Bisher existieren vom verkehrsberuhigten Arnulf-Klett-Platz lediglich unverbindliche Visualisierungen Foto: Landeshauptstadt Stuttgart
Mitte Juni kommenden Jahres soll ein Wettbewerb zur künftigen Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes entschieden sein. Im Rathaus will man dessen Entwicklung von Stuttgart 21 entkoppeln.
Der Arnulf-Klett-Platz und die benachbarte Schillerstraße geben ein trauriges Bild ab. Maßgeblich ist das Areal von Großbaustellen geprägt. Zuallererst sind da Stuttgart 21 und der Umbau des Bonatzbaus zu nennen. Zu den beiden Großprojekten gesellt sich nun auch noch der Umbau der Königstraße 1 bis 3 und die Sanierung des Hotels am Schlossgarten hinzu. Akute Besserung ist nicht in Sicht.
Was möglich wäre an dieser Schnittstelle zwischen der heutigen Innenstadt, den Schlossgartenanlagen und den geplanten Quartieren auf den heutigen Gleisflächen, soll ein städtebaulicher und freiraumplanerischer Wettbewerb zeigen, den die Stadt nach der Sommerpause ausloben will. Das Ergebnis soll Mitte Juni 2027 vorliegen.
Klar sind die Rahmenbedingungen, unter denen geplant wird. Der Platz soll oberirdisch zu queren sein, die Verkehrsfläche soll weniger werden und über den Platz nur noch Busse und Taxis rollen. Bisher galt als gesetzt, dass diese Verkehrsberuhigung erst stattfinden kann, wenn die weiter nördlich verlaufende Spange aus Cannstatter und Wolframstraße ausgebaut ist, was wiederum den Abriss der dortigen Bahnbrücken voraussetzt – und damit die vollständige Inbetriebnahme von Stuttgart 21. Da das wohl nicht mehr in diesem Jahrzehnt der Fall sein wird, zeichnet sich ein Umdenken im Gemeinderat ab. Man will das Junktim auflösen und beim Arnulf-Klett-Platz Fakten schaffen. „Der Platz muss fertig sein, wenn Stuttgart 21 fertig ist“, sagte am Dienstag Stadträtin Lucia Schanbacher (SPD) im zuständigen Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderates.
Die Verkehrsflächen auf dem Arnulf-Klett-Platz und der Schillerstraße sollen schrumpfen. Foto: Lange
Björn Peterhoff (Grüne) konstatierte, dass man mit dem Wettbewerb spät dran sei. „Wir müssen so schnell wie möglich vorankommen“. Michael Schrade (Freie Wähler) warnte davor, die Verkehrsflächen vor dem Hauptbahnhof zu beschneiden, ehe Alternativen geschaffen sind. Alexander Kotz (CDU) sprach davon, dass er sich „auf diesen spannenden Wettbewerb“ freue. Der wird Aufschluss darüber geben, wie der Platz einmal aussehen könnte. Das darunter, die Klett-Passage, liegt nur indirekt in der Hand des Rathauses.
Das mittlerweile 50 Jahre alte Zugangsbauwerk zur S- und zur Stadtbahn, gehört zum Hoheitsgebiet der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Gleichwohl machen sich die Rathaus-Planer Gedanken, was aus dem unterirdischen Bauwerk werden könne, wenn der dortige Einzelhandel weiter auf dem Rückzug bleibe und sich die Verkehrsströme durch den neuen Zugang zum Bahnhof veränderten. Die beiden Stadtplaner Robin Renner und Rainer Wallisch präsentierten den Räten Entwürfe für eine Fahrradgarage, die bis zu 1000 Zweiräder aufnehmen können soll. Mit Blick auf die temporären Radgaragen auf dem Arnulf-Klett-Platz, die auch nach sechs Jahren nie zu mehr als 40 Prozent belegt seien, riet Alexander Kotz das unterirdische Parkhaus in Abschnitten zu planen und den Einzelhandel in der Passage nicht vorschnell aufzugeben.