Porträts der Ministerpräsidenten: Oettinger mit Einschussloch

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), die Künstlerin Anke Doberauer und der ehemalige Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU, r) vor Oettingers Porträt in der Porträtsammlung der Villa Reitzenstein.
dpaStuttgart - Links oben ein gemaltes Einschussloch: Mit einem Porträt im „Tatort“-Stil hat EU-Kommissar Günther Oettinger (62) Aufnahme in die Galerie der Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gefunden. „Tatort Baden-Württemberg: knapp daneben, gesundgeblieben, aber doch angreifbar gewesen“, so kommentierte Oettinger die ungewöhnliche Optik. Genauer äußerte er sich nicht. Nur, dass weder sein Vorgänger noch sein Nachfolger etwas damit zu tun habe - mit dem Schuss.
In der Villa Reitzenstein hängt es nun direkt neben Erwin Teufel (76), den Oettinger im April 2005 ablöste. Bis Februar 2010 führte er in Stuttgart eine schwarz-gelbe Koalition, folgte dann dem Ruf nach Brüssel und wurde von Stefan Mappus (CDU) abgelöst.
Das Porträt der Künstlerin Anke Doberauer aus Bad Homburg zeigt Oettinger mit ernstem und entschlossenem Gesichtsausdruck im Stehen vor türkisfarbenem Hintergrund mit dem Blick zum Betrachter. Das Einschussloch erklärte Doberauer so: „Man ist auch Zielscheibe, man ist auch angreifbar.“
Lob von Kretschmann
Nach-Nachfolger Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, Oettinger stehe die Aufnahme in die Galerie der bedeutenden Köpfe des Landes mehr als zu. Der siebte Ministerpräsident nehme einen „höchst respektablen Platz“ ein, habe etwa mit der Schuldenbremse für die Länder im Grundgesetz eine „historische Leistung“ vollbracht. Teufel ist ebenfalls im Stehen, aber von der Seite und mit ausgestreckter Hand porträtiert, seine drei Vorgänger sitzen: Kurt Georg Kiesinger (CDU) sehr klassisch, Hans Filbinger (CDU) im Stil des expressiven Realismus und Lothar Späth (CDU) fotorealistisch mit in der Tischplatte spiegelnden Händen.
Sehr gerne werde er irgendwann mal friedlich vereint und Jahrzehnte lang nah neben ihm in der Villa „rumhängen“ - „schätzungsweise aber frühestens 2021“, betonte Kretschmann mit Blick auf die nahende Landtagswahl. Oettinger frotzelte zurück: Er freue sich über die kürzlich erst grundsanierte Villa, die jetzt „schöner denn je“ sei: „Schade nur, wenn man jetzt ausziehen muss.“ Die CDU hofft auf eine Rückkehr an die Macht bei der Abstimmung am 13. März.
Oettinger und Kretschmann verbindet landespolitisch der Versuch einer schwarz-grünen Koalition, aus der aber nichts wurde. Kretschmann mit Augenzwinkern: „Der es verhindert hat, wird dann mal zwischen uns hängen.“ Er meinte Stefan Mappus (CDU), dessen Porträt laut Staatsministerium für die nächsten Jahre ebenfalls zugesagt sei.