Naturschutz im Kreis Esslingen: Warum der Landkreis einen Mähwiesen-Botschafter braucht

Keine blühenden Landschaften: Ein artenarme Wiese bietet wenig Anreize für Tiere und Pflanzen.
Thomas KöhlerEin Mähwiesen-Botschafter ist in naturschützerischer Mission unterwegs. Warum braucht der Landkreis Esslingen diese Stelle?
Tätig werden müssen die Mähwiesen-Botschafter in Baden-Württemberg wegen eines Versäumnisses der Bundesrepublik Deutschland. Andrea Wangner, Pressesprecherin des Esslinger Landratsamtes, verweist auf ein bei der Europäischen Union (EU) anhängiges Vertragsverletzungsverfahren. Die Bundesrepublik Deutschland muss danach in den kommenden Jahren nachweisen, dass es Flachland- und Berg-Mähwiesen ausreichend schützt.

Mähwiesen-Botschafter Thomas Köhler.
Foto: Roberto BulgrinRuckzuck und mit einem Fingerschnippen ist es aber nicht getan. Ein Hektiker darf der Mähwiesen-Botschafter nicht sein. Laut Andrea Wangner kann es seine Zeit dauern, „bis sich eine artenarme Wiese zu einer bunten Blühwiese entwickelt“: „So ein Lebensraum entsteht nicht von heute auf morgen.“ Umso wichtiger sei eine konstruktive und vor allem langjährige Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Betrieben.
Das Ministerium gibt das Jobprofil des Mähwiesen-Botschafters vor
Der Mähwiesen-Botschafter muss seinem Dienstherren zeigen, wann und wo er aktiv geworden ist. „Alle Mähwiesen, für die eine Beratung stattgefunden hat, werden vermerkt“, sagt Andrea Wangner. Der Amtsinhaber habe außerdem jährlich einen Tätigkeitsbericht an das Regierungspräsidium Stuttgart abzuliefern. Bilanziert werde das von ihm Erreichte über das baden-württembergische Umweltministerium von Thekla Walker.

Perlmuttfalter auf Kohldistel: Ein Mähwiese bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt.
Foto: Thomas KöhlerEine Art To-do-Liste gibt es für den Mähwiesen-Botschafter auch. Das Stuttgarter Umweltministerium hat laut Landratsamt für den Landkreis Esslingen das Ziel vorgegeben, dass jährlich 25 Hektar artenarme Mähwiesen aufgewertet oder der Prozess zu einer Qualitätssteigerung angestoßen werden muss: „Ein wichtiger Aspekt ist zunächst einmal, die Landbewirtschaftenden überhaupt für das Thema zu sensibilisieren“, sagt Andrea Wangner.
Viele Landwirte wüssten, was Mähwiesen sind und auf welchen ihrer Flächen kartierte Mähwiesen sind. „Andere Mähwiesenbewirtschafter sind allerdings nicht so umfangreich über das Thema informiert“, so die Kreissprecherin. Diese Personen über die Hintergründe und angepasste Bewirtschaftungsmöglichkeiten zu beraten, sei ein wichtiger erster Schritt.