Stuttgart 21 Nie genutzt, jetzt weg: Bahn baut provisorischen Wartesaal am Hauptbahnhof ab

Das Interimswartegebäude am Hauptbahnhof ist bereits eingerüstet und wird nun abgebaut. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Sechs Jahre stand der Interimsbau vor dem Bonatzbau bereit – gewartet hat dort nie ein Reisender. Nun wird er abgebaut, zugleich schrumpfen die Warteflächen am Gleis 1.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Wer am Stuttgarter Hauptbahnhof auf seinen Zug wartet, muss sich umstellen: Die Deutsche Bahn verändert die Wartemöglichkeiten vor Ort. Kurios dabei: ein Interimsgebäude auf dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz vor dem Nordeingang des gesperrten Bonatzbaus, das auch als Wartesaal hätte dienen sollen, wird nach sechs Jahren wieder abgebaut. Gewartet hat dort nie ein Reisender.

 

Gleichzeitig reduziert die DB die Wartekapazitäten in einem ebenfalls nur vorübergehend existierenden Gebäude bei Gleis 1. Beides hängt miteinander zusammen. Gab es in dem Containerbau bei Gleis 1 bisher sowohl im Erd- wie auch im Obergeschoss Sitzgelegenheiten für Wartende, so ist der Zugang zum ersten Stock nun für Reisende gesperrt, weil die Bahn ihn für sich selbst beansprucht. „Wir haben den Wartebereich im 1. OG geschlossen, um die Sozialräume für das Servicepersonal der DB vom Gebäude am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz dorthin verlegen zu können“, sagt ein Bahnsprecher.

Das Bild aus dem Jahr 2020 zeigt den Wartebereich im Interimsgebäude auf dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz. Foto: Julia Schramm

Aushänge informieren Reisende über Wartemöglichkeiten auf vier der acht Bahnsteige im Kopfbahnhof. Dort stehe „während der Bauarbeiten ein ausreichendes Angebot an beheizten Aufenthaltsräumen zur Verfügung“, sagt der Bahnsprecher. Sie stehen auf den Bahnsteigen zwischen den Gleisen 5/6, 9/10, 11/12 und 13/14.

Provisorischer Wartesaal: Platz für 120 Reisende, nie genutzt

Das große Wartegebäude vor dem Nordeingang, das schon seit langem für Reisende unzugänglich mitten in der Baustelle von Stuttgart 21 liegt, wird nun wieder demontiert. Als der Interimsbau im Jahr 2019 in die Höhe wuchs, erklärte die DB in einer Pressemitteilung, es solle eine „Wartehalle mit rund 120 Sitzplätzen den Reisenden zur Verfügung stehen, um während der Zeit des Umbaus die Warteflächen innerhalb des Bonatzbaus zu kompensieren“. Allerdings fiel die geplante Eröffnung mit der Corona-Pandemie zusammen, in der zunächst alle Warteräume der DB geschlossen waren. Reisende nutzten also das Provisorium nicht.

Bewährt habe sich das Gebäude aber in einem ganz anderen Zusammenhang, so der Bahnsprecher, „als im Februar 2022 hunderte Flüchtende aus der Ukraine – oft nur mit in Plastiktüten verpackten Habseligkeiten ausgestattet – am Stuttgarter Bahnhof eintrafen. Die DB hatte Räume in der Wartehalle zur Verfügung gestellt, betreut und versorgt hat die Flüchtenden die Stadt Stuttgart“. Gedacht war freilich an eine ganz andere Nutzung des Gebäudes, das auf einer Seite vollständig von einer Visualisierung des Durchgangsbahnhofs bedeckt war. Man habe „das Interimsgebäude auf dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz ursprünglich jedoch errichtet, damit Reisende während der Sanierung des Bonatzbaus im Stuttgarter Hauptbahnhof beispielsweise bei einer Extremwetterlage einen geschützten, ausreichend großen Wartebereich vorfinden. Zu einem solchen Ereignis kam es bislang nicht“. Was der Abbau kostet und der Betrieb des Gebäudes gekostet hat, will er nicht verraten.

Warten im Bonatzbau? Bahn nennt keine Termine

Nun baue man „das Wartegebäude ab, um im Bereich des Kurt-Georg-Kiesinger-Platzes die Fläche für weitere oberirdische Arbeiten vorbereiten zu können“. Die Hoffnung, dass mit dem Abbau des Gebäudes auch die Wege für Reisende, die in diesem Bereich einen großen Bogen laufen müssen, wieder kürzer werden, erfüllt sich nicht. „Die Wegeführung bleibt für Reisende vorerst wie bisher“, sagt der Bahnsprecher. Offen lässt er, wann die ganzen Provisorien nicht mehr gebraucht werden, weil Reisende schlicht wieder im Bonatzbau warten können. Der Sprecher verweist lediglich auf die Ankündigung der DB, an einem Inbetriebnahmekonzept für Stuttgart 21 zu arbeiten und es mit Stadt, Land und Region abzustimmen. „Das schließt die Nutzung des Bonatzbaus ein“.

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