Flüchtlingshilfe
: Ehrenamtliche schlagen Alarm – „Stadt hat uns nicht gut behandelt“

Der Verein Kultur-Point in Leinfelden-Echterdingen bekommt Unterstützung vom Land für seine Flüchtlingshilfe. Andere Hilfseinrichtungen fühlen sich benachteiligt.
Von
Armin Friedl
Stuttgart
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Eine kleine Wohnung für diese geflüchtete Familie in Leinfelden-Echterdingen, aber doch kein Container mehr. Ehrenamtliche Helfer vermitteln solche Wohnungsangebote.

Ines Rudel

Jeden Tag leisten Ehrenamtliche dringend benötigte Hilfen an Menschen, die nach Deutschland geflohen sind – in Leinfelden-Echterdingen wie in anderen Städten. Darauf können sich die Rathaus-Verantwortlichen verlassen.

Die Ehrenamtlichen setzen auch viele Eigenmittel ein – jenseits der Förderungen, ohne das in Rechnung zu stellen. Kaum verwunderlich, dass sie genau beobachten, ob und was sich an den Förderstrukturen in der Stadt ändert. Denn dahinter stecken Fragen: Wie geht es weiter mit meinem Engagement? Welche Bedeutung hat das künftig für meine Initiative?

Dass es im Bereich der Flüchtlingshilfe unter den ehrenamtlich Engagierten in Leinfelden-Echterdingen brodelt zeigen Leserzuschriften an unsere Zeitung. Absender sind Mitglieder des Arbeitskreises Geflüchtete der Bürgerstiftung LE und des Vereins Lebenswertes LE.Sie kritisieren die Stadt – unter anderem wegen fehlender Wertschätzung für ihre Arbeit.

„Wir sind verwundert, dass in keiner Weise die bisherige ehrenamtliche Arbeit erwähnt wird beziehungsweise eine Würdigung oder ein Dank für die Arbeit mit Geflüchteten zum Ausdruck kommt“, schreiben Elli Brommer, Elfriede Eichhorn, Richter-Alender Thomas und Inge Scherm vom Arbeitskreis Geflüchtete. Von 2014 an würden überwiegend Ehrenamtliche Integrationsleistungen erbringen. Etwa das Vermitteln von Sprachkenntnissen, oder die Alltagsbegleitung zu Ämtern, Job-Center, Ärzten bis hin zu Gerichtsverhandlungen. „Dazu kommt, dass alle Arbeitsmittel, angefangen bei Laptops, Drucker über Papier und Stifte auf Spendenbasis organisiert werden müssen,“ so die Vier vom Arbeitskreis Geflüchtete, einem Projekt der Bürgerstiftung LE.

Flüchtlingshelfer in Leinfelden-Echterdingen: Es herrscht Unmut

In Arbeitskreisen und Vereinen ist viel Engagement für die Flüchtlingsarbeit da.

Foto: Archiv Natalie Kanter

Doch von vorn. Das Sozialministerium hat dem Leinfelden-Echterdinger Verein Kultur-Point eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 40.000 Euro zugesagt. Der Verein leistet ebenfalls schon seit einigen Jahren Hilfe für geflüchtete Menschen. Die Stadt goutiert in Zeiten knapper Kassen die Finanzspritze, mit dem der Verein Kultur-Point seine Hilfe ausbauen möchte.

Für die Kritik der Mitglieder im Arbeitskreis seiner Stiftung und von anderen Einrichtungen hat Martin Doelfs, Vorsitzender im Vorstand der Bürgerstiftung, viel Verständnis. „Prinzipiell ist es doch mal sehr gut, wenn sich möglichst viele Menschen in der Stadt um Geflüchtete kümmern. Und da gibt es ja nicht nur den Kultur-Point und unseren Arbeitskreis, sondern noch weitere Einrichtungen in der Stadt. Und wir treffen uns regelmäßig mit der Rathausspitze an einem runden Tisch, um uns abzusprechen“, erklärt Doelfs. „Wenn wie jetzt die Mitteilung vom Sozialministerium kommt, dass sie eine bestimmte Einrichtung unterstützen, sind die anderen natürlich erst mal enttäuscht. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Das ist ehrenamtliche Arbeit, da steckt viel Herzblut drin. Und so eine Enttäuschung muss auch mal raus.“

Auch Monika Heilmannn, Vorsitzende des Vereins Lebenswertes LE, zeigt sich verwundert: „Wir haben über 42 Arbeits- und Ausbildungsplätze vermittelt. Erst kürzlich wurden von uns zwei Wohnungen vermittelt, damit sind es 47 Wohnungen für Geflüchtete. Wir haben unzählige Behördengänge begleitet, viele Coachings zur Arbeitsvermittlung geführt, wir haben Mieter gecoacht, wir coachen Eltern im Umgang mit Kindern und Schule sowie Kita. Unterm Strich haben wir für Einsparungen von sicherlich gut einer Million Euro gesorgt“, rechnet sie vor und wird deutlich: „Das Sozialministerium hat wohl nicht sehr gründlich geprüft bei der Zusage an den Kultur-Point, einem Verein, welcher der umstrittenen Gülen-Bewegung nahesteht.“ Heilmann betont, enttäuscht von der Stadt zu sein: „Man hätte uns schon darüber informieren sollen, dass das Sozialministerium hier Fördermittel bei der Hilfe von Geflüchteten vergibt, um die man sich bewerben kann.“

Die Vereine und Arbeitskreise in Leinfelden-Echterdingen machen weiter ihre Arbeit

Heilmanns Resümee: „Die Stadt hat uns nicht gut behandelt. Aber das entmutigt uns nicht. Wir machen weiterhin unsere Arbeit. Und da haben wir mehr als genug zu tun.“ Ähnlich sieht das auch Doelfs: „Es bleibt genug zu tun und die Aufgaben bleiben sehr vielfältig. Und da ist es doch nur gut, wenn da möglichst viele Menschen mithelfen wollen.“ Wenn nun weniger Flüchtlinge kommen, sei das ja durchaus erfreulich: „Aber wer will angesichts der politischen Großwetterlage schon wirklich behaupten wollen, dass das so bleibt“, mahnt Doelfs. Andere Kriterien seien ausschlaggebender: „Die reine Zahl von mehr oder weniger Flüchtlingen sagt wenig über die Hilfe-Notwendigkeit aus. Da geht es mehr um die Frage, wie intensiv Hilfe benötigt wird, wie kompliziert die Fälle sind, die es zu lösen gilt“.

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