Bernd Bachofer packt sein Menü an Weihnachten in einen Pappkarton. Darin stecken fünf Gänge, kleine Geschenke und sogar eine Playlist mit Musik zur Feier. Foto: Bachofers
Die Kochbox hat auch nach der Corona-Pandemie noch viele Fans: Der Waiblinger Sternekoch Bernd Bachofer packt hunderte davon. In der Speisekammer West gibt es das Menü zum Mitnehmen in Weckgläser und im Möhringer Hexle Gans to go.
Vor Heilig Abend ist in Bernd Bachofers Waiblinger Restaurant Fließbandarbeit angesagt. Der Sternekoch und sein Team packen dann höchst konzentriert 220 Boxen mit den Zutaten für fünf Gänge. „Die Nachfrage ist irre“, sagt er. Innerhalb von drei Tagen verkaufte er mehr als die Hälfte seiner Weihnachtsmenüs zum Mitnehmen. Im Corona-Lockdown hatte er als einer der ersten die Kochbox eingeführt und nach einer Pause wieder aufgelegt. Auch sein Schorndorfer Kollege Nico Burkhardt und die Maerz-Brüder in Bietigheim-Bissingen bieten Haute Cuisine in der Kochbox an. In der Stuttgarter Speisekammer West gibt es ein bio-zertifiziertes Menü im Weckglas, beim Rotenberger Weingärtle vier gut-bürgerliche Gänge. Außerdem sind Metzgereien wie Weller im Westen oder Eisenmann in Bad Cannstatt in das Geschäft eingestiegen. Und die Gans to go ist in einigen Lokalen wie im Möhringer Hexle zur Tradition geworden.
Dorit Münzer-Bock packt ihr Weihnachtsmenü zum Mitnehmen in Weckgläser, die die Kundschaft ins Restaurant zurückbringen kann. Foto: Max Kovalenko
Bernd Bachofers Lokal wird an den zwei Tagen vor Weihnachten zur Packstation: In zwei Reihen werden die Pappkartons auf die zusammengeschobenen Tische gestellt und systematisch befüllt. „Der Aufwand ist größer, als das Restaurant voll zu haben“, sagt der 55-Jährige über seine Aktion. In seiner Kochbox stecken unter anderem Mousse und Tatar von der Forelle, ein Ramen-Süppchen mit Wachtelei, Zanderfilet mit Schaum vom schwarzen Rettich, Ente in Thymianjus mit Apfel-Brioche-Soufflé, Cassis-Rotkohl, Kohlröschen und eingelegtem Muskatkürbis und eine Schwarzwälder-Kirsch „X-mas Edition“. Fünf Gänge kosten 98 Euro pro Person. „Das Schlimmste ist, wenn etwas in der Kiste fehlt“, sagt Bernd Bachofer. Deshalb gibt es eine Hotline und zur Not einen Lieferservice. Eine „liebevolle Beschreibung“ erklärt im Detail, wie die Gerichte mit „ein paar wenigen Handgriffen“ fertig zubereitet werden. Die Kundschaft erhält sogar eine passende Playlist mit Musik für den Abend.
Die Kochbox vom Sternekoch ist kein Hexenwerk
Nico Burkhardt packt in seine Weihnachtsbox Velouté vom Blumenkohl mit konfiertem Saibling, Entenbrust mit Orangenjus und Opéra au Chocolat. Für drei Gänge verlangt er 69 Euro, für vier zehn Euro mehr. Eine vegetarische Version und Gans hat er noch im Programm. „Ein Abend mit unserem Menü ist sehr kurzweilig“, erklärt seine Frau Bianca die Wiederkehr des Menüpakets. Die Zubereitung mache viel Spaß und sei „kein Hexenwerk“. Fürs Home Cooking betreiben Benjamin und Christian Maerz mittlerweile ganzjährig einen Online-Shop. Das Weihnachtsmenü des Sternekochs ist für 189 Euro zu haben – mit Forellen-Sashimi, Pastinakensuppe mit Trüffel, Rinderfilet mit Wirsing und Maultäschle vom Ochsenschwanz oder Fisch mit Hummer-Maultäschle sowie einem Schoko-Dessert. Für Silvester bietet er wie Nico Burkhardt und Fabian Heldmann vom Zauberlehrling eine weitere Option für 199 Euro mit Currywurst als Mitternachtsnack.
Bei Dorit Münzer-Bock ließen die Stammgäste auch nicht locker, bis sie ihr Weihnachtsmenü im Weckglas wieder auflegte. Pilzconsommée mit Grießklößchen, Rindsroulade mit Rotkraut, Quittenchutney und Spätzle oder eine vegetarische Rotkrautroulade mit Maronenpüree sowie ein Nougatmousse füllt sie diesen Dezember in ihre Pfandgläser. Die drei Gänge mit Fleisch kosten 62 Euro, ohne Fleisch 52 Euro. „Viele haben einfach keine Lust, selbst zu kochen“, sagt die Wirtin. Eine Bestellung umfasst gleich acht Portionen. Fertig zur Abholung ist das Menü am 23. Dezember. Im Rotenberger Weingärtle gibt es Hühnersuppe, Rinderbraten und Lebkuchen-Panna cotta für 55 Euro oder mit Gans für 59 Euro to go. Bei der Feinkosterei Weller sind Weihnachtsboxen mit Gans oder Rind für 39,90 Euro für zwei Personen zu bekommen, vegetarisch oder mit Wild ist günstiger. Die Metzgerei Eisenmann verlangt für vier Portionen und drei Gänge mit Rinderfilet als Hauptspeise 83 Euro, vier Mal Sauerbraten und Vanillemousse kosten 50 Euro.
Mit Gans to go weniger Stress an Weihnachten
„An Weihnachten sollte man sich keinen Stress machen“, findet Konstantin Kraft vom Restaurant Hexle in Möhringen. Bis 26. Dezember hat er die ganze Gans zum Abholen auf der Speisekarte. Mit Apfel-Zimt-Rotkraut und Kartoffelklößen, Preiselbeerbirne und Jus für vier Personen müssen 149 Euro bezahlt werden. Auch die halbe Portion kann bestellt werden. Gänsebraten gibt es in mehreren Stuttgarter Restaurants. Im Maritim Hotel kann das klassische Festtagsgericht beispielsweise für 146 Euro per Mausklick bestellt werden – entweder heiß zum sofort essen oder im Bräter zum Erhitzen im heimischen Ofen mit Maronen und Apfelrotkohl, Klößen und Soße. Wie bei Bernd Bachofer läuft auch im Möhringer Hexle die Produktion für Weihnachten auf Hochtouren: Bis zu 300 Gänse aus ungarischer Freilandhaltung bereitet das Küchenteam zu. „In 20 Minuten bekommt man ein tolles Essen auf den Tisch und hat mehr Zeit für die Familie und die Gäste“, erklärt Konstantin Kraft den Erfolg des to-go-Konzepts.