Die Weichen für einen Einkaufsbus in Münster sind gestellt. „So nah waren wir noch nie an einem Ortsbus dran“, zeigte sich auch Bezirksvorsteherin Renate Polinski erfreut. Der Vortrag von Verkehrsgutachter Mario Graunke im Bezirksbeirat zu „Ergänzungsverkehre im Stadtgebiet Stuttgart“ mit dem Vorschlag für einen Testlauf und die Unterstützung durch die Stadt sorgten für positive Stimmung.
Wunsch schon lange geäußert
„Es wäre toll, wenn wir damit an den Start gehen könnten“, so Polinski. „Ich bin frohen Mutes, dass auch die letzte Hürde noch überwunden wird“, sagte SPD-Bezirksbeirat Dietmar Bulat. Und Martin Mäule (CDU) hatte auch eine Begründung dafür: „Wir geben in Münster nicht auf und bohren nach.“ Denn der Wunsch nach einem Einkaufsbus wird im Stadtbezirk schon lange geäußert und wurde 2013 auch versucht, umzusetzen. Nach zwei Jahren der intensiven Vorbereitung und kurz vor einer Verwirklichung wurde jedoch das Aus verkündet (wir berichteten). Die Enttäuschung war groß.
Diese vergrößerte sich, als im Abschlussbericht zu den Ergänzungsverkehren für Münster kein Bedarf attestiert wurde. „Wir wurden missverstanden“, regte die Bezirksvorsteherin weitere Gespräche und Hilfe der Betreuungsstadträte an. Jetzt konkretisierte Graunke sein Gutachten, das er im Auftrag der Stadt erstellte. „Im Wesentlichen ist die Landeshauptstadt durch das Bus- und Stadtbahnnetz der SSB AG sehr gut erschlossen“, führte Graunke aus. Es gebe gemäß der Definition der Haltestelleneinzugsbereiche nur wenig kleine Erschließungsdefizite.
Topografische Lage als Problem
Laut Untersuchung ist für Münster kein Ergänzungsverkehr erforderlich. „Nur ein kleiner Bereich weist ein Defizit aus, der nicht durch einen Stadtbahnhalt erschlossen ist.“ Die topografische Lage jedoch erschwere der älteren Bevölkerung die Erreichbarkeit von Geschäften des täglichen Bedarfs und des Friedhofes. Die Initiativen aus der Bevölkerung und Bestrebungen zur Errichtung eines Einkaufsbusses sollen unterstützt werden, so Graunke. Sein Vorschlag: einen Einkaufsverkehr für die ältere Bevölkerung einzurichten, der bei Bedarf auch zum Erreichen von Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Route könne vom Seniorenzentrum zum Edeka Markt Schuster über die Elbe- und Austraße verlaufen, der Rückweg dann über die Mosel- und Mainstraße. Damit wäre der Stadtbezirk großflächig erschlossen. „Diese Lösung ist für den Stadtbezirk denkbar.“
Einsatz von 9 bis 12 Uhr denkbar
Graunke denkt dabei an einen Achtsitzer, so wie er im Schülerverkehr eingesetzt wird. Dessen freie Kapazitäten könnten dafür genutzt werden. Der Verkehrsgutachter empfiehlt den Einsatz an drei Tagen der Woche in den Nebenverkehrszeiten, wobei eine Ausweitung der Strecke zum Friedhof möglich wäre. Als Zeitfenster schwebt Graunke von 9 bis 12 Uhr vor, „ein Einsatz am Nachmittag ist denkbar“. Dadurch würden Kosten in Höhe von 30 000 Euro pro Jahr entstehen. „Die Finanzierung müsste geklärt werden.“
Ulrich Steimer, Leiter der Abteilung Verkehrsausbau, Investitionen und ÖPNV, begrüßt den Vorschlag. „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal und würde der älteren Bevölkerung die Möglichkeit zum Einkaufen bieten.“ Das Engagement aus dem Stadtbezirk müsse honoriert werden. „Wir als Verwaltung unterstützen den Vorschlag.“ Bezirksvorsteherin Renate Polinski empfahl, bei der Mobilitätswoche im Herbst noch eine Woche dranzuhängen und einen Testlauf für den Einkaufsbus vorzunehmen. Der Bezirksbeirat könne aus seinem Budget 5000 Euro beisteuern. Das Votum des Bezirksbeirates fiel einmütig aus.