Der Ersatzverkehr wird wohl bis Ende 2026 das bestimmende Angebot bei Bus und Bahn in der Region Stuttgart sein. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Stuttgart21 steht vor weiteren Herausforderungen: Bis zur Inbetriebnahme Ende 2026 drohen massive Streckensperrungen. Eine Taskforce soll Lösungen finden. Was erwartet die Fahrgäste?
Die Vergangenheit war herausfordernd, die Gegenwart ist trist und für die Zukunft ist wenig Gutes zu erwarten: bis zur Inbetriebnahme von Stuttgart 21 – weiterhin für Dezember 2026 vorausgesagt – kommen auf Bahnreisende in Stuttgart und der Region zahl- und umfangreiche Streckensperrungen zu. Das räumten nach der 35. Auflage des S-21-Lenkungskreises Bahninfrastrukturvorstand Berthold Huber, Landesverkehrsminister Winfried Hermann, Regionalpräsident Rainer Wieland und Oberbürgermeister Frank Nopper am Montag im Stuttgarter Rathaus ein.
Taskforce für Stuttgart21: Lösungen gegen Fahrgast-Leid
Um die schlimmsten Härten abzufedern, hat sich die Runde darauf verständigt, eine Taskforce zu bilden. Deren Erkenntnisse sollen bei einer Sondersitzung des Lenkungskreises noch vor der Sommerpause diskutiert werden.
Hermann sprach von einer „intensiven Sitzung“. An deren Ende stand beim Minister die Erkenntnis: „Stuttgart 21 geht im Dezember 2026 in Betrieb. Daran gibt es keine ernst zu nehmenden Zweifel – es sei denn, es passieren Katastrophen.“ Doch die bis dahin vergehenden 18 Monate werden kein Zuckerschlecken für die ohnehin leidgeprüften Fahrgäste.
S-Bahn Stuttgart: „Das Leid wird noch schmerzhafter“
Regionalpräsident Rainer Wieland, OB Frank Nopper, Verkehrsminister Winfried Hermann und Bahninfrastrukturvorstand Berthold Huber (v.l.) nach dem Lenkungskreis im Rathaus. In der Mitte: OB-Sprecherin Susanne Kaufmann. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko
Das „Sperrvolumen“ werde sich im Jahr 2026 gegenüber 2025 verdoppeln, so Hermann. „Das Leid der Fahrgäste an Stuttgart 21 wird noch schmerzhafter werden“. Für Rainer Wieland steht „das steilste und steinigste Stück“ bevor. Er mahnte bei der Bahn an, „wieder zu einer normalen Kommunikation zurückzukehren und die Sperrungen nicht als geheime Kommandosache zu verstehen“.
Massive S-Bahn-Sperrungen in Stuttgart
Beim Nahverkehrsforum des Tarif- und Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) wurden exemplarisch Planungen für verschiedene Bereiche des S-Bahnnetzes für die Jahre 2025 und 2026 vorgestellt. Demnach ist etwa der S-Bahnverkehr in Bad Cannstatt an mehr als 90 Tagen betroffen. Dieselbe Größenordnung trifft auf die Stammstrecke und den Pragtunnel zwischen Nordbahnhof und Feuerbach zu.
Die Taskforce werde Alternativen zu den Sperrpausen „ergebnisoffen prüfen“, sagte Bahninfrastrukturvorstand Berthold Huber. Das gelte auch für die von der Regionalversammlung angeregte Verschiebung der Gäubahnkappung von April auf Dezember 2026. Damit soll eine gleichzeitige Sperrung der Panoramabahn und der innerstädtischen S-Bahnstrammstrecke vermieden werden. Prämisse sei aber, dass die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 im Dezember 2026 nicht in Gefahr gerät.
Auch Forderungen aus den Kommunen entlang der Strecke, die Gäubahn auch über 2026 hinaus in den Kopfbahnhof fahren zu lassen, erteilte die Runde eine Absage. Rainer Wieland, Vorsitzender der Regionalversammlung sagte: „Die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 ist die Außerdienststellung der Gäubahn in Stuttgart.“ Für die alternative Führung der Strecke durch den geplanten Pfaffensteigtunnel zum Flughafen erwarte man bis Jahresende die Baugenehmigung.
Digitalisierung des Schienennetzes soll fortgesetzt werden
Entspannung zeichnet sich in dem Dauerstreit um die weitere Digitalisierung des Schienennetzes in der Region ab. Dieser dritte Baustein des Digitalen Knoten Stuttgart (DKS) hängt in der Luft, seit die Bahn vom Bund bereitgestelltes Geld im Jahr 2024 nicht abgerufen hat, woraufhin die Mittel verfielen. Nun sei man mit der neuen Bundesregierung in Gesprächen und guten Mutes eine neuerliche Einigung zu finden, sagte Huber und nannte das Jahr 2032 als möglichen Inbetriebnahmetermin für den dritten Abschnitt des DKS. Der sei für die Eröffnung von Stuttgart 21 nicht notwendig.