Stuttgart21 S21 droht Hängepartie bis Sommer 2026

Erst im Sommer 2026 könnte die Bahn eine Prognose wagen, wann im neuen Durchgangsbahnhof erstmals Reisende ein- und aussteigen können. Foto: Christian Milankovic

Nach dem geplatzten Eröffnungstermin des neuen Bahnhofs benötigt die Bahn ein neues Konzept für die Inbetriebnahme von Stuttgart21. Die Arbeit daran könnte sich monatelang hinziehen.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Nicht genug, dass es einmal mehr nichts wird mit einem von der Deutschen Bahn prognostizierten Eröffnungstermin von Stuttgart21. Es könnte Sommer 2026 werden, bis sich der Schienenkonzern in Staatsbesitz in der Lage sieht, eine neuerliche Vorhersage zu treffen, wann mit der Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs zu rechnen sei.

 

Das ist die Botschaft gewesen, mit der Clarissa Freundorfer am Freitag in den Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart kam. Eigentlich hätte die DB-Konzernbevollmächtigte für das Land Baden-Württemberg dort über das geplante Fernverkehrsangebot am künftigen Flughafen- und Messebahnhof referieren sollen. Angesichts des am Mittwoch publik gewordenen abermaligen Scheitern des Stuttgart-21-Terminplans verlor dieser Aspekt allerdings völlig an Bedeutung.

Bahn stimmt auf lange Hängepartie bei Stuttgart21 ein

Stattdessen musste sich die Juristin in Diensten der DB den Fragen der zunehmend frustrierten Regionalräte stellen. In ihre Verantwortung fällt die S-Bahn, deren Zuverlässigkeit seit Jahren unter den Bauarbeiten für Stuttgart21 leidet, was die Regionalräte aber bislang nur zähneknirschend aber weitestgehend wehrlos haben über sich ergehen lassen müssen.

Was Freundorfer zu sagen hatte, war nicht dazu geeignet, die Stimmungslage unter den Regionalräten nach dem neuerlichen Tiefschlag bei Stuttgart21 erheblich zu verbessern. Demnach ist mit einer baldigen Entscheidung, wie ein überarbeiteter Terminplan des Milliardenvorhabens aussehen könnte, nicht zu rechnen. „Spätestens Mitte 2026 wollen wir aussagefähig sein – wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagte Freundorfer am Freitag. Und sie deutete an, dass die DB nochmals wird für den Kopfbahnhof Geld ausgeben müssen. Sie halte es für möglich, dass „in die Instandhaltung investiert werden muss“. Bisher gingen die DB-Planungen davon aus, den Kopfbahnhof im Sommer 2027 außer Betrieb zu nehmen.

Es könnte Sommer 2026 werden, bis sich die Deutsche Bahn in der Lage sieht, eine neuerliche Vorhersage zu treffen, wann mit der Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs zu rechnen sei. Foto: Ferdinando Iannone

Die Regionalräte mahnten ein ebenso bald vorliegendes wie belastbares Konzept an, das vor allem die Bedürfnisse der S-Bahnfahrgäste in den Blick nimmt. „Das Vertrauen ist komplett aufgebraucht. Der Eindruck verfestigt sich: Die DB kann es nicht“, sagte Elmar Steinbacher (CDU). Michael Lateier (Grüne) erinnerte Freundorfer daran, dass die Region nun den Prozess gestartet habe, an dessen Ende feststehen soll, welches Bahnunternehmen nach 2032 die S-Bahn Stuttgart fahre. Mit Blick darauf stelle sich für ihn die Frage, wie es überhaupt weitergehen könne. „Die Nerven liegen hier blank“.

Regionalräte kritisieren die Bahn scharf

Frank Buß von den Freien Wählern sagte, dass die Bahn einen „kreativen Umgang mit der Wahrheit“ pflege. Es dränge sich der Eindruck auf, dass es schlicht an Kompetenz mangele. „Unser Vertrauen – insbesondere in die Kommunikationspolitik der Bahn – hat massiv gelitten und ist mittlerweile bei null angekommen“, so Gabriele Heise (FDP). Thomas Leipnitz von der SPD nannte es „inakzeptabel, dass wir erst in sechs Monaten wissen sollen, wie es weitergeht.“

Für mehr Klarheit soll eine Sondersitzung des Stuttgart-21-Lenkungskreises sorgen. Eine solche außerplanmäßige Zusammenkunft kann von zwei Mitgliedern des Spitzengremiums einberufen werden. Am Montag wollen die Stadt, die Region und das Land einen entsprechenden Brief auf den Weg bringen. Als mögliches Datum für eine Sondersitzung gilt der 12. Dezember. Dieses Datum liegt nach dem Termin der nächsten Sitzung des DB-Aufsichtsrats. Die Aufseher sollen sich dabei auch mit den „Terminrisiken“ (O-Ton Bahn) bei Stuttgart21 befassen, die „sich in einer so bisher nicht vorhersehbaren Dimension erhärtet“ hätten.

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