Wegen eines Millionendefizits Göppingen steht auf der Investitionsbremse

Das Hohenstaufen-Gymnasium als derzeit größtes Investitionsprojekt der Stadt ist hinter einem Bauzaun verschwunden. Foto: Staufenpress

Angesichts eines Millionendefizits steht Göppingen für 2025 auf der Investitionsbremse. Die Projekte Hauptfeuerwache, EWS-Arena, Verwaltungszentrum und Naturkundemuseum scheinen in weiter Ferne. Gebaut wird in Kindergärten und Schulen.

Wenn die Göppinger Lokalpolitiker diese Woche aus der Winterpause zurückkehren, dann müssen sie über eine Art „Giftliste“ beraten. Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung haben sie bereits im November hinter verschlossenen Türen seitenweise Einsparpotenziale ausgelotet. Hinzu kommt die sogenannte Änderungsliste für den Etat 2025. Diese betrifft auch einige Bauprojekte. Mit Ausnahme der Hogy-Generalsanierung und mehrerer Kita-Neubauten, die den Betreuungsnotstand lindern sollen, steht die Stadt bei öffentlichen Neubauvorhaben auf der Bremse. Der Bau der neuen Hauptfeuerwache wird verschoben. Vom neuen Verwaltungszentrum auf dem ehemaligen Müller-Areal ist derzeit nicht die Rede. Für den noch im vergangenen Jahr forcierten Südanbau an die EWS-Arena sowie für den Dauerbrenner Naturkundemuseum gibt es frühestens in den Jahren nach 2028 wieder Geld.

 

Das Boehringer-Areal hingegen soll nun „endlich den Dornröschenschlaf beenden“, sagt die Baubürgermeisterin Eva Noller. Umbau und Neunutzung von alter Gußputzerei und ehemaliger Modellschreinerei sollen beginnen. Auch das ist nicht ganz unumstritten. Die CDU-Fraktion hat sogar einen Baustopp für das Boehringer-Areal gefordert. Nach Ansicht von Eva Noller ist der Baubeginn aber sehr wichtig: „Das Boehringer-Areal braucht jetzt den Startschuss“. Das sei auch ein Signal für die Interessenten, mit denen die Stadt vielversprechende Gespräche geführt habe, die aber noch zögerten. In die historischen Gewerbegebäude an der Stuttgarter Straße sollen das Städtische Archiv, die VHS mit einigen Räumen, das NWT-Bildungshaus sowie der Verein„ Schafferei“ einziehen.

Kostenberechnung für Hogy-Renovierung liegt bei 38 Millionen Euro

Viel Geld wird die Stadt für Gebäude ausgeben, die der Bildung und Betreuung dienen: also für Schulen und Kindergärten. Fertiggestellt werden in diesem Jahr die Sanierungen an den Grundschulen in Jebenhausen und Holzheim. Der mit Abstand dickste Brocken ist aber die sieben Jahre lang vorbereitete und im Sommer begonnene Generalsanierung des Hohenstaufen-Gymnasiums (Hogy). Diese wurde immer wieder kontrovers diskutiert, denn die Kostenberechnung für die Renovierung des Baudenkmals liegt bei 38 Millionen Euro – und damit nach Befürchtung vieler Lokalpolitiker über dem, was ein vergleichbarer Neubau gekostet hätte. Die auf zwei Jahre veranschlagte Sanierung läuft. Etwa die Hälfte der Hogy-Schüler ist längst in die Interims-Schule umgezogen.

„Derzeit liegt der Schwerpunkt auf der Asbestsanierung“, erklärt Baubürgermeisterin Noller. Parallel dazu werden die großen Betonplatten im Bereich des Atriums, die ebenfalls unter Denkmalschutz stehen, entfernt und eingelagert. Auf der Baustelle geht es zunächst um den Abbau. „Die Rohbau- und Elektrounternehmen, sowie die Firmen für Heizung, Lüftung und Sanitär sind beauftragt und haben ebenfalls mit den Demontagearbeiten begonnen“, so Noller.

Der weitgehende Ausstieg der evangelischen Kirche bis 2027 aus der Kindergartenarbeit wird die Knappheit an Betreuungsplätzen noch verschärfen. Gleich vier Baustellen treibt die Stadt deshalb im Kita-Bereich voran. In Bartenbach sollte eigentlich zum Jahreswechsel in Nachbarschaft zum bestehenden Kindergarten und zum evangelischen Gemeindehaus eine Kita-Erweiterung in Modulbauweise in Betrieb gehen. Gesamtkosten: 1,95 Millionen Euro. Doch das hat sich verzögert, bestätigt die Baubürgermeisterin.

Bau der Kita an der Albert-Schweitzer-Schule hat sich verzögert

Nach dem jetzigen Stand soll die Kita im Spätsommer in Betrieb gehen. Reagiert hat die Kommune auch im Stadtteil Stauferpark. Dort soll der ehemalige Jugendtreff „Matrix“ in eine dreigruppige Kita umgebaut werden. Allerdings laufen 2025 zunächst die Planungen, der eigentliche Umbau, der laut Noller insgesamt 2,5 Millionen Euro kosten soll, ist im Frühjahr 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Sommer 2027.

Verzögert hat sich auch der Bau der Kindertagesstätte an der Albert-Schweitzer-Schule am Nordring, der eigentlich schon im März vergangenen Jahres beginnen sollte. Die Baugrundproblematik ist allerdings immer noch nicht endgültig gelöst, berichtet Eva Noller. Es habe sich gezeigt, dass das Baufeld aus nicht tragfähigen und bunt gemischten Aufschüttungen besteht. Deshalb müsse die neue, acht Millionen Euro teure viergruppige Kita tiefere Fundamente bekommen, um auf tragfähigen Grund zu kommen, erklärt die Baubürgermeisterin. „Die aktuellen Erkenntnisse des Bodengutachtens werden derzeit vom Statiker überprüft.

Auch der Starkregen- und Hochwasserschutz sei kompliziert. Aber: „Das Baufeld ist bereits vorbereitet. Die provisorische Leitung für Fernwärme liegt bereits. Die wasserrechtliche Genehmigung für die Umlegung des Storzenbachs ist im Dezember eingegangen“, erklärt die Baubürgermeisterin, die damit rechnet, dass es im Frühjahr wirklich losgehen kann.

Kita kommt, Baugebiet dauert

Auftakt
 Der Startschuss für den Erweiterungsbau des Kindergartens im Freihof in Faurndau ist gefallen. Im November wurden die Geothermie-Bohrungen erledigt. Gründung und Kanalanschluss seien erledigt, erklärt die Baubürgermeisterin Eva Noller.

Baugebiet
Eingebettet ist die Faurndauer Kita in das geplante Wohngebiet im Freihof, das von Häuslebauern sehnlichst erwartet wird. „Durch Artenschutzgutachten und das Starkregenmanagementkonzept gibt es im Bebauungsplanverfahren Verzögerungen, wodurch sich die Bauarbeiten für die Erschließung in den Herbst verschieben“, so Eva Noller.

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