „Es gab keine großen Konfliktthemen“, sagt Verkehrsminister Winfried Hermann. Die näher rückenden Eröffnungsschritte hätten die Diskussion geprägt. Er halte es für „plausibel, dass die Bahn den Terminplan einhält“. Man befinde sich auf der Zielgeraden eines langen Rennens, „aber auch da kann man noch stolpern“, sagte er und mahnte dazu, nicht im Bemühen nachzulassen, wirklich in einem ersten Schritt im Dezember 2026 den Durchgangsbahnhof und den Fernbahnhof am Flughafen zu eröffnen.

Bis Mitte 2027 sollen noch Teile des Kopfbahnhofs betrieben werden. Nach Einschätzung des Landes wird in dieser Zeit noch ein Drittel des Regionalverkehrs dort halten. An anderer Stelle werde dann aber bereits der Rückbau der oberirdischen Gleise laufen. „Damit will die Bahn im Bereich des Abstellbahnhofs am Rosenstein Anfang 2027 beginnen“, sagte Stuttgarts OB Frank Nopper.

Land fordert mehr Fernverkehr zum Flughafem

Beim neuen Stopp auf den Fildern, direkt am Flughafen und an der Landesmesse gelegen, sieht Hermann die Bahn in der Pflicht. Es sei nicht nachvollziehbar, dass dort nur alle zwei Stunden ein ICE halten solle. „Der Stundentakt muss kommen. Der Bedarf dafür ist da“, sagte der Minister. Unterstützung bekam er von Regionalpräsident Rainer Wieland. Die angestrebte Verkehrsdrehscheibe am Flughafen benötige auch eine adäquate Bedienung durch den Fernverkehr.

Landesverkehrsminister Hermann fordert mehr Züge des Fernverkehrs zum Flughafenbahnhof. Foto: Christian Milankovic

Von Mai an soll ein umfangreiches Testprogramm abgespult werden. „Wir werden dann regelmäßig Testfahrten mit verschiedenen Fahrzeugen machen“, kündigte Olaf Drescher an. Ziel sei es, dass rund 70 Prozent des Fahrzeugparks einmal auf der neuen Infrastruktur unterwegs gewesen ist. Flankiert werde das von intensiven Schulungen des Personal.

Hält die Dachbegrünung?

Wie unstrittig die Zusammenkunft des S-21-Spitzengremiums verlaufen ist, zeigt die erschöpfende Behandlung eines Themenkomplexes, der bisher noch unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung rangierte. Das Finanzministerium als Hausherr des Schlossgartens, vertreten durch die Staatssekretärin Gisela Splett, thematisierte die geplante Begrünung des Bahnhofsdachs. Die Geoökologin Splett von den Grünen verwies auf Bedenken des dem Ministerium unterstellten Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg, wonach die Dicke der geplanten Humusschicht auf dem Bahnhofsdach zu knapp bemessen sein könnte. Olaf Drescher versicherte, man arbeite nach den anerkannten Regeln. Gleichwohl darf die Öffentlichkeit gespannt bleiben, bis wann Gras über die Sache gewachsen ist.

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