Wohngeld soll den Zugang zu Wohnraum sichern. Eine Reform ließ die Zahl der Empfänger in Stuttgart zuletzt massiv steigen. Ihr Anteil ist dabei stadtweit sehr ungleich.
Wohngeld ist eine wichtige Stütze für Haushalte mit geringem Einkommen. Es soll ihnen Zugang zum in vielen Städten hart umkämpften Wohnraum verschaffen. In Stuttgart hat sich die Zahl derjenigen, welche diese Leistung beziehen, in den vergangenen Jahren deutlich erhöht: Im Jahr 2024 gab es 4324 reine Wohngeldhaushalte (1,33 Prozent aller Haushalte), wie aus Daten des Amts für Soziales und Teilhabe der Stadt Stuttgart hervorgeht.
Mit Blick auf einen Tiefpunkt im Jahr 2015 mit 2745 Haushalten (0,86 aller Haushalte) entspricht das einem Anstieg von mehr als 57 Prozent. Insbesondere in der Zeit von 2022 bis 2024 gab es einen deutlichen Zuwachs (von 3774 auf 4324 Haushalte).
Das ist die Erklärung der Stadt Stuttgart
Die Stadt führt den Anstieg auf die Wohngeld-Plus-Reform Anfang 2023 zurück, welche den Kreis der Berechtigten erweitert hat. Zuvor waren die Einkommensgrenzen beim Wohngeld nicht schnell genug an die Inflation angepasst worden, wodurch einige Haushalte diese Grenzen zwar überschritten und dadurch aus dem Wohngeldbezug fielen, unter dem Strich aber nicht kaufkräftiger waren als früher. Mit der Wohngeld-Plus-Reform kam eine Heizkosten- und Klimakomponente ins Spiel, Einkommensgrenzen wurden angehoben, und die Höhe des Wohngelds wurde angepasst.
Bei den Empfängerquoten in den einzelnen Stadtbezirken gibt es immense Unterschiede. Die größte Anzahl an Wohngeldhaushalten findet sich in Mühlhausen: 466 waren es im Jahr 2024 in absoluter Zahl, das entsprach 37,3 von 1000 Haushalten. Es folgen Wangen (27,55), Münster (24,22), Weilimdorf (22,49) und Untertürkheim (21,26) mit überdurchschnittlich hohen Quoten.
Wie das Statistische Amt der Stadt anmerkt, liegt in eben diesen Stadtbezirken das durchschnittliche Einkommen deutlich unter dem städtischen Durchschnitt. Auch der Anteil von Leistungsempfängern von Hilfen zum Lebensunterhalt und Grundsicherung im Alter ist dort demnach tendenziell hoch.
Stuttgart hat nach München die niedrigste Quote
In absoluten Zahlen sind aber auch in Bad Cannstatt (425 Haushalte), Ost (349 Haushalte) oder Vaihingen (353 Haushalte) einige Wohngeldempfänger beheimatet – auch wenn die Quoten dort im Bezirksvergleich nicht die höchsten sind. In Botnang, Feuerbach und Plieningen leben die wenigsten Wohngeldempfänger.
Bundesweit betrachtet weist Stuttgart im Vergleich mit anderen ausgewählten Großstädten – nach München – den zweitniedrigsten Anteil an Beziehern auf. Die höchsten Anteile finden sich in Leipzig und Dresden. Ein Grund für die vergleichsweise niedrige Quote könnte nach Angaben der Stadt das insgesamt hohe Einkommensniveau in Stuttgart sein. Eine weitere Erklärung ist weniger erfreulich: das hohe Niveau der Angebotsmieten. „Haushalte mit geringem Einkommen ziehen seltener in diese Städte“, schreibt das Statistische Amt.
Nicht nur die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger, sondern auch der Wohngeldanspruch hat sich nach Angaben der Stadt im Lauf der Jahre verändert. Die Leistung wurde zuletzt am 1. Januar 2025 infolge weiter gestiegener Mieten und Lebenshaltungskosten zum wiederholten Mal angehoben. 2023 hatte man sie bereits an steigende Energiekosten und höhere Wohnkosten durch energetische Sanierungen angepasst. 2010 betrug der durchschnittliche Wohngeldanspruch demnach etwa 160 Euro, 2023 lag er bei 363 Euro.
Wohngeld gibt es sowohl für Eigentümer als auch für Mieter – je nach Empfänger heißt es dann Mietzuschuss oder Lastenzuschuss. In Stuttgart wurde 2024 mit 97,7 Prozent der Löwenanteil des Wohngelds als Mietzuschuss ausgezahlt, die restlichen 2,3 Prozent als Lastenzuschuss.