Für die Stuttgarter CDU ist es eine Wahlnacht mit Achterbahnfahrt. Letzte Hoffnung sind zwei Direktmandate – doch auch das zerschlägt sich am späten Abend.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Die einen sagen so: „Das war ein Schmutzwahlkampf der Grünen aus der untersten Schublade, wie ich ihn noch nie erlebt habe“, sagt der Stuttgarter CDU-Kreisvorsitzende Max Mörseburg. Ein anderer erfahrener Christdemokrat aus der alten Garde sagt: „Ich kann nicht fassen, dass die CDU es immer wieder schafft, im letzten Augenblick gegen die Wand zu fahren.“

 

Beide halten sich am Sonntagabend im Ratskeller auf – bei der Stuttgarter CDU-Wahlparty mit 250 Gästen. Enttäuschung, letzte Hoffnung auf zwei Direktmandate, Ungewissheit im großen Saal 1. Der traditionsreiche Saal „Graf Eberhard“, der schon viel Drama gesehen hat, ist dagegen geschlossen. Und heißt, im Abseits, nur noch Saal 2. Doch hilft das gegen die bösen Geister?

Eine Achterbahn der Gefühle um die Erststimmen

Etwa 250 Helfer aus den Wahlkampfteams, Mitglieder des Kreisvorstands, des Gemeinderats und der Bezirksgruppen, waren in den Ratskeller eingeladen, der in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten so viel Freud und Leid der Stuttgarter Christdemokraten in Wahlnächten erlebt hat. Und so manche Achterbahnfahrt. Alle vier Kandidaten wissen, dass sie nur mit der Erststimme und dem Direktmandat in den Landtag kommen würden. Per Zweitstimme über die Liste – für sie ein Muster ohne Wert.

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle erleben vor allem zwei der vier CDU-Wahlkämpfer. Shajeevan Thavakkumar, der 32-jährige Geschäftsführer der CDU Nordwürttemberg, sind zuvor die größten Chancen auf ein Direktmandat zugerechnet worden– im Wahlkreis Stuttgart III im Norden. Vorbei sein sollte die Schmach von 2021, bei der die Grünen alle vier Direktmandate geholt hatten. Hoffnungen durfte sich auch Markus Reiners machen, 61-jähriger Kriminalbeamter und Politikwissenschaftler, im Wahlkreis Stuttgart IV Neckar. Doch dann die Erosion in den Wahlumfragen. Und die fatalen Hochrechnungen am Sonntagabend.

Was die Stuttgarter CDU-Kandidaten am Ende sagen

Klaus Nopper war gegen Cem Özdemir angetreten. Foto: Julia Bosch

Die beiden ziehen sich mit Kreischef Mörseburg und Mitbewerberin Teresa Schreiber, 28-jährige Staatsanwältin und Kandidatin für den Wahlkreis I Innenstadt, sowie Klaus Nopper, 58-jähriger Rechtsanwalt und Özdemirs direkter Gegner im Filder-Wahlkreis II, ins Fraktionszimmer im Rathaus zurück. Wie umgehen mit den Hochrechnungen? Was verkünden an Hoffnungen?

Auch um 21.25 Uhr ist noch immer nicht alles klar. Aber es sieht nicht gut aus für die Stuttgarter Christdemokraten. Und schließlich hoffnungslos. Aber dies: „Wir haben gekämpft wie die Löwen“, sagt Shajeevan Thavakkumar. „Was wir beeinflussen konnten, haben wir beeinflusst“, sagt Klaus Nopper, der Bruder des Stuttgarter OB. „Wir wussten, dass wir eigentlich gegen Windmühlen ankämpfen in diesem Wahlkreis“, sagt Teresa Schreiber. „Eine solche Schmutzkampagne“, sagt Markus Reiners, „ermöglicht nur schwer eine Koalition.“