Zeitplan von Stuttgart 21 Wieder Unsicherheiten beim Stuttgart-21-Start

An den Lichtaugen von Stuttgart 21 wird noch gearbeitet: Wann der darunter liegende Bahnhof vollständig in Betrieb sein wird, will die Bahn im Juli sagen. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Geht Stuttgart 21 im Dezember 2026 in Betrieb und wenn ja, in welchem Umfang? Die Bahn kämpft mit der Komplexität. Sie will im Juli für Gewissheit beim Eröffnungstermin sorgen.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Im Juli kommt es bei Stuttgart 21 zum Schwur - wieder einmal. Damit hat die Bahn abermals Verspätung. Denn eigentlich ist der entscheidende Stichtag am Donnerstag dieser Woche. Dann sind es noch exakt 18 Monate bis zur bisher anvisierten Inbetriebnahme von Stuttgart 21 Mitte Dezember 2026. Jene Frist von anderthalb Jahren gilt bei der Bahn als der notwendige zeitliche Vorlauf für die Fahrplangestaltung. Sprich: wenn im Juni 2025 keine Gewissheit über die tatsächliche Inbetriebnahme von Stuttgart 21 Ende 2026 herrscht, muss die Bahn für die Zeit nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 mit der bisherigen Infrastruktur planen.

 

Die Bahn prüft ihre Baustellenplanung

Unverhofft hat sich für die Bahn aber ein Schlupfloch aufgetan, um die verbindliche Verkündung des Eröffnungstermins verschieben zu können. Weil sie in der bis dahin verbleibenden Zeit ein allzu ambitioniertes Bauprogramm aufgelegt hat, haben die Projektpartner – allen voran das Land und die Region - im jüngsten Lenkungskreis von Stuttgart 21 im Mai klar gemacht, dass die dichte Abfolge von kurzfristig angekündigten Streckensperrungen das akzeptable Maß überschritten hat. Eine Arbeitsgruppe soll nun ermitteln, wie die Eingriffe für die Fahrgäste minimiert werden können. „Ziel ist es, ein gemeinsam getragenes Inbetriebnahmekonzept zu erreichen. Die für Dezember 2026 geplante Eröffnung des Durchgangsbahnhofs hat dabei weiterhin oberste Priorität“, sagt ein Bahnsprecher.

Der Anschluss der Gleise auf der neuen Neckarbrücke an das bestehende Schienennetz ist nicht ganz einfach. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ob die angestrebte Eröffnung des neuen Bahnhofs mit einer vorübergehenden Beibehaltung des Kopfbahnhofs für jenen Teil des Zugverkehrs einhergeht, der zunächst nicht im Durchgangsbahnhof abgewickelt werden kann, bleibt ungeklärt. Auch sagt die Formulierung „geplante Eröffnung des Durchgangsbahnhofs“ nichts darüber aus, ob zum Dezember 2026 auch alle neuen Strecken zum Tiefbahnhof in Betrieb sein werden. Deren Verknüpfung mit den bestehenden Gleisen in Feuerbach, Bad Cannstatt, Unter- und Obertürkheim gilt als nicht trivial.

Insbesondere der Bereich in Bad Cannstatt bereitet Kopfzerbrechen. Dort ist es nicht mit der Einrichtung einer Weichenverbindung zwischen alt und neu getan, wie etwa in Feuerbach und Obertürkheim. Vielmehr muss in Bad Cannstatt der westliche Bahnhofsteil komplett umgebaut werden, um die vier Gleise dort auf die neue Brücke über den Neckar umlegen zu können. Ein Nebeneinander von bisheriger und neuer Infrastruktur ist an dieser Stelle nicht möglich.

Davon ist auch die S-Bahn betroffen, die künftig nach der Neckarquerung in Bad Cannstatt in einem neuen Tunnel zum Hauptbahnhof geführt wird, der kurz vor der Station mit dem bestehenden Tunnel verbunden werden muss. Das ist keine einfache Angelegenheit, sodass auch eine spätere Inbetriebnahme der neuen S-Bahnführung inklusive der neuen Station an der Mittnachtstraße denkbar erscheint.

Kritiker prognostizieren Teil-Eröffnung

Die im Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 zusammengeschlossenen Projektkritiker prognostizieren allenfalls eine Teileröffnung. Es sei längst allen Beteiligten klar, „dass diese angebliche Inbetriebnahme im Winter 2026 lediglich eine symbolische Veranstaltung mit ein paar Einzelzügen und einiger Prominenz sein wird“, heißt es in einer Mitteilung, in der vor allem die Regionalversammlung hart angegangen wird, weil die sich aus Sicht der Kritiker nicht ausreichend für die Belange der baustellengeplagten S-Bahnnutzer einsetze. Martin Poguntke, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen S21, sagt: „Ein Stopp aller S-21-Vorbereitungen und stattdessen eine sukzessive komplette Instandsetzung und Modernisierung des S-Bahn-Netzes ohne jeden Zeitdruck wäre nötig. Eine S-21-Eröffnung im Jahr 2026 braucht niemand.“

Bei der Bahn hält man an dem neuen Zeitplan für die Unterrichtung derer fest, die das Projekt bezahlen. Über das „ausgearbeitete Inbetriebnahmekonzept informiert die DB in diesem Juli den Lenkungskreis und im Anschluss die Öffentlichkeit“, so der Bahn-Sprecher.

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