Die König-Karl-Straße stadtauswärts ist zwischen der Kreuzung Mercedesstraße und dem Cannstatter Wilhelmsplatz ein Nadelöhr. Vor allem im abendlichen Berufsverkehr herrscht Stop-and-go und die vielen Pendler brauchen Zeit, Nerven und Geduld, wenn sie im Schritttempo durch den gut 100 Meter langen Tunnel kriechen. In diesem Flaschenhals blieb übrigens auch der Expressbus X 1, der fast fünf Jahre lang zwischen Bad Cannstatt und der City pendelte, regelmäßig stecken und mutierte so zur lahmen Ente. Schon damals machte sich das öko-soziale Lager des Gemeinderats für eine separate Busspur stark, die auch für Fahrradfahrer nutzbar sein sollte.
Auf der Umweltspur sollen auch Linienbusse verkehren
Diese sogenannte Umweltspur soll jetzt noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Allerdings zunächst nur als Verkehrsversuch. „Nach einem Jahr ziehen wir dann Bilanz“, sagte der Verkehrsplaner Andreas Hemmerich, als er im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik die Hintergründe erläuterte. Zum einen soll die Sicherheit für Radfahrer in diesem Bereich erhöht werden. Knapp 20 Unfälle wurden an der Einmündung Kleemannstraße/König-Karl-Straße in den letzten fünf Jahren registriert. Zweitens soll die Führung des Radverkehrs im Zuge der Hauptradroute 1 verbessert werden und der Busverkehr davon profitieren. Denn auf der Umweltspur werden auch die Linienbusse der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) unterwegs sein. Ab der Einmündung Kleemannstraße wird deshalb einer der bisher zwei Kfz-Fahrstreifen geopfert.
SPD stimmt für den Verkehrsversuch
Ein Vorhaben, das vor allem von der CDU, den Freien Wählern und der FDP bereits im Bezirksbeirat Bad Cannstatt harsch kritisiert und letztlich mehrheitlich abgelehnt wurde. Allerdings nur mit den Stimmen der SPD. „Das hat mich schon überrascht, dass meine Fraktion ihre eigenen Anträge nicht mehr kennt“, sagte Stefan Conzelmann und erinnerte daran, dass die SPD im Rahmen der Expressbus-Debatte ebenfalls für eine Umweltspur plädiert hatte.
Der Fraktionsvorsitzende zeigte zudem wenig Verständnis für die Kritiker: „Jede Fahrbahnreduzierung und jeder wegfallende Parkplatz ist für die CDU der Untergang des Vaterlandes.“ Auch Björn Peterhoff (Die Grünen) ging mit den Christdemokraten hart ins Gericht. „Es gibt viele Argumente für die Umweltspur und die CDU sollte sich endlich von ihrer unrealistischen Traumtänzerei verabschieden“, sagte der Fraktionsvorsitzende. Denn einmal mehr hatte Cannstatts CDU-Chef Roland Schmid in der Bezirksbeiratssitzung eine Tunnellösung für die Verkehrsprobleme rund um den Wilhelmsplatz angeregt.
CDU hält den Zeitpunkt für falsch
Diese exorbitant teure Vision wurde im Ausschuss zwar nicht erwähnt, dennoch hält Beate Bulle-Schmid (CDU) nach wie vor den Zeitpunkt für den Verkehrsversuch für falsch. „Wir wissen noch gar nicht, wie viele Fahrzeuge täglich vom Rosensteintunnel über die neue Rampe und die König-Karls-Brücke in Richtung Wilhelmsplatz fahren“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Für die Cannstatter Stadträtin steht fest, dass durch die Wegnahme einer Kfz-Spur aus „einem Flaschenhals ein Nadelöhr“ werde und enorme Rückstaus zu chaotischen Zuständen auf der Kreuzung König-Karl-/Mercedesstraße führen werden.
„Wir werden die Verkehrsentwicklung in diesem Abschnitt natürlich beobachten und gegebenenfalls reagieren“, sagte Andreas Hemmerich. Allerdings habe die Stadt schon das Ziel, die Hauptradroute 1 zwischen dem Mineralbad Leuze und Fellbach stadtein- und stadtauswärts zu einer Radschnellverbindung auszubauen. Unter anderem soll bereits 2025 der Radweg auf der König-Karls-Brücke verbreitert werden. An der Zählstelle werden jährlich mehr als eine Million Radfahrer registriert.
Dem Verkehrsversuch wurde mehrheitlich zugestimmt, wobei Verkehrsplaner Hemmerich eine Anregung von Deborah Köngeter (Puls) mit in sein Referat nehmen will. Die Cannstatter Stadträtin erinnerte an einen interfraktionellen Antrag von Puls, Grünen, SPD und Die FrAKTION zur Badstraße. Da die Rosensteinbrücke erst in sieben Jahren fertig sein wird und bis dahin auch keine Stadtbahn durch die Badstraße fährt, könnten sich die Antragsteller vorstellen, die Anliegerstraße so lange als Fahrradstraße zu nutzen.
vvv