Ukraines Präsident trotzt Trump Selenskyj hat der freien Welt einen Gefallen erwiesen

Der ukrainische Präsident Selenskyj (li.) widerspricht US-Präsident Trump. Foto: AFP/SAUL LOEB

Noch nie dagewesene Szenen im Oval Office offenbaren die Kluft zwischen der neuen US-Regierung und ihren europäischen Verbündeten. Der ukrainische Präsident Selenskyj hat die Chance genutzt, sich Trumps Erpressung entgegenzustellen. Und hat der freien Welt damit einen Gefallen erwiesen, meint US-Korrespondent Thomas Spang.

Drei Besuche, zwei Abfuhren und ein Eklat. Der lautstarke Streit vor laufenden Kamera im Oval Office zwischen dem Präsidenten der USA und seinem Gast aus der Ukraine illustriert wie dramatisch die Situation ist. Auf die ehemalige Führungsmacht der freien Welt ist kein Verlass mehr, wenn es um die Sicherheit der Ukraine und im weiteren Sinne Europas geht.

 

Statt dem mutigen Präsidenten des überfallenen Landes den Rücken zu stärken, outen sich Trump und Vance als Verbündete Wladimir Putins. Weil Selenskyj es wagte, auf die Brutalität und Unglaubwürdigkeit des brutalen Kriegsherren aus dem Kreml hinzuweisen, hielten sie ihm Undankbarkeit und Respektlosigkeit vor.

Die Szene ließ alle Zeugen sprachlos zurück. So etwas hatte sich im Oval Office noch nie zugetragen. Bereits im Vorfeld hatte sich bei den Besuchen der beiden wichtigsten europäischen Unterstützer neben Deutschland im Weißen Haus abgezeichnet, dass es schwer werden dürfte.

Keine Sicherheitsgarantien benötigt

Weder die Charme-Offensive des Franzosen Macron noch die von Starmer überreichte Einladung eines echten Königs hatten Trump dazu bewegt, einen wie auch immer gearteten Friedensplan für das von Russland überfallene Land militärisch abzusichern.

Dem US-Präsidenten reicht dafür „das Wort“ Putins, den er zum Opfer stilisiert. In Trumps Erzählung ist die Ukraine für den Überfall ihres Landes selbst verantwortlich. Er liefert damit ein Musterbeispiel für das, was George Orwell in 1984 als „Neusprech“ bezeichnet hatte. Die systematische Umdeutung von Sprache, die vergessen machen soll, was tatsächlich geschehen ist.

In dieser Perspektive werden keine Sicherheitsgarantien benötigt. Warum auch? Ist doch sein Freund Wladimir der eigentlich Leidtragende. Das Abnötigen des Abkommens über die Ausbeutung kostbarer Rohstoffe und seltener Erden in der Ukraine stellt Trump konsequent als Entschädigung amerikanischer Leistungen dar. Eine Art Reparation.

Selenskyj hat die Chance genutzt, sich dieser Erpressung und der Verhöhnung der wahren Opfer entgegenzustellen. Und hat der freien Welt damit einen Gefallen erwiesen. Die weiß nun endgültig, wo sie mit dieser US-Regierung dran ist.

Die Europäer dürften sich spätestens jetzt keine Illusionen machen. Friederich Merz hatte es nach seiner Wahl deutlich ausgesprochen. Es wäre töricht, unter diesen Umständen einen von Trump und Putin ausgeheckten Diktatfrieden absichern zu wollen. Denn auf dieses Amerika wird kein Verlass sein.

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