VfB Stuttgart gegen TSG Hoffenheim Ganz später Ausgleich – warum sich der VfB lange so schwer tat

Umkämpfte Partie: Stuttgarts Chris Führich (rechts) gegen Hoffenheims Arthur Chaves. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Die Stuttgarter belohnen sich am Ende doch noch für ihre Drangphase, haben aber große Mühe gegen die TSG Hoffenheim. Weshalb? Unsere Analyse der Partie.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Alle Augen waren auf Ermedin Demirovic gerichtet: neunte Minute der Nachspielzeit, Elfmeter, die letzte und größtmögliche Chance auf den Ausgleich. Die vergab der Stürmer des VfB Stuttgart zwar im ersten Versuch, überwand aber im Nachschuss Hoffenheims Torhüter Oliver Baumann und traf zum umjubelten 1:1. „Ich habe natürlich ein bisschen Glück, dass der Ball so zurückkommt und kann ihn dann reinmachen“, sagte Demirovic, „am Ende fühlt es sich doch wie ein Sieg an nach dem ganzen Aufwand.“ Sein Treffer war der späte Lohn für eine Schlussphase, in der die Stuttgarter angerannt waren – allerdings lange ohne die großen Torchancen.

 

Die hatte es dagegen ganz zu Beginn der Partie gegeben – je eine auf jeder Seite. Zunächst für die Hoffenheimer, als Adam Hlozek nach einem Stellungsfehler von VfB-Verteidiger Jeff Chabot frei vor dem Tor auftauchte, Maximilian Mittelstädt seinen Schuss aber noch von der Linie kratzte (4.). Dann sorgte VfB-Kapitän Atakan Karazor mit einem Kopfball für Gefahr, den Valentin Gendrey wiederum vor der Linie klärte (8).

Danach? War viel Taktik im Spiel, wobei sich der VfB im veränderten System mit einer Dreierkette schwer tat, Torgefahr zu entwickeln und die Spitzen zu finden. Deniz Undav fehlte anfangs ebenso die Bindung zum Angriffsspiel wie El Bilal Touré, der sein Startelf-Debüt für die Stuttgarter gab. Auch im Eins-gegen-eins hatte das Team von Sebastian Hoeneß gegen aggressive Kraichgauer um Ex-VfB-Coach Pellegrino Matarazzo Mühe – einzig Jamie Leweling gewann mehrmals seine direkten Duelle auf rechts, fand im Zentrum aber nicht immer den Mitspieler. Die Folge: Die ganz große Durchschlagskraft fehlte, am nächsten kamen die Stuttgarter dem Tor der Gäste noch durch zwei Mittelstädt-Distanzschüsse (33./35.).

Schlussphase erinnert an die Partie gegen Sparta Prag

Just als der VfB infolge einer Umstellung – Touré wich vom Sturmzentrum öfter auf die linke Seite aus – das Spiel besser kontrollierte, folgte die kalte Dusche kurz vor der Pause durch einen individuellen Patzer: Mittelstädt brachte einen eher harmlosen Steilpass von Andrej Kramaric nicht unter Kontrolle, sodass Gendrey auf das leere Tor zulief und zur Hoffenheimer Führung traf (45.). Hoeneß reagierte prompt. Zum einen mit einer Umstellung auf das zuletzt gewohnte System mit einer Viererkette, zum anderen mit einer offensiveren Ausrichtung – unter anderem kam zur zweiten Hälfte Flügeldribbler Chris Führich für Karazor ins Spiel, für den wiederum Millot ins zentrale Mittelfeld zurück rückte. An der Chancenarmut ändert das zunächst wenig, der Abschluss von Touré nach einem Konter aus spitzem Winkel (61.) stellte TSG-Torhüter Baumann vor keine große Herausforderung.

In der Schlussphase erinnerte dann vieles an das Spiel in der Champions League unter der Woche gegen Sparta Prag (1:1): Wieder hatte der VfB viel Ballbesitz, wieder hatte er Schwierigkeiten im Herausspielen der ganz großen Torgelegenheiten und leistete sich einige Ungenauigkeiten im vorderen Drittel. Deniz Undav kam noch zu zwei Gelegenheiten, als er aus der Drehung über das Tor schoss (81.) und dann nach einer Volleyabnahme keinen Druck hinter den Ball brachte (83.). „Hoffenheim hat es gut gemacht, wir sind nicht richtig ins Spiel gekommen“, sagte Demirovic. Als alles auf die erste Heimniederlage in der Bundesliga seit fast einem Jahr – übrigens damals auch gegen die Hoffenheimer – hindeutete, erzwang der VfB doch noch den Ausgleich: Einen Schuss von Undav blockte Hoffenheims Kevin Akpoguma mit seinem weit nach oben ausgestreckten Arm, woraufhin Schiedsrichter Harm Osmers nach Ansicht der Videobilder auf Handelfmeter entschied – und Demirovic im zweiten Versuch traf. „Wir haben unsere Angriffe nicht konsequent zu Ende gespielt, aber dann musst du es erzwingen“, sagte VfB-Torhüter Alexander Nübel. Das habe man letztlich getan.

Nächste Partie beim FC Bayern

Auch der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth war nach Abpfiff zwiegespalten. Einerseits sei der späte Ausgleich ob der Drangphase „hochverdient“ gewesen. Andererseits habe es auch Phasen gegeben, „die nicht zufriedenstellend sind. Wir waren zu lange nicht zwingend.“ Weiter geht es nach der Länderspielpause mit einem anspruchsvollen Auswärts-Doppelpack: erst in der Bundesliga am 19. Oktober beim FC Bayern, dann in der Königsklasse bei Juventus Turin. Das Thema Durchschlagskraft dürfte den VfB bis dahin weiter beschäftigen.

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