Der Plan, auf dem EnBW-Areal in Stuttgart-Ost ein Wohnquartier zu schaffen, wurde gestoppt. Warum Architekten für Ihren Umbauplan schon jetzt geehrt werden und wie es weitergeht.

Bauen/Wohnen/Architektur : Nicole Golombek (golo)

Ein ambitioniertes Ziel: Wohnraum schaffen ohne weitere Flächen zu versiegeln – zumal im proppenvollen Stuttgarter Kessel. Einen Plan gibt es dafür und einen Architektenwettbewerb auch. Doch seit Jahren herrscht Stillstand.

 

Gemeint ist das Quartier „Neues Stöckach“, ein Areal im Besitz des Energieversorgers EnBW im Stuttgarter Osten – in schönster Lage nahe der (ebenfalls seit vielen Jahren nicht sanierten) Villa Berg, Mineralbäder und der Park sind ebenfalls ganz in der Nähe. Auf dem bisherigen 60.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände sollten unter anderem 800 Wohnungen entstehen, 40 Prozent sollen für günstige Mieten gefördert werden. 2023 legten die Hausherren das Projekt in der Stöckachstraße auf Eis – laut EnBW sei es „unwirtschaftlich“.

800 Wohnungen für Stuttgart

Planungen für die Umwandlungen in Wohnraum hatte es schon gegeben. Das Stuttgarter Büro haascookzemmrich STUDIO 2050 hatte im Oktober 2023 in Zusammenarbeit mit Rubner Holzbau, knp.Bauphysik, Transsolar und C4 Engineers den Wettbewerb für den Umbau von Gewerbe in Wohnungen gewonnen.

In der Stöckachstraße in Stuttgart-Ost sollten 800 Wohnungen nach einem Umbau entstehen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ein Preisgericht zur Entwurfsstudie „Nachverdichtung in Holzbau am Beispiel des Neuen Stöckach“ – ausgelobt von der Landeshauptstadt Stuttgart in Zusammenarbeit mit der EnBW und der Internationalen Bauausstellung 2027 („IBA’27“) – hatte die innovative Holzbau-Entwurfsstudie des Stuttgarter Büros mit dem ersten Platz prämiert. Passiert ist danach nichts.

Auszeichnung für Stuttgarter Architekten

Allerdings hat nun sogar schon der Entwurf von haascookzemmrich STUDIO 2050 eine erste Ehrung erhalten. Auch wenn der Entwurf ja vielleicht nie umgesetzt wird. Das Projekt ist in der Kategorie ,Einfaches Bauen’ nominiert für den Deutschen Baupreis 2026, unter der Schirmherrschaft des Bundesbauministeriums steht.

„Wir freuen uns über die Nominierung in der Kategorie Einfaches Bauen, was in dem Projekt Stöckach ein Grundprinzip im Entwurf war“, sagt der Bürogründer und Architekt Martin Haas. „Der nachhaltige und sinnvolle Umgang mit dem Bestand – maximalem Bestandserhalt – sowie die Entwicklung eines Low-Tech Ansatz für die Bestandssanierung sind uns hier sehr wichtig. Die durchgesteckten Wohntypologien mit dem offenen Laubengang zur Boxengasse und dem vorgestellten Balkonregal zur Stöckachstrasse bieten optimale, passive Grundlagen für eine robustes Lüftungskonzept ohne Technik.“

Die Stadt Stuttgart hat Gespräche geführt

Der Holzumbau hätte klimafreundliches Vorzeigewohnen bei der IBA’27 dokumentieren sollen, auch weil beim Umbau CO2 eingespart worden wäre. Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper sagte nach der Verkündung der EnBW, das Projekt zu stoppen, auf Anfrage unserer Zeitung: „Das ist ein ganz herber Schlag ins Kontor. Das trifft die Stadt in einer sehr schwierigen Phase am Wohnungsmarkt“.

Gespräche wurden geführt, der Gemeinderat drohte gar im Jahr 2025 mit Zwangskauf. Die Stadt, die bis 2033 20.000 neue Wohnungen geschaffen haben will, ist nicht ins Tun gekommen, hat das Projekt von der EnBW aber nicht übernommen, auch das Land Baden-Württemberg wollte nicht einspringen.

Und die Hausherren? Die EnBW teilt jetzt auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Wir behalten die immobilienwirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Blick und prüfen die Wiederaufnahme, sollten sich diese wieder verbessern. Die Gespräche zwischen der Stadt Stuttgart und der EnBW zur Weiterentwicklung des Areals laufen fort.“

Das „Neue Stöckach“ bleibt zumindest vorläufig ein Lost Place.

Info

Auszeichnung
Der Deutsche Baupreis zeichnet Bauunternehmen aus, die mit innovativen Konzepten, hoher Ausführungsqualität und verantwortungsvollem Handeln Maßstäbe setzen. Der Preis versteht sich als Plattform für Best Practices, Wissenstransfer und die Sichtbarkeit von zukunftsweisenden Lösungen im Bauwesen. Veranstaltet wird er vom Bauverlag in Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal und unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Vergeben wird der Deutsche Baupreis unter Schirmherrschaft des Bundesbauministeriums am 24. März im Rahmen der digitalBAU in Köln.

Architekten
haascookzemmrich STUDIO 2050 ist ein Architekturbüro mit Sitz in Stuttgart. Aktuell realisiert das Büro den Mobility Hub für Breuninger neben dem Stuttgarter Charlottenplatz. Jüngst gewann das Büro außerdem einen der ersten Preise im kooperativen Werkstattverfahren für das Teilgebiet A3 Stuttgart Rosenstein. Auf Basis des Internationalen Ideenwettbewerbs von 2024 wurde ein Nutzungskonzept erarbeitet. Auch beim Umbau der Königstraße 1AB ist das Büro beteiligt.