VfB Stuttgart im DFB-Pokal Der VfB-Faktor in der Hauptstadt – eine spezielle Spurensuche in Berlin

Die heutige sportliche Führung des VfB mit dem ehemaligen Sportvorstand Horst Heldt im Stadion von Union Berlin (o. li.). Die Band „Die Fraktion“ (o. re.), der heutige VfB-Coach Sebastian Hoeneß und Maximilian Mittelstädt im Hertha-Trikot (u. li. und re.). Foto: IMAGO, Pressefoto Baumann

Von Berlin nach Stuttgart – oder andersherum. Rund um den VfB Stuttgart gibt es zahlreiche Verbindungen in die Hauptstadt. Eine Spurensuche vor dem Finale im Olympiastadion.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Der Abend des 24. Mai soll am Ende ein Aufbruch sein. In eine Partynacht in der Hauptstadt. Und in eine weitere Europatour in der nächsten Saison. Der VfB Stuttgart kann am Samstag (20 Uhr/ZDF) im Berliner Olympiastadion im Finale gegen Arminia Bielefeld den DFB-Pokal gewinnen – und damit auch die Qualifikation für die Europa League klarmachen. Aufbruch also. Aber: Die Reise nach Berlin ist für einige im Stuttgarter Team auch eine Rückkehr. Beim VfB jedenfalls gibt es einige Verbindungen zur Hauptstadt. Oft, aber nicht immer liegen sie in der Vergangenheit. Eine Spurensuche.

 

Die Führung

Kürzlich, als der VfB zu Gast beim 1. FC Union Berlin war, wurde Fabian Wohlgemuth eine Ehre zuteil. Der heutige Sportvorstand wurde als ehemaliger Spieler der Eisernen begrüßt, die Fans riefen ihm ein „Fußballgott“ entgegen. Wohlgemuth ist in Berlin geboren, Union ist sein Heimatverein, er spielte darüber hinaus noch bei vier weiteren Clubs in der Hauptstadt (BFC Dynamo, SV Croatia Berlin, SV Lichtenberg, TeBe Berlin), ehe er seine Laufbahn verletzungsbedingt früh beenden musste. Jüngst erinnerte er sich daran, als A-Jugendlicher sogar einmal im Olympiastadion gegen Hertha BSC aufgelaufen zu sein. „Ich freue mich“, sagt Wohlgemuth, „grundsätzlich immer auf Berlin.“ Eine etwas weniger tief gehende Verbindung hat auch der VfB-Sportdirektor Christian Gentner zum 1. FC Union Berlin. Er spielte von 2019 bis 2021 für die Köpenicker. Zuvor war er mit dem VfB in der Relegation an Union gescheitert.

Das Trainerteam

Hätte Sebastian Hoeneß nicht auch eine Stuttgarter und eine Münchner Vergangenheit – man könnte beim Trainerteam des VfB Stuttgart fast schon von einer Berlin-Connection sprechen. Die Hoeneß-Assistenten Malik Fathi und David Krecidlo sind gebürtige Berliner. Beide begannen ihre fußballerische Laufbahn bei Hertha Zehlendorf – wo später Hoeneß als Jugendtrainer arbeitete. Fathi kam nach einer Zwischenstation bei TeBe Berlin zu Hertha BSC, wurde dort Bundesliga-Profi und Nationalspieler, ehe er zu Spartak Moskau wechselte. Zu Beginn seiner Trainerkarriere kehrte Fathi zur Alten Dame zurück und arbeitete im Nachwuchsbereich. Krecidlo ging als Spieler von Zehlendorf aus direkt zur Hertha und spielte dort für die zweite Mannschaft.

Sebastian Hoeneß ist in München geboren – dort spielte zu dieser Zeit sein Vater Dieter. Da dieser dann als Manager zum VfB ging, spielte Sebastian Hoeneß in der Jugend des VfB. Später war Dieter Hoeneß Manager bei Hertha BSC – und Sebastian kickte bei der zweiten Mannschaft des Hauptstadtclubs. Dort traf er erstmals auf seinen späteren Vertrauten David Krecidlo. Von 2011 bis 2013 coachten die beiden dann die U 19 von Hertha Zehlendorf. Von 2015 an arbeiteten die beiden dann jeweils beim Nachwuchs von RB Leipzig und des FC Bayern zusammen. Zwei Jahre trainierten sie die TSG Hoffenheim in der Bundesliga, seit April 2023 ist das Duo beim VfB.

Der heutige VfB-Co-Trainer David Krecidlo (li.) im Hertha-Trikot. Foto: imago

Die Spieler

Maximilian Mittelstädt schossen plötzlich die Tränen in die Augen – als nach dem gewonnen Halbfinale gegen RB Leipzig der Finaleinzug festgestanden hatte. Nun erfüllt sich ein Kindheitstraum des Linksverteidigers, der sagt: „Es war immer ein Traum, im Olympiastadion das Pokalfinale zu spielen.“ Eigentlich verfolgte er diesen Traum mit Hertha BSC, seinem Heimatverein. Nach dem Abstieg 2023 wechselte er aber zum VfB Stuttgart, wurde Vizemeister und Nationalspieler. Nun will er vor Freunden und Familienmitgliedern auch noch Pokalsieger werden. Zahlreichen Personen aus seinem Umfeld hat er Karten besorgt – aber: das Kontingent reichte bei weitem nicht. „Ich musste auch Absagen erteilen“, sagt er. Ebenfalls in Berlin geboren wurde Ersatzkeeper Fabian Bredlow, der in der Hauptstadt für den BFC Preußen, den Lichtenrader BC und Hertha Zehlendorf spielte. Seit 2019 steht der Torhüter beim VfB unter Vertrag.

Die Fans

In der Hauptstadt gibt es fünf offizielle Fanclubs des VfB Stuttgart: Die „Rheinmissionare“, den „Berliner Brustring 1893“, die „Cannstatter Halunken Berlin“, den Fanclub „Bundestag“ sowie die „Cannstatter Kurve Berlin“, die auch das „Rössle“ in Neukölln betreibt und jüngst wieder eine Schifffahrt auf der Spree zum Auswärtsspiel beim 1. FC Union Berlin organisiert hat. 240 Mitglieder zählt die „CKB“ mittlerweile, 2008 wurde der Fanclub gegründet – von Schwaben, die es beruflich oder familiär in die Hauptstadt verschlagen hat. Gründungstag war damals übrigens der 7. November (07. 11.) in Anlehnung an die Stuttgarter Telefonvorwahl (0711), das Rössle öffnete zwei Tage später seine Türen und wird von den Clubmitgliedern stets an VfB-Spieltagen betrieben.

„Bei einem Sonntagabendspiel sind vielleicht 40 bis 50 Mitglieder da“, sagt der Vereinsvorsitzende Olaf Bentlage, „bei den Relegationsspielen 2023 oder den Partien der Champions League mussten wir aber bei 120 dichtmachen.“ Wer als Nichtmitglied ins Rössle möchte, muss eine Tagesmitgliedschaft für fünf Euro abschließen – am Finalwochenende ist aber alles ein bisschen anders. Im „Rössle“ ist am Freitagabend vor dem Pokalfinale der VfB zu Gast. Gemeinsam mit dem MeinVfB-Team unserer Redaktion findet dort ein Pub-Quiz mit Fragen rund um den Brustring-Club statt. Ab 22 Uhr ist für alle geöffnet, ebenso am Samstag von 12 bis 17 Uhr und nach dem Endspiel.

Auch der VfB-Fanclub „Bundestag“ plant diverse Aktionen rund um das Finalwochenende, unter anderem eine Führung durch den Bundestag am Samstag. Rund 80 Mitglieder hat der Club, der 2013 gegründet wurde. Dabei sind aktuelle und ehemalige Bundestagsabgeordnete sowie Mitarbeitende im Bundestag. Wer einmal dabei ist, muss schon aktiv wieder austreten. „Das“, sagt Jan Tielesch, „ist bis heute aber noch nie geschehen.“ Tielesch ist Referent der CDU-Landesgruppe Baden-Württemberg im Bundestag, Vorsitzender des Fanclubs – aber auch Dauerkartenbesitzer in der Cannstatter Kurve. Er ergänzt: „Wir können zwar nicht jede Woche gemeinsam Fußball schauen. Aber wenn Sitzungswoche ist im Bundestag, dann laden wir in eine Kneipe ein oder schauen auch mal gemeinsam im Stadion den VfB.“ Prominente Mitglieder des Fanclubs sind Cem Özdemir, Steffen Bilger und Eberhard Gienger.

Die Musiker

„Die Aufregung ist auch bei uns schon sehr groß, das Herz schlägt jeden Tag schneller“, sagt Philipp Schmid. Nicht ohne Grund: Denn der Sänger ist mit der Band „Die Fraktion“ ins Rahmenprogramm am Freitag und Samstag eingebunden. Die Band spielt an unterschiedlichen Orten am Freitag und auf dem Fanfest am Samstag. Schmids Motto: „Aller guten Dinge sind drei.“ 2007 und 2013 war die Band fürs Rahmenprogramm im Olympiastadion gebucht, beide Male verlor der VfB das Finale. Die Bandmitglieder stammen allesamt aus Stuttgart, Philipp Schmid und sein Bruder Simon leben aber seit vielen Jahren in der Hauptstadt, Studio und Agenturbüro befinden sich im Stadtteil Prenzlauer Berg. „Das ist mittlerweile auch ein Stück Heimat geworden“, sagt der Sänger, der mit der „Fraktion“ seit der Saison 2006/2007 musikalisch ganz eng mit dem VfB verbunden ist.

Rapper Michi Beck (re.) bei der Meisterfeier 2007. Foto: baumann

Damals veröffentlichte die Band den Song „VfB ein Leben lang“, einige Jahre später folgte die Hymne „Für immer VfB“. Die Lieder sind seit Jahren Teil der Stadionshow in Stuttgart, immer wieder spielte die Band auch live vor einem Heimspiel, zuletzt beim Saisonfinale der vergangenen Spielzeit, als der VfB danach die Vizemeisterschaft klarmachte. Das, so Schmid, beweise: „Wir waren auch schon öfter Glücksbringer für die Mannschaft.“

Bei einer Meisterfeier hat indes auch Michi Beck gespielt. Auch der Rapper der „Fantastischen Vier“ lebt in Berlin – ist dem VfB aber ebenso emotional und musikalisch eng verbunden. Die VfB-Version des Songs „Troy“ der Fantas gehört ebenfalls zum Standardprogramm bei Heimspielen in der MHP-Arena. 2007 feierte die Band mit dem VfB auf dem Schlossplatz den Meistertitel, 2017 traten die Fantas bei der Aufstiegsparty auf.

Weitere Themen