„Bob Dylan ist ein Planet, den es zu entdecken gilt“, sagt Tom Waits. „Elvis hat den Körper befreit – Dylan den Geist“, sagt Bruce Springsteen. Wir verraten, welche sieben Songs des Literatur-Nobelpreisträgers Bob Dylan, der am Pfingstmontag 80 Jahre alt wird, Sie unbedingt kennen sollten.
Die vielen Gesichter des Bob Dylan: mal mit Joan Baez (oben rechts), mal mit Allen Ginsberg (unten links), mal mit, mal ohne Gitarre. Sieben wichtige Songs, die die Vielfalt dieses Liederschreibers vorführen, stellen wir in unserer Bildergalerie vor.
Sony (4), imago
1. Like A Rolling Stone Musiker wie Brian Wilson, Elvis Costello, Joni Mitchell oder David Byrne haben vor einigen Jahren für das Musikmagazin „Rolling Stone“ die 500 besten Songs aller Zeiten gekürt. Auf Platz eins landete (vor „Satisfaction“ von den Stones und „Good Vibrations“ von den Beach Boys) der knurrige Sechsminüter „Like A Rolling Stone“, der das Album „Highway 61 Revisited“ (1965) eröffnete. Das Lied, das aus einem viele Seiten langen Songgedicht heraus entstand und dessen Ausgangspunkte in Hank Williams’ „Lost Highway“ und Richie Valens’ „La Bamba“ zu finden sein könnten, eröffnete zugleich ein neues Popzeitalter, brach mit allen damals gängigen Konventionen und weitete die Kampfzone der Rockmusik für alle Zeiten aus. „‚Rolling Stone‘“ ist mein bester Song“, sagt auch Dylan selbst. Im Bild: eine Aufnahme von Jerry Schatzberg aus dem Jahr 1966. Hier geht es zum Video
Sony Music/Jerry Schatzberg
2. Subterranean Homesick Blues Kurz nachdem Dylan beim Newport Folk Festival ausgebuht worden war, weil er es gewagt hatte, mit Band und E-Gitarre aufzutreten, erschien 1965 das Album „Bringing It All Back Home“, das auch auf Platte die Elektrifizierung von Dylans Musik einleitete. Und „Subterranean Homesick Blues“, eine Verneigung vor Jack Kerouacs Roman „The Subterraneans“ (deutsch: „Bebop, Bars und weißes Pulver“), war die coolste Nummer des Albums. Noch aufregender als Dylans schnoddriger Sprechgesang war aber dessen Visualisierung. Für D. A. Pennebakers Dokumentation „Don’t Look Back“ hielt Dylan Schilder mit den Songlyrics in die Kamera, während „Subterranean Homesick Blues“ erklang – eine Inszenierung, die den Videoclip vorwegnahm. Im Bild: eine Aufnahme von Don Hunstein aus dem Jahr 1965.Hier geht es zum Video
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3. Blowin’ In The Wind Von Menschen, die sich gar nicht für Musik interessieren, wird Bob Dylan immer noch für den Jungen gehalten, der mit einer Akustikgitarre vor dem Bauch und einer Mundharmonika im Gesicht Lieder singt wie das von den ziellos die Straßen entlanglaufenden Menschen, den müde über die Meere segelnden weißen Tauben und den Kanonenkugeln, die für immer verboten werden sollten. Der Protestsong „Blowin’ In The Wind“ (1962), der auch heute noch an keinem Lagerfeuer, bei keiner Friedensdemo, in keinem CVJM-Zeltlager fehlen darf, ist immer noch Dylans berühmtester Song. Es muss also was dran sein an diesem Lied, das über 50 Jahre alt ist. Im Bild: eine Aufnahme aus dem Jahr 1962.Hier geht es zum Video
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4. All Along The Watchtower Keinen seiner Songs hat Dylan auf Konzerten so oft gespielt wie „All Along The Watchtower“, der 1967 auf „John Wesley Harding“ erschien. Trotzdem ist Jimi Hendrix’ Version dieser dunklen, mysteriösen und mit Bibelzitaten versetzten Fabel berühmter – ein Schicksal, das viele Dylan-Nummern teilen: „It’s All Over Know, Baby Blue“ kennt man eher von The Them, „Mr. Tambourine Man“ von den Byrds, „Knockin’ On Heaven’s Door“ von Eric Clapton oder Guns N’ Roses. Im Bild: eine Aufnahme von Elliot Landy aus dem Jahr 1967.Hier geht es zum Video
Sony Music/Elliot Landy
5. I Want You Weil Dylan auf Fotografien gerne den Griesgram mimt, könnte man meinen, er sei weder zum Komiker noch zum Romantiker geeignet. Beides ist falsch. In Dylans OEuvre versteckt sich herrlich absurder Klamauk – im fiesen „Ballad Of A Thin Man“ etwa. Und auch die Rolle des Liebestollen spielt er oft in seinen Liedern – wie etwa in „Sad Eyes Lady Of The Lowlands“ oder dem zart-verlangenden Popsong „I Want You“ (1966), einem Ohrwurm, bei dem sich Dylanologen noch darüber streiten, ob er darin Edie Sedgwick oder Anita Pallenberg anhimmelt. Im Bild: eine Aufnahme von Don Hunstein aus dem Jahr 1963. Hier geht es zum Song
Sony Music/Don Hunstein
6. Murder Most Foul Auch eine Liste mit den 100 besten Bob-Dylan-Songs hat das Magazin „Rolling Stone“ bereits veröffentlicht. Die meisten Nummern, die dort auftauchen, stammen aus den 1960er Jahren, der Rest vor allem aus den 1970ern. Tatsächlich hat Dylan vor allem in den 1980ern nur wenig Bleibendes zu Wege gebracht. Seine künstlerische Krise beendete erst „Time Out Of Mind“ (1997). Mit „Modern Times“ (2006) gelang es Dylan dann erstmals seit 1976, den ersten Platz in den US-Albumcharts zu erobern. Dass er aber 2020 die Corona-Krise frech nutzte, um ausgerechnet mit einem gewaltig-sperrigen 17-Minuten-Epos namens „Murder Most Foul“ seinen ersten Nummer-eins-Single-Hit überhaupt zu landen, beweist, dass es Dylan immer noch nicht verlernt hat, großartige Lieder zu schreiben. Im Bild: ein Szenenfoto aus dem Film „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ aus dem Jahr 1973.Hier geht es zum Song
imago/Mary Evans
7. The Times They Are A-Changin’ Alles bleibt anders bei Bob Dylan, der unermüdlich mit seiner Never Ending Tour durch die Welt reist. Und dass er „The Times They Are A-Changin’“ (1964), den Zeitenwendesong, der einst den Soundtrack für die US-Bürgerrechtsbewegung lieferte, bei einem Konzert, das er 2011 in Peking gab, nicht gespielt hat, könnte auch daran liegen, dass Bob Dylan noch nie Lust hatte, das zu tun, was alle von ihm erwarten. Im Bild: eine Aufnahme aus dem Jahr 2009 von William Claxton.Hier geht es zum Video
Sony Music/William Claxton
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Stuttgart - „Ich bin viele!“ Das behauptet Bob Dylan in dem Song „I Contain Multitudes“, den er im Jahr 2020 veröffentlicht hat. „I’m a man of contradictions, I’m a man of many moods“, verrät er da weiter: Ich bin ein Mann voller Widersprüche, ich bin ein Mann der vielen Stimmungen. Geheimnisse gibt er damit aber nicht wirklich preis. All das wusste man eigentlich schon vorher. Bob Dylan ist ein unfassbarer Künstler.
Der Mann, der immer woanders ist
Er war schon Protestsänger und Rocker, Poet und Künstler, Erlöser und Verräter, hat sich als Weihnachtsmann und Westernheld verkleidet, mal den Nihilisten, mal den Gläubigen gespielt. Er ist Romantiker, Zyniker, Skeptiker, Metaphysiker, oft alles auf einmal, und immer ist er da, wo man selbst gerade nicht ist.
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Wenn es etwas gibt, das das Werk von Robert Allen Zimmerman zusammenhält, den man besser als Bob Dylan kennt, dann, dass er am liebsten den Trickser und Täuscher spielt, der nicht zu fassen ist. Immer wenn man glaubt, man ist ihm auf der Spur, schlägt er wieder einen tollkühnen Haken. Beim Versuch, das Phänomen Bob Dylan zu erklären, sind schon viele gescheitert.
Sieben Dylan-Songs für Anfänger
Dem Mann, der am 24. Mai 1941 in Duluth, Minnesota, als Robert Allen Zimmerman geboren wurde, nähert man sich aber sowieso am besten über seine Lieder.
In unserer Bildergalerie würdigen wir Bob Dylan in sieben seiner wichtigsten Songs – und zeigen, wie er sich auch als Fotomotiv immer neu inszeniert hat. Die sieben Lieder können Sie auch hier in unserer Spotify-Playlist nachhören.