VfB Stuttgart gegen VfL Wolfsburg Wie der VfB die Wölfe schwindelig spielt
Die Elf von Sebastian Hoeneß gewinnt mit 4:0 und untermauert ihre Ambitionen auf einen Champions-League-Rang. Dabei glänzt vor allem die Offensive.
Die Elf von Sebastian Hoeneß gewinnt mit 4:0 und untermauert ihre Ambitionen auf einen Champions-League-Rang. Dabei glänzt vor allem die Offensive.
Noch einmal lief der Ball. Schnell und präzise. Von Angelo Stiller zu Atakan Karazor, der Tiago Tomas schickte. Noch ein Pass in die Tiefe – und Nikolas Nartey traf zum 4:0-Endstand in der Nachspielzeit. Leicht sah das aus, was der VfB Stuttgart an diesem Sonntagnachmittag bot. Beste Fußballunterhaltung. Mit Spielwitz und schönen Kombinationen, mit Tempo und sehenswerten Toren. Vor allem im ersten Abschnitt wurde der VfL Wolfsburg auseinandergenommen, was die Treffer von Doppeltorschütze Jamie Leweling (30./42.) und Deniz Undav (21.) belegen.
Der VfB ließ im Prinzip von der ersten Spielsekunde an keinen Zweifel daran, dass er der Herr in der MHP-Arena ist. Die Stuttgarter haben nun 29 von 36 möglichen Punkten im eigenen Stadion geholt und im Rennen um die Champions-League-Ränge in der Fußball-Bundesliga ihre Ambitionen untermauert. Mit dem Tabellenvierten ist zu rechnen. „Wir haben nach der Niederlage gegen Celtic Glasgow eine gute Reaktion gezeigt“, sagte Undav, „wir haben den Wolfsburgern keine wirkliche Chance gelassen und haben viel Offensivpower ins Spiel gebracht.“
Der VfB-Trainer Sebastian Hoeneß veränderte seine Elf gegenüber dem 0:1 gegen Celtic am vergangenen Donnerstag auf fünf Positionen. Josha Vagnoman, Maximilian Mittelstädt, Chema, Badredine Bouanani und Tiago Tomas waren draußen. Jeff Chabot (Rückenbeschwerden) fiel wie Vagnoman (Oberschenkelprobleme) komplett aus. Innen- wie Außenverteidiger saßen in lässiger Zivilkleidung neben der Trainerbank.
Hoeneß setzte – wie so oft in dieser Saison – auf frische Kräfte und gegen die Wolfsburger wieder auf mehr Offensivqualität. Neben Ramon Hendriks (Abwehr) und Angelo Stiller (Mittelfeld) rückten Chris Führich, Bilal El Khannouss und Ermedin Demirovic in die Anfangsformation.
Ein Trio, um das die Stuttgarter von der Konkurrenz beneidet werden, weil es im Zusammenspiel mit Undav für Tore steht. Und nach vorne ging es gleich gut los. Die Gastgeber machten Druck, und für Atakan Karazor ergab sich umgehend eine Möglichkeit (2.). Allerdings zählt der Kapitän nicht der schussstärksten Profis im Kader.
Die Stuttgarter blieben jedoch dran. Links dribbelte Führich, rechts sprintete Leweling. Beide suchten auch den Abschluss wie Führich, der Kamil Grabara prüfte (15.). Chancenlos war der VfL-Schlussmann jedoch beim 1:0 durch Undav. Ein Jubiläumstreffer, weil es das 50. Undav-Tor für den VfB war – und eine verdiente Führung, die aus der Spielfreude entsprang und auf einer neu sortierten Defensive fußte.
Hoeneß bot eine Dreierabwehrkette auf. Luca Jaquez übernahm für Chabot den Mittelpart, flankiert von Ramon Hendriks und Finn Jeltsch. Gute Arbeit wurde da geleistet. Mit der Ausnahme der Ausrutscher von Jaquez und Hendriks, die erst Lovro Majer (42.) und dann Kento Shiogai (58.) unverhoffte Chancen eröffneten.
Gewirbelt wurde beim VfB aber nach vorne. So schnell ging das vor dem 2:0, dass die Gäste aus Niedersachsen nicht mehr hinterherkamen. Demirovic, Undav, Führich – und am Ende der Kombination hatte Leweling keine Mühe, seinen sechsten Ligatreffer in dieser Saison zu erzielen (30.). Ebenso sehenswert, aber auf individueller Qualität basierend war sein nächstes Tor: im Dropkick mit dem linken Fuß, der leicht abgefälscht ins Netz rauschte (42.).
Klar, nach der Pause nahm der VfB das Tempo etwas heraus. Dennoch behielt die Hoeneß-Elf die Kontrolle über eine Begegnung, die fast schon einen Klassenunterschied offenbarte. Die Wolfsburger sind in diesem Jahr noch sieglos und haben bereits 53 Gegentore in der laufenden Spielrunde hinnehmen müssen. Die Stuttgarter haben hingegen von den vergangenen elf Ligapartien nur eine verloren. Und sie haben mit 48 Toren die viertmeisten erzielt.
Gegen den Tabellenvorletzten lief dann nur Demirovic einem persönlichen Erfolgserlebnis hinterher. Der VfB-Stürmer wollte unbedingt noch sein Torkonto erhöhen. Er war auch in einigen Szenen knapp davor. Wie beim Schuss des Bosniers, den Grabara abwehrte (83.). Bei allem Engagement klappte es jedoch nicht mehr. Das war zu verschmerzen – und am Samstag kann Demirovic in Mainz den nächsten Anlauf unternehmen.