Von kritischer Distanz zu starken Meinungen: Stuttgarter Promis berichten, wie sie Pressefreiheit erleben – und wie wichtig ihnen eine unabhängige Berichterstattung ist.
Was bedeutet Pressefreiheit im Alltag derer, die selbst regelmäßig im Fokus der Öffentlichkeit stehen? Wir haben genau diese Frage aufgegriffen und Stuttgarter Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und öffentlichem Leben um ihre Einschätzungen gebeten.
Die Antworten zeigen ein vielschichtiges Bild: geprägt von eigenen Begegnungen mit Medien, von Vertrauen, aber auch von kritischer Distanz. Gemeinsam zeichnen sie ein Stimmungsbild darüber, wie wichtig unabhängige Berichterstattung ist – und wo sie an ihre Grenzen stößt.
Oberbürgermeister Frank Nopper
Frank Nopper ist seit 2021 Oberbürgermeister von Stuttgart und Mitglied der CDU. Zuvor war er viele Jahre Oberbürgermeister von Backnang.
„Die Presse- und Medienfreiheit ist eine fundamentale Errungenschaft des Zeitalters der Aufklärung und stellt einen zentralen Eckpfeiler einer modernen Demokratie dar. Eine freie und unabhängige Presse leistet auf allen Ebenen einen wertvollen Beitrag zur demokratischen Willensbildung. Sie ist Stimulanz und Kontrollinstanz für alle politischen Akteurinnen und Akteure – gerade auch für uns in der Kommunalpolitik. Zu den obersten Handlungsmaximen einer freien und unabhängigen Presse gehören journalistische Qualität, Wahrhaftigkeit, Fairness, Ausgewogenheit.“
Gitte Zschoch
Gitte Zschoch ist eine deutsche Kulturmanagerin. Sie ist seit Oktober 2021 Generalsekretärin des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen.
„Pressefreiheit sichert unsere Freiheit, uns über die Welt zu informieren. Sie garantiert geprüfte Informationen und kritische Perspektiven. Ohne sie gäbe es keine fundierte Meinungsbildung – und damit keine Demokratie. Genau deshalb wird sie in repressiven Kontexten bekämpft.
Am ifa arbeiten wir international mit Journalistinnen und Journalisten sowie mit Medienschaffenden, und sehen: Die weltweite Lage der Pressefreiheit ist auf einem historischen Tiefstand. Daher möchten wir den abstrakten Wert der Pressefreiheit in konkrete Handlungen übersetzen, indem wir Medienakteure durch Schutzprogramme und journalistische Trainings stärken. Auch bietet das ifa Plattformen für Publikationen. Damit wollen wir internationalen Stimmen Gehör verschaffen, die sonst nicht hörbar wären.“
Serdar Karibik
Der schwäbisch-türkische Comedian war eigentlich Kita-Erzieher. Er ist für seine humorvollen Geschichten aus dem Alltag und seine Auftritte auf Social Media bekannt. Mit seinem direkten Stil und Themen rund um Familie, Kultur und Identität erreicht er ein breites Publikum.
„Für mich bedeutet Pressefreiheit vor allem die Möglichkeit, Informationen und Nachrichten für alle frei zugänglich zu machen und Meinungen offen äußern zu dürfen. Sie ist ein wichtiges Medium, um Missverständnisse aus der Welt zu schaffen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und Diskussionen zu fördern.
Die einzige negative Erfahrung, die ich gemacht habe, war ein schlecht vorbereiteter Interviewer, gerade das zeigt, wie entscheidend ordentliche Recherche durch die Presse ist. Insgesamt ist Pressefreiheit für mich eine Grundlage für eine informierte und aufgeklärte Gesellschaft. Gerade für uns Comedians ist sie essenziell, um unterschiedliche Thematiken auch kritisch und frei ansprechen zu dürfen, ohne Einschränkungen zu befürchten.“
Dietmar Allgaier
Dietmar Allgaier ist Landrat des Landkreises Ludwigsburg und seit August 2024 Präsident des VfB Stuttgart.
„Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und deren Verbreitung ist ein Fundament unserer Demokratie und zum Glück ein fester Bestandteil nicht nur des Grundgesetzes, sondern auch der Prinzipien, nach denen unsere Gesellschaft funktioniert. Gerade in einer Zeit wachsender Extreme schätze ich den Wert der Pressefreiheit ungemein - und damit verbunden ihre überragend wichtige Rolle für Regulierung, Diversität und Orientierung.
Sie ist eine wesentliche Grundlage unserer Verständigung und ermöglicht es Bürgern, Politikern und Fans, sich zu informieren, Meinungen zu bilden und offen miteinander in den Austausch zu treten. Eine freie, unabhängige Presse ist für mich Voraussetzung für kritische, vielfältige Debatten und stärkt das Vertrauen in unsere demokratische Ordnung.“
Muhterem Aras
Muhterem Aras ist eine deutsche Politikerin der Grünen und war von 2016 bis 2026 Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg. Sie war die erste Frau mit Migrationshintergrund in diesem Amt.
„Wer die Demokratie abschaffen will, greift immer zuerst die Pressefreiheit an. Denn professioneller, unabhängiger Journalismus trägt elementar zur freiheitlichen-demokratischen Gesellschaft bei: Er fragt und hinterfragt die Mächtigen – und gibt auch den vermeintlich Ohnmächtigen eine Stimme.
Das journalistische Credo „Sagen, was ist“ ist in Zeiten von Deepfakes, Trollfabriken und „alternativen Fakten“ zunehmend überlebenswichtig für Demokratien. Weltweit riskieren Journalistinnen und Journalisten wiederum ihr Leben für diese Aufgabe, insbesondere dort, wo politische oder juristische Kontrollmechanismen nicht mehr greifen.
Demokratie kann ohne Pressefreiheit nicht existieren – und umgekehrt. Eine wehrhafte Demokratie muss daher die Pressefreiheit immer schützen. Umgekehrt muss die freie Presse immer Speerspitze einer wehrhaften Demokratie sein, eine furchtlose Verteidigerin der Menschenwürde.“
Olivia von Platen
Olivia von Platen ist Influencerin und Mutter. Auf Social Media gewährt die Stuttgarterin ihren Followern Einblicke in ihren Alltag und spricht mit ihrer Freundin und Ex-Miss Germany Anahita Rehbein in ihrem Podcast über Themen wie das Muttersein und Kindererziehung.
„Pressefreiheit bedeutet für mich, dass Journalisten in der Öffentlichkeit berichten können, ohne zensiert zu werden. Es ist gut und wichtig, dass das in Deutschland so gegeben ist. Gerade derzeit kann man beobachten, was in Staaten passiert, in denen die Pressefreiheit nicht garantiert ist. Dennoch sehe ich es als herausfordernd an, dass Journalisten die neutrale Berichterstattung bewahren und nicht ihre persönliche Meinung mit hineinbringen – es sei denn, der Beitrag ist als Meinungsstück gekennzeichnet.
Ich selbst habe damit schon negative Erfahrungen gemacht. Gerade bei der Berichterstattung über Influencer ist das zum Teil ein Problem – denn häufig wird nicht über deren Arbeit gesprochen, sondern über ihre Person. Das kann sehr subjektiv sein. In meinem Fall, finde ich, sind schon häufig persönliche, subjektive Meinungen über mich in die Berichterstattung eingeflossen. Dabei sollte doch objektiv berichtet werden – beispielsweise sollten auch die Ansichten aus meiner Community auf Social Media und damit alle Seiten berücksichtigt werden. Trotz der Pressefreiheit sollte eine neutrale Berichterstattung gewährleistet werden – der Journalismus trägt da eine extrem große Verantwortung.“
Unser Aboangebot zur Woche der Pressefreiheit
Der Internationale Tag der Pressefreiheit wird jährlich am 3. Mai gefeiert, um die Bedeutung von freiem Journalismus für die Demokratie zu würdigen. Weltweit stehen seriöse Medien unter Druck - politisch, wirtschaftlich, technologisch. Autokratische Regime unterdrücken die Meinungsfreiheit, in Sozialen Medien werden ungeprüft Falschnachrichten, Hass und Hetze verbreitet. Aber wenn Ideologie wichtiger wird als Fakten, stirbt die Demokratie. Umso wichtiger wird in Zukunft fundierter Journalismus, der von verantwortungsbewussten, gut ausgebildeten, der Wahrheit und der Demokratie verpflichteten Menschen produziert wird - und nicht von Maschinen.
Aus diesem Grund feiern wir vom 27. April bis zum 3. Mai die „Woche der Pressefreiheit“ und veröffentlichen jeden Tag Texte, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Unterstützen Sie uns, unterstützen Sie Meinungsfreiheit und Demokratie, unterstützen Sie gut gemachten Journalismus.