Sportfischerverein Leonberg: Zum Start gab es im Angelsee gar keine Fische

Andreas Wermuth, Siegfried Riegger und Steffen Feuchter (von links) sinnieren am Tiefenbachsee über alte Zeiten.
Simon GranvilleSiegfried Riegger blickt 50 Jahre zurück, und der nun 82-jährige erinnert sich gut: Es waren sieben Arbeitskollegen und Anglerfreunde, die am Wochenende oft in der Pfalz, im Enzkreis oder am Neckar als Gastangler unterwegs waren. Eines Abends beim gemütlichen Beisammensein wurde die Idee geboren: „Gründen wir doch einen Angelverein hier bei uns und suchen uns in der Nähe ein passendes Gewässer.“
Gesagt getan, am 19. September 1975 wurde der 1. Sportfischerverein Leonberg gegründet. Die zwölf Gründungsmitglieder hatten sich die Förderung des Angelsports sowie die Hege und Pflege des Fischbestandes zur Aufgabe gemacht, obwohl noch kein eigenes Gewässer vorhanden war. 1978 kam ihnen, was den eigenen Weiher, den Tiefenbachsee, betrifft, der Zufall zu Hilfe, weiß noch Andreas Wermuth, der Kassierer des Vereins, der selbst seit 1978 mit dabei ist. „Eine heimische Brauerei hatte den kleinen See im Winter als Eisweiher genutzt“, erzählt er. „Dort wurden dicke rechteckige Eisschollen ausgesägt und mit dem Bier zusammen an die Kunden ausgeliefert.“
Der ungenutzte See verwilderte
Inzwischen friert der See im Winter gerade mal ein bis zwei Zentimeter zu, die Eisfläche ist nicht tragfähig. In den 1970er Jahren hatte wohl jeder Gastronom eh mittlerweile einen elektrischen Kühlraum – und so verwilderte der kleine Tiefenbachsee ungenutzt. Eine gute Gelegenheit für die Angler, sie konnten den See von der Stadt Leonberg pachten. Fische gab es zu der Zeit noch keine im Weiher, erst rund anderthalb Jahre später wurden Schleien, Karpfen und Forellen eingesetzt.
Dennoch fand im gleichen Jahr das erste Seefest statt. Damals noch eine Nummer kleiner als heute und ganz idyllisch rund um den See, während seit vielen Jahren auf der Wiese vor dem später gebauten Vereinsheim gefeiert wird. „Die Forellen wurden damals noch lebend in einem Frischwassercontainer angeliefert“, erinnert sich Wermuth, „und direkt vor Ort verarbeitet.“ Mehr als sechs Zentner waren es.

Andreas Wermuth, Siegfried Rigger, Steffen Feuchter (von rechts) freuen sich auf das Seefest zum 50-jährigen Bestehen.
Foto: Simon GranvilleAuch heute kann die für das Fest benötigte Menge nicht aus dem See gefischt werden. Die frischen Forellen aus dem Schwarzwald werden bereits küchenfertig angeliefert. Zwölf Zentner sind es mittlerweile. Die Tradition, Forellen mit gewürzten Zwiebeln zu füllen, in Folie zu schlagen und auf dem Grill zu dünsten, hat sich aber gehalten.
Zum 50. Jahrestag ihres Seefestes feiern die Seefischer statt zwei diesmal drei Tage lang am kommenden Wochenende, von Freitag bis Sonntag, 8. bis 10. August. Im großen Festzelt auf der Wiese vor dem 1997 erbauten Vereinsheim sitzen die Gäste stets gut geschützt vor Regen und Sonne. Neben den Forellen in Folie gibt es am Samstag und am Sonntag – wie in den vergangenen Jahren – auch Forelle Müllerin, geräucherte Forellen, Zander, Fischbrötchen und Würste vom Grill, alles von regionalen Lieferanten.
Nur am Freitag bleibt die Speisekarte etwas kleiner, „dann können auch wir Mitglieder ein bisschen mitfeiern“, sagt Steffen Feuchter, der Vereinsvorsitzende. „Wir bieten am Freitag geräucherte Forellen, Fischbrötchen, Rettich und Grillwürste an.“ Drei Tage Fest zu stemmen ist für den kleinen Verein mit rund 40 Mitgliedern gar nicht so einfach. „Aber wir sind eine starke Gemeinschaft“, sagt Feuchter „und Familie und Freunde helfen immer mit.“
Befreundete Vereine sind mit im Boot
Das gilt auch für die Hege und Pflege des Tiefenbachsees, dem 1984 hinzugekommenen Unteren Hedersbachsee in der Nähe des Glemsecks und dem Vereinsheim. Doch das große Jubiläumsfest, das die Seefischer schon seit einem Jahr planen und vorbereiten, braucht noch mehr Helfer als üblich. Weil es einen Tag länger dauert, das Festzelt aufgebaut werden muss und es erstmals und wohl einmalig einen Barbetrieb gibt. Deshalb sind dieses Mal Helfer befreundeter Vereine dabei, vom Eltinger Kirbeverein und den Leonberg Alligators.
Aus Anlass des Jubiläums hat Steffen Feuchter diesmal zwei Bands verpflichtet, die im Festzelt für Stimmung sorgen. Am Freitag ab 20 Uhr rockt die Band Kohala, am Samstag ab 20 Uhr gibt es Blues und Rock mit den Blue Beat Rebels.
Die Seefischer feiern am Tiefenbachsee jenseits der Autobahn Freitag ab 16 Uhr, am Samstag ab 12 Uhr und Sonntag ab 10 Uhr. Parkmöglichkeiten sind vorhanden am Vereinsheim in der Bettelmannsreute 4. Auch als Ausflugsziel für Fahrradfahrer und Spaziergänger ist das Fest geeignet.