Kleiner als geplant fiel die Party der AfD aus: Weil ein Hotel in der City kurzfristig den Mietvertrag kündigte, zog die Partei in ihre Geschäftsstelle in Möhringen um.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Kurz vor dem Wahlabend habe man nochmal umdisponieren müssen. Die AfD wollte eigentlich ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg im Herzen der Landeshauptstadt feiern. Doch das Hotel, in dem man Räume angemietet hatte, habe wenige Tage vorher abgesagt. „Zu viel Polizei, zu viel BKA, das wollten die nicht“, sagt Marc Bernhard, der stellvertretende Landesvorsitzende der AfD Baden-Württemberg.

 

Deswegen traf man sich in etwas kleinerer Runde am Rande der Stadt. Im Gewerbegebiet von Möhringen, am Waldrand, ist die Geschäftsstelle der AfD. Hier jubelt man um 18 Uhr, als erst nur auf dem Handy des Spitzenkandidaten Markus Frohnnmaier, dann auch auf der Leinwand die erste Prognose auftaucht. „Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön“, stimmen die Mitglieder an – eine überwiegend männliche Runde, Frauen sind deutlich in der Minderzahl. An den Zufahrten zum Gewerbegebiet stehen Polizeifahrzeuge, vor dem Gebäude sind Hamburger Gitter bereitgestellt, falls es zu Protesten kommen würde.

Frohnmaier strahlt über die voraussichtlich 18 Prozent für seine Partei. In den Landtag wird ihn das nicht bringen – denn er hat keinen Listenplatz im Land. „Die letzten Wochen und Monate haben wir gemeinsam alles dafür gegeben, dass unsere AfD hier in Baden-Württemberg, in einem Stammland der Altparteien, wirklich zur Volkspartei wird“, kommentiert er das Ergebnis.

Vor der Geschäftsstelle stehen Absperrgitter bereit, falls es zu Protesten gegen die AfD kommt. Foto: Christine Bilger/STZN

Ein paar Stimmen äußern sich nach den „Markus! Markus!“-Sprechchören dann doch ein bisschen enttäuscht. Lieber hätte man mehr als 20 Prozent gehabt, lieber wäre man auf Platz zwei vor den Grünen gelegen.

Nicht alle wollen sich vor den Medien äußern – zeitweise sieht es im Raum so aus, als wären mehr Journalistinnen und Journalisten als Parteianhänger im Raum. „Nur, wenn Sie was Positives schreiben“, sagt etwa der Göppinger Landtagsabgeordnete Sandro Scheer. „Was Positives zu diesem Ergebnis für die Grünen?“ hält ihm ein Kollege entgegen.

AfD sieht Licht und Schatten im Wahlergebnis

Dass es nicht besser gelaufen ist, das liege auch daran, dass es vor allem am Ende des Wahlkampfs zu einem Zweikampf zwischen Cem Özdemir (Grüne), dem voraussichtlichen Gewinner, und Manuel Hagel (CDU) geworden sei. Der stellvertretende Landeschef Bernhard sieht „Licht und Schatten“ im Ergebnis. Freuen kann er sich über das wahrscheinliche Scheitern der Linken und der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde. Der große Schatten, das ist für ihn das gute Abschneiden der Grünen. Deren Sieg würde das „Ende der Automobilindustrie in Baden-Württemberg“ bedeuten.

Die Reihen lichten sich schnell am Rand des Weidach- und Zettachwaldes in Stuttgart-Möhringen. Schon gute zehn Minuten nach der ersten Prognose düst Frohnmaier Richtung Landtag ab. Um dort in die Fernsehkameras zu sagen, die CDU solle sich doch nochmal überlegen, ob sie mit den Grünen koalieren wolle – wohl vergeblich, denn die Christdemokraten hatten sich von Anfang an klar gegen eine Koalition mit der AfD ausgesprochen. Auch am Wahlabend erteilt Manuel Hagel dem nochmal eine klare Absage.