Stuttgart 21 Südeingang des Bahnhofs nimmt Gestalt an

Die künftige Eingangskuppel am Südende des Bahnhofs wächst in die Höhe, 36 Stahlelemente werden verbaut. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Neben dem Planetarium beginnt der künftige Südeingang des neuen Stuttgart-21-Bahnhofs in die Höhe zu wachsen. Wie so vieles bei dem Projekt, ist auch das eine herausfordernde Puzzlearbeit.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Das Konstrukt aus weißen Stahlstreben, das sich, einen Buckel zum Schlossgarten machend, an der B 14 in die Höhe reckt, weckt die Neugier der Passanten, die die Stuttgart-21-Baustelle auf dem eingezäunten Weg zwischen dem Ferdinand-Leitner-Steg und dem Planetarium passieren. Immer wieder bleibt jemand stehen und betrachtet ausführlich, was da aus dem Untergrund emporwächst.

 

Eine Kuppel über dem Eingang zum Bahnhof

Drum herum ist viel Erde aufgeworfen, scheinbar nach einem genauen Plan stapeln sich weitere Bauteile. Der, der den Überblick behalten soll, heißt Daniel Dörr und steht in Diensten des Fassadenbauspezialisten Seele. Das Unternehmen baut nicht nur die sogenannten Lichtaugen auf dem Bahnhofsdach, sondern auch die aus Stahl und Glas bestehenden Eingangskuppeln zum künftigen Durchgangsbahnhof.

Dörr verantwortet derzeit den Stahlbau an der Eingangskuppel Staatsgalerie, die so heißt, weil sie in unmittelbarer Nähe zur gleichnamigen Stadtbahn-Haltestelle liegt. „Das ist schon eine außergewöhnliche und anspruchsvolle Form“, sagt Dörr mit Blick auf die ersten in Position gebrachten Bauteile. Die werden von einem großen Gerüst gestützt, das dort aufgebaut ist, wo einmal Fahrgäste über Treppen sowie einen Aufzug und eine Rolltreppe den Weg in den Untergrund Richtung Bahnsteige nehmen sollen.

Acht Meter hohes Bauwerk

Die vorgefertigten Teile kommen per Lastwagen nach Stuttgart und werden auf der Baustelle wie bei einem großen Puzzle zusammengefügt. Insgesamt 36 Segmente müssen platziert werden, bis die gut acht Meter hohe Eingangskuppel ihre Endhöhe erreicht hat – und sich dann für den weiteren Baufortschritt den Blicken der Baustellenkiebitze entzieht.

Wie auch bei den Lichtaugen baut Seele dort eine temporäre Montagehalle auf. Die dient weniger der Wahrung von Betriebsgeheimnissen als dem Gewährleisten einer konstanten Temperatur auf der Baustelle. Die braucht es, um die insgesamt 340 Knotenpunkte der Konstruktion zu verschweißen und die Streben nochmals zu beschichten. „Das geht nicht bei Minusgraden“, sagt Konstantinos Tzelepis, der für die Bahnprojektgesellschaft Stuttgart–Ulm die Arbeiten am sogenannten Südkopf des künftigen Bahnhofs überwacht.

Daniel Dörr erklärt die Herausforderungen beim Bau der Eingangskuppel. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Wenn die Struktur steht, rücken die Glasbauer an. Mehr als 700 Scheiben werden sie einbauen, sodass rund 1000 Quadratmeter Fassadenfläche entsteht. Tzelepis geht davon aus, dass die Arbeiten im zweiten Halbjahr 2025 beendet sind und dann mit der Gestaltung der Freiflächen rund um die Glas-Stahl-Kuppel begonnen werden kann. So soll ein direkter Zugang vom Ausgang der Stadtbahn-Haltestelle zum Eingang in den Bahnhof entstehen.

In der Bahnsteighalle liegen Gleise

Wie der Weg der Reisenden einmal aussehen könnte, zeigt Tzelepis, der unter dem wachsenden Stahlgerüst in die Tiefe führt. Dort beginnt ein kurzer Fußgängertunnel, der bereits die geschwungenen Formen des Bahnhofs aufnimmt und auf einem Steg endet, von dem aus Treppen, Rolltreppen und Aufzüge zu den vier Bahnsteigen führen. Aus der erhöhten Warte ist gut zu erkennen, dass im Bahnhof die Gleisbauer am Werk sind. Nur in einem kurzen Abschnitt in der Mitte der Bahnsteighalle ist noch ein Bagger damit beschäftigt, die Gleistrassen von der temporären Verfüllung zu befreien, die die Arbeiter bisher als Arbeits- und Logistikfläche genutzt haben.

Doch die Zeit der dort rangierenden Lastwagen geht dem Ende entgegen. Im Oktober verschwindet die letzte Zufahrtsmöglichkeit für die Transporter in die Bahnsteighalle. Dann kommen sämtliche weiteren Baumaterialien, die Treppen, Rolltreppen und Aufzüge auf der Schiene in die Bahnhofshalle.

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