Bereits im vergangenen Jahr sind im Stuttgarter Stadtbezirk Sillenbuch mehrere Kinder im Umfeld von Schulen von Fremden angegangen worden. Jetzt gibt es zwei weitere Fälle.
Als ein achtjähriges Mädchen am vergangenen Freitagnachmittag in Stuttgart-Sillenbuch unterwegs ist, wird es von einem fremden Mann angesprochen. Der Vorfall spielt sich in der Mendelssohnstraße ab, nicht weit von der Deutsch-Französischen Grundschule entfernt, die die Drittklässlerin besucht. Gegen 16.30 Uhr tritt der Mann an das Kind heran.
Er lockt nicht wie in anderen Fällen mit der Aussicht auf süße Tiere, sondern kommt direkt zur Sache. „Er soll das Mädchen nach Name und Telefonnummer gefragt haben“, sagt Polizeisprecherin Kara Starke. Er soll die Schülerin an ihrer Jacke gepackt und festgehalten haben. „Sie hat den Mann wohl weggestoßen, sich losgerissen und ist nach Hause gerannt“, so Starke. Die Familie habe dann die Polizei informiert.
Schule schreibt Eltern an
Das Mädchen beschreibt den Mann als etwa 50 bis 60 Jahre alt, von kräftiger, aber nicht dicker Statur, etwa 1,70 Meter groß und mit braunen Haaren. Er soll Deutsch ohne Akzent gesprochen haben. Er trug eine blaue Jacke, blaue Jeans, eine graue Mütze und soll Raucher sein.
Die Schule hat inzwischen alle Eltern über den Vorfall informiert. Dabei weist sie darauf hin, das Kind habe genau richtig reagiert. Man behandle das Thema regelmäßig im Unterricht und sei im Austausch mit der Polizei, die zur Prävention auch die Schule besuche.
Doch kaum ist diese Nachricht an die Schulgemeinschaft verschickt, muss bereits die nächste verfasst werden. Denn schon am Montag folgt der nächste Fall. In der Mitteilung an die Eltern heißt es, ein Junge aus der 2. Klasse sei am Montagnachmittag nach der Betreuung vor der Schule von einem Mann angesprochen worden. Dieser habe ihm gesagt, er wolle ihm Hundewelpen in seiner Wohnung zeigen. Der Junge sei daraufhin weggerannt und habe seinen Eltern davon berichtet. Die riefen die Polizei.
Die bestätigt den Eingang der Anzeige im Fall des Siebenjährigen. Und auch, dass sie in Absprache mit der Schule in nächster Zeit vermehrt im Bereich um die Schule Präsenz zeigen wird. Der Junge hat den Mann als eher älter, etwa 1,70 Meter groß und dunkel gekleidet beschrieben. Sein Hinterkopf soll kahl sein und einen Haarkranz aufweisen. Die Beschreibung ähnelt der aus dem ersten Fall.
Die Vorfälle sind nicht die ersten dieser Art im Stadtbezirk Sillenbuch. Im vergangenen Jahr hatten Kinder bereits von drei ähnlichen Fällen berichtet. Einer davon hatte sich ebenfalls im Umfeld der Deutsch-Französischen Grundschule abgespielt. Ein Mann hatte Kinder angesprochen und angegeben, Spielsachen verschenken zu wollen. Dieser Fall konnte geklärt werden. Die Polizei ermittelte den Verdächtigen, seine Geschichte stellte sich als wahr heraus. Er hatte tatsächlich Spiele übrig, allerdings einen denkbar ungeschickten Weg gewählt, um sie Kindern anzubieten.
Offen sind dagegen nach wie vor die beiden anderen Vorfälle. Im Februar 2025 sprach ein Mann vor dem Geschwister-Scholl-Gymnasium eine Zehnjährige an. Die Schülerin war mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause. Er könne ihr Hundewelpen zeigen, soll der Mann gesagt und sie am Rucksack festgehalten haben. Das Mädchen riss sich los, fuhr weiter und vertraute sich den Eltern an. Die riefen die Polizei. Die konnte vor Ort aber keinen Verdächtigen mehr finden. Der Mann wurde damals als 1,75 Meter groß beschrieben. Er soll einen Dreitagebart getragen und mit auffallend tiefer Stimme in akzentfreiem Deutsch gesprochen haben.
Nur wenige Wochen später machte ein weiterer Vorfall im benachbarten Heumaden die Runde. Auf ganz ähnliche Weise soll da Ende März ein Mann eine Siebenjährige auf dem Heimweg von der Grundschule angesprochen haben. In der Mannspergerstraße soll er sie am Rucksack festgehalten und versucht haben, sie unter dem Vorwand, er habe Kätzchen im Auto, dorthin mitzunehmen. Die Siebenjährige konnte sich losreißen und flüchten. Sie vertraute sich Nachbarn an, die sofort die Polizei riefen. Der Unbekannte war aber nicht mehr zu finden. Er soll 1,80 Meter groß und dunkel gekleidet gewesen sein.
Beide Fälle aus dem Vorjahr seien polizeilich dokumentiert, sagt Kara Starke. Man habe beide Orte in der Folgezeit überwacht, es sei bei den Ermittlungen aber nichts strafrechtlich Relevantes herausgekommen. Es habe auch nur vage Hinweise gegeben. Das gilt vorläufig wohl auch für die neuen Fälle aus Sillenbuch.
Kinder aufklären
Generell empfiehlt die Polizei, Kinder immer wieder darauf hinzuweisen, dass sie sich nicht mit Unbekannten einlassen sollten. Im Zweifel sollten sie sich jemandem anvertrauen, den sie kennen. Wer sich unsicher fühlt, sollte in Gruppen zur Schule gehen. Und bei verdächtigen Zwischenfällen ist die Polizei der richtige Ansprechpartner – egal ob bei geschenktem Spielzeug oder süßen Hundewelpen.