VfB Stuttgart Rücktritt und vorzeitiger Abschied – VfB-Führungsriege in Bewegung
Beim Bundesligisten bahnen sich sowohl im Vorstand als auch im Aufsichtsrat Personalwechsel an – der Finanzchef soll gehen und auch bei Mercedes tut sich was.
Beim Bundesligisten bahnen sich sowohl im Vorstand als auch im Aufsichtsrat Personalwechsel an – der Finanzchef soll gehen und auch bei Mercedes tut sich was.
Der VfB Stuttgart zieht durchs Ländle – mit Mannschaftsbus und DFB-Pokal, mit Mitmachaktionen und Gewinnspielen. Um den Fans nah zu sein und sich als Verein zum Anfassen zu präsentieren. Zweite Station der Sommertour ist am Sonntag Schorndorf gewesen. Beste Stimmung herrschte bei heißen Temperaturen und auch Dietmar Allgaier war vor Ort. Wie so oft. Der Präsident mag es, sich unter die Menschen zu mischen. Zuvor war der Vereinschef mit seinen Mitstreitern aber an anderen Stellen gefragt. Im Hintergrund und nicht auf offener Bühne. Denn beim Fußball-Bundesligisten bahnen sich Personalwechsel an, im Vorstand und im Aufsichtsrat.
Doch Allgaier äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht. „Der Aufsichtsrat und sein Vorsitzender Präsident Dietmar Allgaier kommentieren generell keine Personalien oder andere Entscheidungen, ehe sie nicht im Gremium diskutiert, entschieden und dann verkündet sind“, ließ der Club anfangs mitteilen. Nach Informationen unserer Redaktion wird aktuell darüber verhandelt, ob der Finanzvorstand Thomas Ignatzi beim VfB früher als geplant ausscheidet. Bis Sommer 2026 ist der 60-Jährige vom Aufsichtsrat als Herr der Zahlen bestellt. Ignatzi hatte den VfB-Tanker vor allem durch die schwierige Pandemiezeit manövriert und auch danach zur Konsolidierung beitragen.
Mittlerweile hat sich die Situation aber verändert, nicht zuletzt durch die Vertragsverlängerung von Vorstandschef Alexander Wehrle bis 2030. Es wird darüber nachgedacht, den Vorstand von vier wieder auf drei Köpfe zu verkleinern. Zunächst geht es jedoch darum, eine zeitnahe Lösung mit Ignatzi zu finden, Stichwort Abfindungsmodalitäten. Er soll ein Jahr vor Ablauf des Vertrages aufhören. Eine anschließende Überlegung lautet, dass Wehrle das Finanzressort übernimmt – vollständig oder zumindest übergangsweise. Denn eine interne Beförderung ist nicht mehr möglich, da der hochgeschätzte Finanzdirektor Tobias Keller die Stuttgarter verlassen hat, um beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden als Sprecher der Geschäftsführung die Gesamtverantwortung zu übernehmen.
Die Finanzabteilung der Weiß-Roten hat also zwei schwerwiegende Abgänge zu verkraften. Dennoch sollen die Weichen an der Mercedesstraße bereits am Mittwochabend neu gestellt werden, wenn der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommt. Thema wird dann auch sein, wie es innerhalb des Kontrollgremiums weitergeht, da weitere Veränderungen anstehen. So hat Beate Beck-Deharde ihr Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Die Unternehmerin aus Frickenhausen sparte in ihrer Erklärung nicht an Kritik. Insgesamt hat sich für Beck-Deharde „eine Entwicklung vollzogen, die mit meinen unternehmerischen und persönlichen Prinzipien nicht mehr vereinbar ist“. Sie war 2022 unter der Präsidentschaft des später abgewählten Claus Vogt vom Verein in den Aufsichtsrat entsandt worden und fühlte sich mit ihren Ansichten zuletzt isoliert.
Am Abend nahm der VfB Beck-Dehardes Rücktritt an und verwahrte sich in aller Deutlichkeit gegen ihre „falschen Aussagen“. Dies betrifft vor allem den Vorwurf, die 50+1-Regel werde nicht umgesetzt. Beck-Dehardes Einlassungen seien „substanz- und haltlos“, erklärte Allgaier in einer Mitteilung.
Unabhängig von den Irritationen ist die Nachbesetzung nun aber auch hier zu diskutieren. Fest steht, dass Stefan Jung neben Allgaier und Vizepräsident Andreas Grupp als drittes gewähltes Präsidiumsmitglied neu in den Aufsichtsrat rückt. Als frische Kraft, unabhängig von den anderen Rochaden auf der Führungsetage. Und: der Mercedes-Vertreter Peter Schymon, ein weiterer Finanzexperte, wird dem Kontrollgremium der VfB AG künftig wohl ebenfalls nicht mehr angehören, da er dem Vernehmen nach den Autohersteller verlassen soll.
Daraus ergibt sich für den Anteilseigner mit dem Stern der Auftrag, einen anderen Manager (oder eine Managerin) in den Aufsichtsrat des Bundesligisten zu schicken, um die eigenen Interessen zu wahren. Es soll sich um Klaus Rehkugler handeln. Dieser gehört zwar nicht dem Vorstand des großen Nachbarn an, ist in der Hierarchieebene aber direkt darunter angesiedelt. Ein wichtiger Punkt, da die Porsche AG mit dem Produktionsvorstand Albrecht Reimold vertreten ist sowie Lutz Meschke, der beim Sportwagenhersteller nach seiner Absetzung als Finanzchef der Porsche AG eine Art Sonderstatus genießt.
Einiges klärt sich wohl bis zur Hauptversammlung der VfB AG am 1. Juli. Einfluss auf die Mercedes-Personalie hat der VfB als Hauptgesellschafter nicht. Schymons frei werdender Platz im Präsidialausschuss des Aufsichtsrates soll allerdings umgehend besetzt werden. Schließlich steht die Transferzeit bevor und die schnelle Eingreiftruppe des Kontrollgremiums wäre zum Beispiel bei Millionenverpflichtungen des Pokalsiegers gefordert, um ihr Okay zu geben.
Dabei liegt es nahe, dass der Mercedes-Mann Franz Reiner die Position im Präsidialausschuss einnimmt. Er gilt als Veteran im Aufsichtsrat, da er seit 2016 zu diesem Kreis gehört. An Erfahrung fehlt es ihm demnach nicht, wenn er sich in den nächsten Wochen mit Präsident Allgaier, dessen Vize Grupp sowie dem Porsche-Vertreter Meschke berät, um den VfB fit für die Zukunft zu machen.