Die SWSG-Geschäftsführer Wolf Gieseke (links) und Samir M. Sidgi (rechts) im Mai 2025 mit Wohnungsbauministerin Nicole Razavi (CDU). Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone
In der Wohnungsbau-Tochter der Stadt knirschte es an der Unternehmensspitze. Eine Personalie kommt für das auf Zuschüsse angewiesene Unternehmen teuer.
Rekordverdächtig ist auch die Verweilzeit des Technischen Geschäftsführers Wolf Gieseke, allerdings rekordverdächtig kurz. Nach 25 Monaten hat dieser Anfang Februar das Unternehmen verlassen – wozu sich auf der SWSG-Homepage kein Eintrag findet. Der Abgang sei „auf eigenen Wunsch und im gegenseitigem Wohlwollen“, geschehen teilt der SWSG-Aufsichtsratsvorsitzende und Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) auf Anfrage unserer Zeitung mit. Zur Frage nach einer Abfindung hält sich Fuhrmann bedeckt. „Ich bitte um Verständnis, dass ich keine Antwort geben kann“, so Fuhrmann in seiner schriftlichen Antwort.
Teils Vorbehalte bereits bei der Wahl
Gieseke kam im Januar 2024 zur SWSG, seine Bestellung durch den Aufsichtsrat erfolgte einstimmig, doch nicht alle 13 Mitglieder votierten für den damals 55-jährigen gebürtigen Stuttgarter, es gab mehrere Enthaltungen. Gieseke hatte zuvor 19 Jahre als Geschäftsführer der deutlich kleineren Grundstücks- und Wohnungsbaugellschaft Schwäbisch Hall (GWG) gearbeitet, eine Personalberatungsagentur hatte dem Aufsichtsrat zwei Kandidaten für den lange vakanten Posten des Technischen Geschäftsführers präsentiert.
Einige der SWSG-Kontrolleure befürchteten damals auf Grund von Aussagen in seiner Bewerbungsrede, dass Gieseke nicht zur Wertebasis des Unternehmens passen könnte. Fuhrmann teilte diesen Vorbehalt nicht. Giesekes „langjährige Fach- und Führungserfahrung im Neubau und Bestandsmanagement“ werde bei der SWSG auf ein ambitioniertes Umfeld treffen, „von dessen Passgenauigkeit ich überzeugt bin“, so der Aufsichtsratsvorsitzende nach der Wahl.
Friktionen in der SWSG-Spitze
An dieser Passgenauigkeit soll es dem Vernehmen nach bei der täglichen Arbeit zusehends gemangelt haben. Berichte über Friktionen zwischen dem Technikchef und – nicht nur, aber vor allem – der zweiten Führungsebene der SWSG in Sachfragen erreichten die Fraktionen des Gemeinderates. Sie führten Mitte November 2025 zu einer Sondersitzung des Aufsichtsrates.
Die Kontrolleure beschäftigte bei jenem Treffen auch die mögliche künftige Struktur der SWSG-Spitze nach einem möglicherweise vorzeitigen Abgang des Technikchefs. Die Reputation des langjährigen Geschäftsführungs-Vorsitzenden Samir M. Sidgi gilt als über jeden Zweifel erhaben. Er hatte vor der Neubesetzung der zweiten Geschäftsführerstelle die SWSG einige Zeit allein geführt.
Am Stöckachplatz im Stuttgarter Osten baut die SWSG Mietwohnungen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Bei der Gesellschaft, bei der wegen ihres sozialen Auftrags bei Mieterhöhungen um Centbeträge und Zehntelprozente gerungen wird, war in der Sondersitzung auch die womöglich zu leistende Abfindung für Gieske ein Thema. Sein Vertrag lief bis Ende 2028, seine Dotierung hatte laut dem städtischen Beteiligungsbericht für 2024 genau 214.000 Euro (einschließlich Sachbezügen) erreicht. Rechnerisch, so die Befürchtung der Aufsichtsräte, könnte durch die vorzeitige Vertragsauflösung für die SWSG eine Belastung von bis zu 642.000 Euro entstehen. Fuhrmann erhielt in der Sitzung den Auftrag, ein einvernehmliches Ende zu verhandeln – und den finanziellen Schaden zu begrenzen.
Entscheidung in SWSG-Sondersitzung
In einer erneuten Sondersitzung des SWSG-Aufsichtsrates am 30. Januar 2026 wurde den Kontrolleuren eine Sprachregelung präsentiert, die die Demission nach außen begründet. „Es trifft zu, das der Technische Geschäftsführer der SWSG wegen unterschiedlichen Auffassungen zu den strategischen Zielsetzungen und zur vertriebsorganisatorischen Neuausrichtung der Gesellschaft auf eigenen Wunsch und im gegenseitigen Wohlwollen aus den Diensten der Gesellschaft ausscheidet. Herr Sidgi leitet künftig das Unternehmen als alleiniger Geschäftsführer. Eine Ausschreibung der Position des Technischen Geschäftsführers ist nicht vorgesehen“, schreibt Fuhrmann auf Anfrage. Einen Tag nach der Sondersitzung endete Giesekes Tätigkeit für die SWSG.
SWSG-Geschäftsführer betont guten Kontakt
Wolf Gieseke verweist auf Anfrage unserer Zeitung auf die ausgehandelte Stellungnahme. Auch bei der Frage nach der Abfindung solle man „den offiziellen Weg nehmen“. Seine Trennung sei einvernehmlich geschehen, mit der SWSG bleibe er „in gutem Kontakt und Austausch“. Beruflich werde man schon bald wieder von ihm hören, so Gieseke, er werde im Großraum Stuttgart tätig bleiben.
Teure Auflösung des Vertrages
Die einvernehmliche Vertragsauflösung soll die SWSG dem Vernehmen nach mehr als zwei Jahresgehälter gekostet haben. Nimmt man 2024 als Basis, entspräche das mehr als 428.000 Euro. Besprochen wurde im Aufsichtsrat bereits bei der ersten Krisensitzung auch die künftige Dotierung von Samir M. Sidgi im Fall der erneuten Alleingeschäftsführung. Dann könnte er zu den bisher 294.000 Euro 100.000 Euro mehr samt einer jährlichen Steigerungsrate erhalten, hießt es. Die SWSG-Pressestelle verweist zu Gehaltsfragen auf den Jahresbericht des Unternehmens. Der Aufsichtsrat habe zu diesem Punkt in der Sitzung keine Beschlüsse gefasst.