Tierschutz Böblinger Gemeinderat streitet über Katzenschutz

Mit der Katzenschutzverordnung soll die Population frei lebender Katzen, die oft unter Krankheiten und Hunger leiden, verringert werden. Foto: jcomp - Freepik/Punyada

Im Böblinger Verwaltungsausschuss wurde leidenschaftlich über eine neue Verordnung zum Schutz frei lebender Katzen diskutiert – und knapp entschieden.

Volontäre: Janina Link (jali)

Nach Hildrizhausen zieht nun auch Böblingen mit einer Katzenschutzverordnung nach: Der Verwaltungsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung die Einführung der Regelung beschlossen. Damit folgt die Stadt dem Appell von Landrat Roland Bernhard, der bereits Mitte vergangenen Jahres im Gemeindetag Baden-Württemberg erneut alle Kommunen im Landkreis aufgefordert hatte, eine solche Verordnung zu erlassen. 15 Gemeinden – darunter Hildrizhausen – sind dem bereits nachgekommen. Nun also auch Böblingen.

 

Kreistierheim: Seit Anfang 2024 mehr streunende Katzen

Der Beschluss fiel allerdings aus Sicht der Stadtverwaltung nicht aufgrund eines akuten Problems: Sie stellte klar, dass in Böblingen aktuell kein größerer Handlungsdruck gesehen werde. Verwahrloste Tiere träten nur vereinzelt auf. Auch Fördermittel wolle man erst dann beantragen, wenn Beschwerden aus der Bevölkerung zunähmen. Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) betonte, die Verordnung habe vor allem „präventiven Charakter“ und solle Tierschutzorganisationen rechtlich absichern.

Kerstin Froese (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte den Beschluss ausdrücklich. „Die Rechtssicherheit für Tierschutzorganisationen, die bisher in einem Graubereich agierten, ist ein großer Fortschritt. Und Prävention ist wichtig, falls das Problem größer wird.“ Die Grünen können sich dabei wohl durch aktuelle Entwicklungen bestätigt sehen: Erst kürzlich hatte das Böblinger Kreistierheim Alarm geschlagen. Seit Anfang 2024 sei ein deutlicher Anstieg streunender Katzen zu beobachten, so der stellvertretende Vorstand der Kommunalanstalt, Wolf Eisenmann, gegenüber unserer Zeitung.

„Der vernünftige Mensch schaut nach seiner Katze“

Die Tiere seien oft krank und in schlechtem Zustand. „Sie fressen alles, was sie finden können, um am Leben zu bleiben“, schilderte Eisenmann. Er forderte bereits früher eine konsequente Regelung: „Eine Katzenschutzverordnung, bei der Katzenbesitzer verpflichtet werden, ihre Freigänger-Katze zu kastrieren und zu registrieren, ist die einzige Möglichkeit, die Population der frei lebenden Katzen zu reduzieren und das damit verbundene Tierleid zu minimieren.“

Doch nicht alle im Ausschuss waren überzeugt. Thomas Heikel (CDU), nach eigener Aussage selbst Tierliebhaber, stellte infrage, ob es überhaupt ein Problem gebe. Er berichtete, er lebe auf einem Bauernhof am Waldrand, sei täglich mehrfach draußen unterwegs – und habe noch nie streunende oder verwilderte Katzen gesehen. Auch die Kreisjägervereinigung sehe keinen Handlungsbedarf. „Der vernünftige Mensch schaut nach seiner Katze, damit er nicht zehn Babys herumspringen hat“, so Heikel. Er sehe keinen Anlass, mit einer Verordnung in den Tierschutz einzugreifen – und noch mehr Bürokratie zu schaffen.

Lukas Häberle (SPD/Linke) hielt dem entgegen, dass es nicht darum gehe, flächendeckend Katzenbesitzer zu kontrollieren, sondern um eine rechtliche Grundlage, um im Bedarfsfall handeln zu können. Auch er sehe das Problem nicht täglich auf der Straße – „aber meine Eltern haben Jungkatzen aus Böblingen aufgenommen, die sonst ertränkt worden wären. Und das ist kein Einzelfall. Das passiert öfters.“ Wenn es eine Möglichkeit gebe, Tierleid zu verhindern, sei das ein richtiger Schritt. „Da kann doch niemand ernsthaft dagegen sein.“

Trotz einiger Bedenken stimmte eine Mehrheit im Ausschuss für die Verordnung – acht dafür, fünf dagegen. Damit ist Böblingen die 16. Kommune im Landkreis, die sich für den Schutz frei lebender Katzen einsetzt.

Weitere Themen