Vereinspolitik beim VfB Stuttgart Finanzielle Verfehlungen verursachen großen Ärger beim VfB

Unter dem roten Clubdach beim VfB Stuttgart gibt es Ärger. Foto: Baumann

Die Vereinsgremien sowie die Schiedsrichterabteilung des Fußball-Bundesligisten beschäftigen sich mit Geld, das nicht richtig verbucht und korrekt abgerechnet wurde. Auch die Staatsanwaltschaft ist involviert.

Sport: Carlos Ubina (cu)

In der Schiedsrichterabteilung des VfB Stuttgart rumort es gewaltig. Hintergrund sind vor allem finanzielle Verfehlungen, die kürzlich bei der Staatsanwaltschaft in Stuttgart zur Anzeige gebracht wurden. Im Zentrum der Vorwürfe steht Kai Engler, der mittlerweile als Abteilungsleiter zurückgetreten ist, aber noch dem Vereinsbeirat des Fußball-Bundesligisten angehört. Für viele Beteiligte ein großes Ärgernis. Nun sollen die Mitglieder aus der Schiedsrichterabteilung an diesem Donnerstag über die aktuellen Entwicklungen informiert werden.

 

Die Staatsanwaltschaft hat den Eingang des entsprechenden Vorgangs gegenüber unserer Redaktion bestätigt. Die Anzeige ist Ende September gestellt worden. Englers Name wird dabei vom zuständigen Staatsanwalt weder genannt noch bestätigt. Insgesamt geht es um eine Schadenssumme zwischen 5000 und 6000 Euro. Auf Anfrage heißt es: „In der Sache ergaben sich aus der anonymen Anzeige keine ausreichenden Hinweise für die Begehung von Straftaten, welche strafprozessuale Ermittlungen gerechtfertigt hätten. Daher wurde mit Verfügung vom 7.10.2024 davon abgesehen, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.“

Um diese Summe geht es

Dennoch kommen Vereinsbeirat und Schiedsrichterabteilung nicht zur Ruhe, da Englers Fehlverhalten offenbar unstrittig ist. Er soll nach der Tombola auf der Jubiläumsfeier (100 Jahre VfB-Schiedsrichterabteilung) im vergangenen November die eingenommenen 3000 Euro nicht auf dem Vereinskonto verbucht haben, trotz mehrmaliger Aufforderung. Das Geld soll „zuhause in einer Schublade“ gelandet sein, wie in der Anzeige formuliert wird. Engler hat auf mehrere Anfragen unserer Redaktion nicht reagiert, um sich zum Sachverhalt zu äußern. In seinem Rücktrittsschreiben vom 30. August heißt es diesbezüglich aber: „Zum anderen gab es interne Vorwürfe aus der Abteilung, dass Gelder der Abteilung nicht ordentlich verwaltet oder verbucht wurden.“

Außerdem gibt es weitere Kritik von außen. Schiedsrichter hatten sich beim VfB und dem Württembergischen Fußball-Verband (WFV) anonym darüber beschwert, dass die Vergabe der sogenannten Schiedsrichtertickets nicht sauber laufe. Den Unparteiischen des WFV stehen – laut der Spielordnung des Deutschen Fußball-Bundes - etwa 300 Freikarten zur Verfügung. Für die Vergabe ist dann im Grunde der jeweilige Landesverband zuständig. Der WFV gibt die Freikarten an der sogenannten Schiedsrichterkasse am Stadion aus. In der Praxis werden jedoch etwa 40 Tickets für die VfB-Schiedsrichter zurückgehalten. Über beide Wege soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein.

In der Anzeige taucht dieser Punkt jedoch nicht auf, allerdings erwähnt Engler den Vorwurf in seiner Erklärung selbst und auch der VfB hat reagiert. Die Vergabe der Freikarten wird neu geregelt. Zu den finanziellen Ungereimtheiten zählen noch die Abrechnungen von Theaterkarten, die im Zuge von Abteilungsausflügen nicht korrekt erfolgt sein soll. Dabei handelt es sich um einen Betrag zwischen 2000 und 3000 Euro.

Der VfB hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe diese selbst geprüft. Ergebnis: Es gibt finanzielle Verfehlungen, die zu Lasten des Vereins gehen. „Das Präsidium hat sich mit Kenntnisnahme umgehend der Thematik in der Schiedsrichterabteilung und insbesondere seiner Leitung angenommen. Dabei hat das Präsidium unverzüglich den Sachverhalt, soweit das möglich war, aufgeklärt und auch Kai Engler nahegelegt von seinen Ämtern zurückzutreten. Infolgedessen hat er dem Präsidium und den Mitgliedern gegenüber auch seinen Rücktritt als Abteilungsleiter erklärt. In einer zeitnahen Informationsveranstaltung, zu der bereits geladen ist, werden die Abteilungsmitglieder informiert und das weitere Vorgehen thematisiert“, erklärt das VfB-Präsidium, vertreten durch Präsident Dietmar Allgaier und Andreas Grupp. Engler schreibt zu seinem Rücktritt: „Nach langen und intensiven Gesprächen mit dem Präsidium“ habe er sich entschlossen, sein Amt mit sofortiger Wirkung niederzulegen. Den von ihm bestimmten Abteilungsausschuss habe er zudem abgesetzt.

Was macht der kritisierte Kai Engler?

Mittlerweile ist das Geld wieder beim VfB und seit Englers Rückzug wird die Abteilung übergangsweise von Andreas Grupp geführt, dem erst Ende Juli gewählten Präsidiumsmitglied des VfB. Auf der Versammlung an diesem Donnerstag sollen nun die VfB-Schiedsrichter auf den aktuellen Informationsstand gebracht werden. Es soll auch eine Aussprache erfolgen. Neuwahlen sind für einen späteren Zeitpunkt anberaumt.

Unabhängig davon sitzt Engler aber weiter im Vereinsbeirat des VfB. In das Gremium wurde er 2021 gewählt. Bisher war Engler nicht bereit, zurückzutreten – obwohl ihm der Vereinsbeirat mehrfach mitgeteilt hat, genau dies zu tun, um weiteren Schaden vom VfB abzuwenden. „Das Ehrenamt des Vereinsbeirats erfordert eine hohe Integrität und wird durch die Mitgliederversammlung per Wahl vergeben. Das Beachten und Einhalten der Compliance ist für Gremienmitglieder unabdingbar. Satzungsgemäß kann das Amt innerhalb der Amtszeit nur durch Abwahl oder Rücktritt beendet werden, worüber der Amtsinhaber im Falle des Rücktritts selbst entscheidet. Der Vereinsbeirat und die Vorsitzenden haben sich selbstverständlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten eingesetzt, um Schaden vom Verein abzuhalten“, betonen Rainer Weninger und André Bühler, Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Gremiums.

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